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Corona: Keine Beschränkungen für Tagesgäste in OH geplant

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Ostholstein/Neustadt. Die Ferienquartiere an den Küsten Schleswig-Holsteins waren für Himmelfahrt und Pfingsten bereits nach den ersten Corona-Lockerungen voll ausgelastet. Seit der vergangenen Woche ist klar, auch Tagesgäste dürfen wieder nach Schleswig-Holstein kommen (der reporter berichtete).
 
Die Kommunen und die einzelnen Kreise sind seitdem mit der Landesregierung im regen Austausch darüber, wie sich der zu erwartende Besucheransturm gerade in den beliebten Tourismusdestinationen lenken beziehungsweise beschränken lässt. Dies gaben am vergangenen Montag (18. Mai) Ostholsteins Landrat Reinhard Sager, sein nordfriesischer Kollege Florian Lorenzen, Tourismusminister Dr. Bernd Buchholz, Innenministerin Dr. Sabine Sütterlin-Waack sowie Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg bekannt.
 
Keine Beschränkungen für Ostholstein geplant
Während für die Nordseeinseln, die Halligen der Nordsee sowie die Gemeinde St. Peter-Ording an bestimmten Tagen ein Betretungsverbot für Tagesgäste beschlossen wurde, wollen Lübeck und Ostholstein ohne Betretungsverbote auskommen. Stattdessen habe man einen Stufenplan entwickelt, sagte Landrat Reinhard Sager, der die touristischen Hochburgen in der Lübecker Bucht erfasse. Voraussetzung sei, dass sich alle – Gäste wie Einheimische – an die Kontaktbeschränkungen hielten. Die Ordnungsbehörden der Kommunen und des Kreises würden dabei eng mit der Landespolizei kooperieren.
 
Auch Neustadts Bürgermeister Mirko Spieckermann betonte die besondere Verantwortung, die wegen der Lockerungen den Kommunen im Hinblick auf den Tourismus zukomme. „Viele Dinge lassen sich einfacher regeln als andere und wichtig ist eine permanente Abstimmung, denn der Tourismus-Sektor ist ein dynamischer, sich ständig ändernder Bereich, der mit viel Fingerspitzengefühl, Umsicht und Vorsicht und nur im Miteinander zu regeln ist“, so Mirko Spieckermann.
 
Stufenplan
Der Stufenplan orientiere sich an der Anzahl der Neuinfektionen pro Woche und könne bei sich schlecht entwickelnden Infektionszahlen bis zu einem Betretungsverbot reichen. Doch zuerst ginge man präventiv vor, sagte der Landrat. Das reiche von gezielten Parkraumbeschränkungen in Timmendorfer Strand am 21. Mai über die Sperrung der Strandpromenade für Radfahrer an Wochenenden und Feiertagen bis hin zur Sperrung von Strandzugängen ohne Strandkorbvermietung und Beach-Lounges.
 
Die Kommunen werden bei ihren Ordnungsaufgaben vom Land unterstützt, betonte Innenministerin Sütterlin-Waack. „Wir setzen dabei weiterhin vorrangig auf Dialog und das Werben für Verständnis. Ich sage aber auch ganz deutlich: Im Zweifel wird mit aller Konsequenz durchgegriffen.“
 
Neustadts Bürgermeister Mirko Spieckermann weiß, dass diese Situation von allen viel Verständnis und ein gutes Miteinander erfordert und ihm ist wichtig, dass alle die Hygieneregeln und die Abstandsvorschriften einhalten. Der Schutz der Bevölkerung liege ihm sehr am Herzen. Ihm sei bewusst, dass sich viele gerade große Sorgen machen, dass der Anstieg des Tourismus zu einem Anstieg der Fälle der Infektionen führen kann. In seinen Augen sei die größte Herausforderung derzeit, dass die Abstände der Menschen zueinander eingehalten und Menschenansammlungen vermieden werden. Zurzeit werde ein Sicherheitskonzept erarbeitet, so der Bürgermeister. Ein Betretungsverbot sei auch in Neustadt momentan nicht geplant, dieses könne aber eingeführt werden, wenn die Anzahl der Neuinfektionen pro Woche einen bestimmten Wert erreichten, so Spieckermann.
 
Neustadt setzt zunächst auf Ansprache und Kommunikation statt auf Verbote und Beschränkungen. Seit Montag sind im Neustädter Stadtgebiet vier große Plakatwände verteilt, die darauf hinweisen, dass „Abstand und Umsicht“ die wichtigsten Eigenschaften sind, um gemeinsam die „hafenheimat“ erleben zu können. Weitere Plakate und Bodenaufkleber sollen noch folgen.
 
„Wir setzen dabei das sogenannte „Abstands-Herz“ in den Fokus, das ganz klar zeigt, worum es in den nächsten Monaten vor allem geht, um Rücksicht und Vorsicht und ausreichend Abstand zum Gegenüber“, so die Initiatoren der Tourismusagentur Lübecker Bucht und des Stadtmarketings.
 
AHA-Formel beherzigen
Die AHA-Formel des Bundesministeriums für Gesundheit bringe es gut auf den Punkt, so Spieckermann. A steht für Abstand, H steht für Hygiene und A steht für Alltagsmasken. Mirko Spieckermann appellierte an alle, indem er an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen erinnert: „Jeder Gast und jeder Einwohner kann dazu beitragen, die Abstände und Regeln einzuhalten, und auch wenn es sich wieder etwas „normaler“ anfühlt, von einer „normalen“ Situation sind wir noch weit entfernt. Wir müssen uns vielmehr auf einen Langlauf, als einen Sprint einstellen und ich hoffe, dass wir den langen Atem haben, den es dafür braucht“. (red/gm)


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