Marlies Henke

Gedenken an die Opfer der Cap-Arcona-Tragödie per Livestream

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Landtagspräsident Klaus Schlie (re.) und die Vertreter der Stadt legten Kränze nieder.

Landtagspräsident Klaus Schlie (re.) und die Vertreter der Stadt legten Kränze nieder.

Foto: Marlies Henke

Neustadt in Holstein. Videobotschaften statt Zeitzeugen, Livestream mit einer Handvoll vertreter von Land und Stadt statt vieler Menschen vor Ort: Pandemiebedingt wurde am vergangenen Montag nur in kleinem Kreis auf dem Ehrenfriedhof am Stutthofweg den Opfern der Cap Arcona-Tragödie gedacht. Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Klaus Schlie, Neustadts Bürgervorsteher Sönke Sela, Bürgermeister Mirko Spieckermann sowie Swenja Granzow-Rauwald von der Amicale International Neuengamme legten Kränze nieder und sprachen Gedenkworte, die live im Internet übertragen wurden. Zum Hintergrund des Gedenktages: Am 3. Mai 1945 wurden die „Cap Arcona“ und die „Thielbek“ in der Neustädter Bucht von britischen Bombern angegriffen und versenkt. Die Royal Airforce vermutete deutsche Truppen auf den Schiffen, doch an Bord befanden sich 7.500 Häftlinge, die meisten aus dem Konzentrationslager Neuengamme. 7.000 Menschen verbrannten, ertranken oder wurden erschossen.
Landtagspräsident Klaus Schlie betonte am Montag, dass die schrecklichen Ereignisse in der Neustädter Bucht vor den Augen der deutschen Bevölkerung stattgefunden haben. Etliche hätten sogar an den grausamen Morden teilgenommen. „Niemand konnte 1945 so tun, als habe er von den Menschenvernichtungsmaschinerie nichts mitbekommen“, so Schlie.
Mit dem Verlust der letzten Zeitzeugen drohe nun ein lebendiger Erinnerungsstrang verloren zu gehen. Gerade deshalb sei es wichtig, die nachfolgenden Generationen in die Erinnerungsarbeit einzubinden. Als zutiefst beunruhigend bezeichnete Schlie zudem den Wunsch vieler Menschen, komplexe Herausforderungen auf simple Parolen zu reduzieren. Zugleich würdigte er die Arbeit, die bisher in Neustadt zur Erinnerung an das Geschehen geleistet wurde. Nach wie vor sei es notwendig, gegen Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und Rechtsextremismus anzukämpfen.
Dass die Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten dürfen, betonte auch Bürgemeister Mirko Spieckermann: „Es ist wichtig, die Erinnerung an diese furchtbare Katastrophe wach zu halten und der Toten zu gedenken. Die Aufklärung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist für die Vergangenheitsbewältigung unabdingbar.“
Vor allem die junge Generation müsse wissen, wie es zu der unheilvollen Entwicklung in Deutschland kommen konnte und welche Auswirkungen und Folgen damit verbunden waren. Denn diese Generation werde in Zukunft politische Verantwortung übernehmen.
„Wir Neustädter müssen damit leben, dass sich ein besonders tragisches Kapitel des Krieges in unserer Stadt ereignet hat“, sagte Spieckermann. Die Stadt stelle sich der Verantwortung, unter anderem mit dem Cap Arcona Museum, das seit 1990 existiert und für dessen Neugestaltung das Land Schleswig-Holstein einen Betrag von 300.000 Euro zur Verfügung gestellt hat.
„Wir schulden es den Opfern, dass ihr Leid nicht in Vergessenheit gerät. Wir tragen Verantwortung, dass sich die Geschichte nicht wiederholen darf. Denn der Frieden, die Freiheit, die Solidarität, die wir heute erleben dürfen, ist nicht selbstverständlich.“
Weitere Gruß- und Gedenkworte sprachen Bürgervorsteher Sönke Sela und Swenja Granzow-Rauwald von der Amicale International Neuengamme. Die vollständige Gedenkveranstaltung kann voraussichtlich demnächst als Video online unter www.stadt-neustadt.de angesehen werden. Weitere Videos, auch mit aktuellen Interviews mit Zeitzeugen gibt es unter www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de. (he)


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