Petra Remshardt

Rätselhafter Besuch beim Schülerreporter

Bilder
Puppenspielerin Dörte Lowitz mit Herrn Kasimir und Fritz. (Fotos: Heike Rhein)

Puppenspielerin Dörte Lowitz mit Herrn Kasimir und Fritz. (Fotos: Heike Rhein)

Foto: Petra Remshardt

Neustadt. Dörte Lowitz besuchte uns Schülerreporter aus der Schülerzeitungs-AG der Jacob-Lienau-Schule. Wir mussten raten, welchen Beruf sie ausübt. In einer großen Kiste, die unsere sympathische Besucherin mitgebracht hatte, befanden sich selbstgebaute Puppen, die uns sehr gut gefallen haben. Und dann war schnell klar: Dörte ist Puppenspielerin. Sie kommt vom Figurentheater Wolkenschieber. Am besten war, dass wir alle Puppen selbst in die Hand nehmen und damit spielen durften. Das war sehr cool.
 
Was bedeutet der Name Wolkenschieber?
Mein Mann fand damals, es werde immer alles viel zu viel schön geredet und so viel unter den Teppich gekehrt. Er hat gesagt, er möchte die Wolken, die zu sehen sind, nach vorne schieben. Bei mir ist es genau andersrum. Ich möchte die Wolken wegschieben und möchte, dass die Sonne scheint. Inzwischen sieht mein Mann es genauso.
 
Wie viele Personen seid ihr?
Hauptberufliche „Wolkenschieber“, das sind mein Mann Marc Lowitz und ich. „Mitschiebende“ sind meine Technikerin und seit Juni dieses Jahres Dank einer Fördermöglichkeit ein Angestellter. Das ist viel Arbeit, die wir haben und es ist ein anstrengender Beruf. Man muss weit fahren, man muss viel tragen - wie ein Möbelpacker: Scheinwerfer, Kabel, Ton- und Lichtanlage, Bühnenbild, Requisiten. Man muss zwei oder drei Stunden erst mal aufbauen und alles einrichten. Da hilft mir jemand. Das Spielen ist auch sehr kraftvoll, obwohl ich total viel Spaß dabei habe. Wenn da hundert Kinder sitzen, muss ich diese hundert Kinder sozusagen tragen, sonst gucken die mich nicht an.
 
Eigentlich hast du mehrere Berufe, welche?
Heute bin ich Puppenspielerin, aber ich habe es nicht gelernt, ich habe es einfach nur gemacht, mir Stück für Stück erobert. Ich bin Krankengymnastin und ich habe Erziehung und Bildung studiert und soziale Arbeit. Als selbstständige Puppenspielerin habe ich mehrere „Berufe“: Ich bin Autorin, denn ich entwickle meine Texte auf der Bühne. Ich bin Schauspielerin. Ich bin immer auch ein wenig Regisseurin, ich muss meine eigene Dramaturgin sein, ich male meine Plakate oft selbst, erfinde Lieder und finde Melodien. Am meisten aber bin ich eine Art „Glücksforscherin“. Die Hauptfrage beim Entwickeln eines Stückes ist: Wie kann ich 45 Minuten lang bestmöglich glücklich machen. Ich versuche, für andere da zu sein. Und wenn ich glücklich mache, dann gleich mehrere Menschen auf einmal.
 
Welche Voraussetzung/Ausbildung braucht man um Puppenspielerin zu werden?
Ich muss für mich sagen, ich brauchte vor allem die Liebe zu den Sachen und zu den Kindern. Du kannst dir alles selber überlegen an dem Beruf und du musst es auch. Es gibt aber auch zwei Studiengänge, in Berlin und in Stuttgart.
 
Welche Figuren spielst Du?
Ich kann mal was aus der Kiste rausholen: Das ist Mexiko, eine kleine Maus. Die haben wir in einem Laden gekauft und umgebaut, mit einer Mechanik versehen. Andere Augen hat sie gekriegt und ich hab die Nase angemalt. Das ist Fritz, eine Klappmaulpuppe. Den habe ich bauen lassen. Er muss hinter einer Mauer spielen, weil ich ein Gemüsebeetmusical habe. Er muss sich hinsetzen können und ich muss mit der Hand in die Pfote rein, damit er auch was greifen kann.
 
