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Zeitreise in ein „Land ohne Frauen“

Bilder
Gruppenbild mit Seevogel und Schiff (v.l.): Wilfried Schultz (Programmgestalter), Thomas Goralzyk (Klavier), Juliana Soproni (Violine), Frank Roder und Sabine Schindler (Sprecher), Martin Karl-Wagner (Kontrabass), Klaus Liebetrau (Fagott), Thomas Piehl (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Holstein), Klaus Schöfer (Vorsitzender der Freunde der Landesbibliothek). Fotos: Hasse

Gruppenbild mit Seevogel und Schiff (v.l.): Wilfried Schultz (Programmgestalter), Thomas Goralzyk (Klavier), Juliana Soproni (Violine), Frank Roder und Sabine Schindler (Sprecher), Martin Karl-Wagner (Kontrabass), Klaus Liebetrau (Fagott), Thomas Piehl (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Holstein), Klaus Schöfer (Vorsitzender der Freunde der Landesbibliothek). Fotos: Hasse

Eutin (wh). Der Frauenanteil unter den 150 Ehrengästen der 12. Matinee der Freunde der Landesbibliothek war sehr hoch. Reine Männersache dagegen waren die ersten Entdeckungsreisen zur Arktis und Antarktis, deren abenteuerliche Geschichte am Sonntag in der Sparkassen-Kundenhalle in Wort und Bild nacherlebt werden konnte. „Land ohne Frauen - Expeditionen in Nord und Süd“ lautete das diesjährig Motto der traditionellen Veranstaltung zum Jahresauftakt. Aus vielen Quellen der Landesbibliothek hatte Wilfried Schultz, Schriftführer des Fördervereins, diese Schau in mühsamer Kleinarbeit zusammengestellt. Einen Schwerpunkt legte er hierbei auf den berühmten „Wettlauf zum Südpol“ zwischen Roald Amundsen und Sir Robert Falcon Scott. Sabine Schindler und Frank Roder trugen die Texte sehr unterhaltsam und lebendig vor, zum Teil aus Tagebucheintragungen der Polarforscher selbst. Gut, dass es in der Kundenhalle warm war, gut auch, dass Wagners Salonquartett mit musikalischer Begleitung „einheizte“, sonst hätte es manchen Besucher frösteln können, denn Bilder und Zitate veranschaulichten sehr eindrucksvoll die Herausforderungen, vor denen die Forscher seinerzeit standen. Das waren vor allem die unwirtlichen, lebensfeindlichen Klimaverhältnisse der Polarregionen, von denen die Menschen bis dahin kaum etwas wussten. Der Weg der Polarfahrer war gekennzeichnet durch beinahe endlose Finsternis, Temperaturen bis -60 Grad Celsius, Orkane und tagelange Schneestürme. Sie hatten eine unbekannte Eiswüste mit Bergen, Gletscherspalten und Schneeverwehungen vor sich, monatelang nichts als Eis, Wasser und Schnee. Mehrere Jahre verbrachten die Männer in der Antarktis, die von englischen Forschungsreisenden um 1900 „The ladyless south“ genannt wurde. Heute leben in unmittelbarer Nähe des Südpols in der „Amundsen-Scott”-Südpolstation bis zu 130 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Es gibt ein Kino, eine Sauna, Forschungslabore und in einem Glashaus wird frisches Gemüse geerntet.
Landrat Reinhard Sager freute sich in seinem Grußwort, dass die literarischen Schätze der Landesbibliothek nicht nur den Wissenschaftlern, sondern einem breiten Publikum zugänglich seien. Thomas Piehl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Holstein, sagte in Anspielung auf das Matinee-Motto, die Erforschung der Pole habe nach wie vor eine hohe Relevanz. „Veränderungen dort haben Auswirkungen auf den Klimawandel, den wir auch hier in der Region deutlich zu spüren bekommen“, sagte er mit Blick auf den Rekordsommer 2018. Und weiter: „Auch für uns als Sparkasse ist der Klimawandel ein Thema. Mit unserem Bildungsprogramm auf dem Bungsberg tragen wir zum Beispiel dazu bei, schon den Kleinsten nachhaltiges Handeln nahezubringen.” Die Grundlage für jedes gesellschaftliche Engagement sei aber wirtschaftlicher Erfolg, so der Vorstandsvorsitzende weiter. In der aktuellen Situation der Kreditwirtschaft, die er als „Zinsschmelze” bezeichnete, stelle das im Hinblick auf die erstrebte Kundenzufriedenheit eine große Herausforderung für die Sparkasse Holstein dar.
Die Gäste der Matinee haben mit einer Eintrittsspende die Anschaffung eines besonderen historischen Buches für die Eutiner Landesbibliothek ermöglicht. Bibliotheksleiter Dr. Frank Baudach stellte das Werk in seiner Begrüßungsrede vor. Es handelt sich um das 1783 gedruckte, sehr seltene „Tagbuch der Reisen“ des Kaufmanns Nikolaus Ernst Kleemann, der in den Jahren 1768-70 von Wien ins Tartarenreich am Schwarzen Meer reiste, mit dem tartarischen Khan Geschäfte machte und bis auf die Halbinsel Krim gelangte. Sein Reisebericht war die erste gründliche Beschreibung dieser damals in Mitteleuropa weitgehend unbekannten, zwischen Türken und Russen heftig umkämpften Region.


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