Marlies Henke

„Ich habe nie so genau hingesehen“: Verein „Zukunft braucht Erinnerung“ lädt zu szenischer Lesung

Ausschnitt aus dem Plakatmotiv der Veranstaltung mit geisterhafter Silhouette vor dem Eingang des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz als Sinnbild für die bis heute nachwirkenden Schatten der Geschichte.

Ausschnitt aus dem Plakatmotiv der Veranstaltung mit geisterhafter Silhouette vor dem Eingang des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz als Sinnbild für die bis heute nachwirkenden Schatten der Geschichte.

Bild: Hfr

Haffkrug. Mit einer szenischen Lesung unter dem Titel „Ich habe nie so genau hingesehen“ laden Schülerinnen und Schüler sowie der Verein „Zukunft braucht Erinnerung e.V.“ am Dienstag, 27. Januar, zu einer Gedenkveranstaltung ein. Beginn ist um 18 Uhr im Haffhuus im Haffwiesenpark. Zuvor findet um 16.45 Uhr die alljährliche Lichteraktion auf dem Cap-Arcona-Friedhof statt.
Der Verein „Zukunft braucht Erinnerung e.V.“ ist aus dem früheren „Arbeitskreis 27. Januar“ hervorgegangen. Seine zentrale Aufgabe sieht er weiterhin darin, am Beispiel des Cap-Arcona-Friedhofs in Haffkrug, unter Einbeziehung des Cap-Arcona-Zentrums in Neustadt, die Bedeutung einer lebendigen Gedenkkultur bewusst zu machen. In den vergangenen Jahren seien dafür viele kleine, aber wichtige Schritte gegangen worden, so der Vorstand.

Wie Erinnerung konkret aussehen kann, zeigen Schülerinnen und Schüler aus drei benachbarten Schulen: dem Ostsee-Gymnasium Timmendorfer Strand, dem Gymnasium Am Mühlenberg in Bad Schwartau und der Cesar-Klein-Schule in Ratekau. Nach einer gemeinsamen Gedenkstättenfahrt in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz berichten sie nicht nur von ihren persönlichen Eindrücken. In der szenischen Lesung tragen sie auch Zeitzeugenberichte vor, darunter Aussagen von Lagerangestellten. Zu hören sind Sätze, mit denen sich viele Beteiligte nach 1945 zu rechtfertigen versuchten: „Ich habe nie so genau hingesehen“, „Davon habe ich nichts gewusst“ oder „Ich habe nur Befehle ausgeführt“, also typische Erklärungen einer Generation, die Verantwortung von sich wies.
An der Eröffnung der Veranstaltung nimmt unter anderem Schleswig-Holsteins Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Forschung und Kultur, Dr. Dorit Stenke, teil.

Wegsehen, Schweigen und Gleichgültigkeit gegenüber menschenverachtendem Verhalten hätten in der Vergangenheit in die Katastrophe geführt, betonen die Veranstalter. Darauf wollen die Schüler und Schülerinnen, sowie der Verein „Zukunft braucht Erinnerung“ mit Blick auf die Zukunft hinweisen..
Bevor die Lesung um 18 Uhr im Haffhuus beginnt, startet bereits um 16.45 Uhr auf dem Cap-Arcona-Friedhof in Haffkrug die traditionelle Lichteraktion. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, eigene Windlichter mitzubringen. (red/he)

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