Das ist Herr Kasimir, eine meiner ersten selbstgebauten Figuren. Den habe ich für mein neustes Stück gebaut. Das ist eine Tischfigur. Die hat keinen Mund, deshalb muss man sie mehr in Bewegung halten, damit die Kinder denken, dass sie spricht. Diese Figur nennt man auch Wankelfigur.
 
Welche Figuren gibt es noch?
Es gibt viele. Da wir uns unsere Stücke ja meist selber ausdenken, entwerfen wir die Figuren selbst. Das heißt, ich überlege mir, was sie brauchen. Diesen Vogel hat mein Mann gebaut. Er hat eine Kopfmechanik. In dem Stück lernt der Vogel fliegen. Hier kann ich, während ich spiele, die Flügel aufmachen.
 
Hast du eine Lieblingsfigur?
Nein, man liebt sie alle! Du musst sie alle lieben, damit du sie spielen kannst. Ich habe eine Figur bei der neuen Produktion, mit der ich hadere. Es geht so ein bisschen um Mobbing, was mir selber überhaupt nicht liegt und gefällt. Und ich muss auch die scheinbar blöde Ratte spielen. Da kriege ich manchmal Halsschmerzen und ich denke es stört mich noch was! Da hab ich aber jetzt einen Trick gemacht. Die Mobbingratte träumt davon, eine Prinzessin zu sein und damit hat sie einen Tütü an und eine Krone auf. So kann ich sie ein bisschen entspannen. Die „Mobbingratte“ ist die erste Figur, mit der ich Schwierigkeiten habe, weil sie mit Absicht gemein ist und man weiß nicht warum. Aber am Ende weißt du warum und sie hört auf. In der Schule gibt es immer mal welche, die gemein zu anderen sind, also will ich davon auch erzählen. Und ich will versuchen, das ein bisschen zu verstehen.
 
Spielst du allein oder mit anderen?
Meist allein. Selten Duo. Das rechnet sich auch einfach nicht.
 
Wer baut die Figuren?
Da gibt es extra Figurenbauer. Ich arbeite seit Jahren mit dem Puppenbauer Norman Schneider zusammen. Seit zwei Jahren baue ich auch zunehmend selbst. Mein Mann baut häufig selbst.
 
Wo spielt ihr und wie lange dauert ein Stück?
Wenn ich für Kindergärten spiele so ungefähr 40 bis 45 Minuten, für Schulen bis 55 Minuten.
 
Wird der Text wortwörtlich auswendig gelernt?
Wir schreiben den Text ja selber. Aber wir schreiben ihn nicht und spielen dann, sondern wir probieren mit den Figuren aus. Wenn wir die Texte dann entwickelt haben beim Spielen, dann muss ich sie auswendig können, erst mal. Mein Mann spielt dann gerne immer das Gleiche, weil er das gut findet. Ich kann das nicht. Ich muss immer nur aufpassen, dass ich nicht zu viel improvisiere, also neu erfinde beim Spielen. Und die Figuren machen auch oft, was sie wollen. Denen fällt immer etwas Neues ein. Deswegen muss ich bei Auftritten selber auch ganz oft lachen. Die kriegen ein Eigenleben und sagen einfach irgendetwas.
 
Kann man sagen, dass es ein 8-Stunden-Tag ist?
Das kann man selbst entscheiden. Wir haben früher rund um die Uhr gearbeitet. Jetzt bin ich ganz streng mit mir. Wenn unsere jüngste Tochter nicht da ist, arbeite ich. Ich habe die feste Regel: Um 17 Uhr ist Schluss. Sonst komm ich nicht zur Ruhe, weil man wirklich Krawumms reintun muss.
 
Gibt es Konkurrenz zwischen den Figurentheatern?
Es ist an sich so, dass die Puppenspieler untereinander wissen, wie viel Arbeit sie leisten. Das heißt eigentlich, auch wenn sie natürlich ein bisschen Konkurrenzgedanken haben, halten sie zusammen. Das ist das Wichtigere.
 
Bist du vor jeder Vorstellung aufgeregt?
Ja und nein. Es ist so, dass ich mich inzwischen vorher freue. Ich habe vor jedem Auftritt so ein intuitives Gefühl, was von mir gebraucht wird. Das habe ich entwickelt mit den Jahren. Deswegen bin ich auch ruhiger als früher, weil ich genau das erfühle.
 
Vielen Dank, dass Du uns mit Deinen Puppen besucht hast!


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