Gesche Muchow

Schulamt fordert tägliche Beschulung nach Elternprotesten

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Auch in Neustadt geht ab Montag für alle Grundschüler die Schule endlich wieder los.

Auch in Neustadt geht ab Montag für alle Grundschüler die Schule endlich wieder los.

Foto: Gesche Muchow

Neustadt. Ministerpräsident Daniel Günther hatte es ankündigt: Ab dem kommenden Montag (8. Juni) sollen alle Grundschüler in Schleswig-Holstein wieder jeden Tag im Klassenverband zum Unterricht kommen.
 
Die Neustädter Grundschule wollte jedoch einen Sonderweg gehen. Schulleiterin Michaela Grave informierte am Donnerstag (4.6.) in einer E-Mail die Eltern darüber, dass die Klassen hälftig geteilt würden und jeder Schüler nur an jedem zweiten Tag Unterricht haben werde. „Mit der Entscheidung der Landesregierung, am 8. Juni die Schulen in den regulären Unterrichtsbetrieb zurückzuführen, sehe ich persönlich die Gesundheit aller an der Schule beteiligten Personen gefährdet, sofern wir unter den gegebenen räumlichen und hygienischen Bedingungen gleichzeitig über 500 Personen in unserer Schule beherbergen müssen“, so die Schulleiterin in einem Elternbrief.
 
Daher habe man sich in Neustadt für eine hälftige Aufteilung entschieden. Die Aufteilung der Klassen konnte jeder Lehrer selbst entscheiden. Einige teilten nach dem Alphabet, andere nach Leistungsstand oder Geschlecht, wieder andere beachteten Freundschaftsverhältnisse und private Kontakte unter ihren Schülern. Diese hälftige Beschulung der Kinder sei für die Schule „ein vertretbares Maß, um dem Infektionsschutz Rechnung tragen zu können“, so Michaela Grave.
 
Bei zahlreichen Eltern stieß dieses Vorgehen jedoch auf absolutes Unverständnis. „Viele Eltern sind aufgebracht“, erklärte Elternvertreter Klaus Geffken, der sich für eine Gewährleistung der Betreuung außerhalb der Schulzeit stark machte.
 
„Wir verstehen nicht, weshalb alle Schulen im Land aufmachen und nur in Neustadt die Kinder nur an jedem zweiten Tag zur Schule kommen dürfen. Zumal viele auch wieder regulär arbeiten müssen“, äußerte eine Mutter gegenüber dem reporter. Außerdem hätten sich die Kinder bereits so auf die Schule und die Klassenkameraden gefreut. Diese Entscheidung sei jetzt eine neue große Enttäuschung für die Kinder, sagte sie.
 
Weitere Kritikpunkte für viele Eltern waren die kurzfristige Benachrichtigung seitens der Schule, obwohl der Landeserlass bereits seit dem 27. Mai bekannt sei sowie die Information über die Möglichkeit einer Notfallbetreuung und die Klasseneinteilung.
 
„Wir können die Unzufriedenheit und Verunsicherung bei den Eltern verstehen, da sie mit einer Aufnahme des regulären Schulbetriebes an der Grundschule ab dem 8. Juni 2020 gerechnet haben“, bekannte Bürgermeister Mirko Spieckermann. Dies sei aber eine Entscheidung der Schule, an der die Stadt nicht beteiligt gewesen sei.
 
Am Freitagvormittag (5.6.)  kam dann die überraschende Wende. Das Schulamt teilte auf Nachfrage des reporters mit, dass es sich im Falle der Neustädter Grundschule wohl um ein Missverständnis gehandelt habe. „Die Schule wird am Montag wie geplant, ohne aufgeteilten Klassenverband und für alle Schüler öffnen“, sagte Ministeriumssprecher David Ermes vom Bildungsministerium Schleswig-Holstein.
 
„Wir hatten mit der hälftigen Beschulung eine super Lösung gefunden“, zeigte sich Michaela Grave von der neuen Entscheidung des Schulamtes enttäuscht. Gleichwohl werde sie diese natürlich umsetzen und die Eltern umgehend darüber informieren. Sie habe sich diese „Anordnung“ seitens des Schulamtes jedoch sicherheitshalber schriftlich geben lassen: „Ich möchte das nicht verantworten“, sagte Michaela Grave. Gleichzeitig betonte sie, dass diejenigen Eltern, die ihre Sorge teilen und ihre Kinder lieber zuhause behalten wollen, dies tun dürften.
 
Unterricht wird täglich für alle Schüler zwischen 8.30 Uhr und 12.30 Uhr an der Grundschule Neustädter Bucht stattfinden.
 
Als Trägerin des Betreuungsangebotes bietet die Stadt Neustadt am Nachmittag eine Notbetreuung bis zu den Sommerferien. Diese steht den Kindern der HAMI (Hausaufgaben und Mittagsbetreuung) und der Betreuten offen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Angebot einer Betreuung vor dem Unterricht in der Zeit von 7.30 Uhr bis 8.30 Uhr aus personellen Gründen nicht möglich. Sofern nach Implementierung des Nachmittagsangebotes noch personelle Ressourcen vorhanden sein sollten, kann die Einrichtung einer Frühbetreuung nochmals geprüft werden, so Sander Fenner vom Amt für gesellschaftliche Angelegenheiten. (gm)


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