Ines Rosenow
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Meerwasser-Wärmepumpe offiziell eingeweiht

Neustadt in Holstein. Die Meerwasser-Wärmepumpe versorgt seit Anfang des Jahres im Probebetrieb die ersten Haushalte mit Wärme. Jetzt ist das Pilotprojekt der Stadtwerke Neustadt in Holstein (SWNH) abgeschlossen und soll ganz offiziell an den Start gehen. Damit speist eine Meerwasser-Wärmepumpe erstmals in Deutschland Wärme in ein größeres Netz ein. Zur feierlichen Einweihung empfingen die Stadtwerke rund 80 Gäste, darunter Minister Tobias Goldschmidt aus dem Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein, der Bundestagsabgeordnete Sebastian Schmidt (CDU), der ehemalige Abgeordnete Ingo Gädechens, Kreispräsidentin Petra Kirner, Bürgermeister Mirko Spieckermann sowie zahlreiche Stadtverordnete.

Lösungen für die kommunale Wärmeversorgung

Für Bürgermeister Mirko Spieckermann liefert das Projekt eine Antwort auf die Frage, wie die Wärmeversorgung der Stadt künftig klimafreundlicher gestaltet werden kann. „Die Stadtwerke haben gezeigt, was ein kommunales Unternehmen leisten kann, wenn es auf die nächsten Jahrzehnte schaut“, lobte er. Die Projektverantwortlichen hätten die Ostsee als Teil der Wärmeversorgung der Zukunft begriffen und die Verbindung zu einer naheliegenden Ressource direkt vor der Haustür erkannt, sodass aus einer Idee ein innovatives Vorzeigeprojekt habe werden können.

Bedeutsam über die Stadtgrenzen hinaus

Minister Tobias Goldschmidt sieht in der Realisierung des Projekts einen Beweis dafür, dass Dinge möglich sind. Er sprach von einer Zukunftsinvestition im besten Sinne und bezeichnete die Meerwasser-Wärmepumpe als einen Beitrag zur Energiesouveränität und damit zur Sicherheit Deutschlands. „Herzlich willkommen im Team Energiewende Schleswig-Holstein“, schloss er.

Auch Stadtwerkeleiter Dr. Mark Jahn hob die Bedeutung des Projekts hervor. Die Anlage zeige, was durch den Einsatz neuer Technologien, technische Kompetenz und die Zusammenarbeit verschiedener Beteiligter möglich sei.

Die Herausforderungen

Die Meerwasser-Wärmepumpe in ihrer heutigen Form erforderte die Bewältigung so mancher Herausforderungen, erinnerte sich auch Lars-Arne Beilfuß, der die Anfänge auf technischer Ebene begleitete. Die Lösung sei über Jahre entwickelt worden und habe neben technischen Fragen auch über ganz praktische Überlegungen geführt, etwa die Verwendung der passenden Materialien aufgrund der Erosion oder der Geschwindigkeit, mit der das Wasser eingesaugt werden kann, um einen thermischen Kurzschluss zu vermeiden und den Fischen nicht zu schaden. Um all diese Fragen zu berücksichtigen, wurde ein Fachplaner hinzugezogen, mit dem die Wärmepumpe nach den individuellen Anforderungen der Stadtwerke entwickelt wurde.

Ein Projekt, das Wellen schlägt

Im Rahmen der Feierlichkeit stellten die Stadtwerke die Welle als Symbol für Meerwasser, Energie, Strahlkraft und Dynamik in den Mittelpunkt. Dass das Projekt bereits Wellen geschlagen hat, zeigte auch die Anwesenheit von Kiels Stadtrat Sascha Thümmler und dem Geschäftsbereichsleiter der Stadtwerke Flensburg Andreas Weckesser. Sie sind ebenfalls Akteure anderer Meerwasser-Wärmepumpen-Projekte und haben großes Interesse daran, von der Umsetzung in Neustadt zu lernen. „Nehmen Sie den Schwung mit“, sagte Bürgermeister Mirko Spieckermann, als er in einem feierlichen Akt Wellen aus Holz an die beiden Gäste übergab, die für das Weitertragen der Wärmewende stehen sollen. Er selbst erhielt ebenfalls eine Welle.

Ein Rückblick

Als die Stadt und Investoren die Vision für das neue Hafenquartier mit Gewerbe, Wohnen, Kultur und Tourismus im Jahr 2012 entwickelten, war schnell klar: Es soll mit klimaneutraler Wärme versorgt werden. Gemeinsam mit den Stadtwerken entstand die Idee, Deutschlands erste Meerwasser-Wärmepumpe für ein größeres Quartier zu bauen.

Auf die ersten Planungen und eine Machbarkeitsstudie folgte 2020 der Förderantrag für das Programm „Wärmenetze 4.0“, der ein Jahr später bewilligt wurde. 2022 erhielt das Vorhaben die wasserrechtliche Erlaubnis, im selben Jahr begannen die Bauarbeiten.

So wird aus Meerwasser Heizwärme

Kern der Anlage sind eine Entnahmestation am Hafenbecken, die Energiezentrale und ein rund zwei Kilometer langes Wärmenetz. In der Entnahmestation wird Meerwasser aus dem Hafenbecken entnommen, gefiltert und gereinigt. Anschließend gelangt es zur Energiezentrale. Über das Wärmenetz gelangt das erwärmte Heizwasser schließlich zu den angeschlossenen Wohngebäuden, Gewerbebetrieben und öffentlichen Gebäuden im Quartier. Das zuvor entnommene Meerwasser wird nach dem Wärmeentzug wieder in die Ostsee zurückgeleitet. (ko/red)


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