Verdacht auf Wolfsangriff bei Cismarfelde
Cismarfelde. Als Schäfermeister Phil Marschall in den frühen Morgenstunden am vergangenen Samstag nach seiner Schafsherde sehen wollte, bot sich ihm auf der Koppel zwischen Cismar und Grönwohldshorst ein blutiger Anblick. Ein Tier habe alleine etwas abseits der zusammengerotteten Herde gelegen. Für den erfahrenen Schäfer ein klares Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Beim näheren Betrachten stellte er fest, dass dem Tier nicht mehr zu helfen war. Das Verletzungsbild, beide Keulen des Tieres waren herausgerissen, legte die Vermutung nahe, dass ein Wolf am Werk war. Auch ein zweites Schaf hat den nächtlichen Besuch des mutmaßlichen Wolfes nicht überstanden. Es wies Bisswunden im Gesicht und am Hals auf. Damit reiht sich dieser Angriff in eine Serie von vier mutmaßlichen Wolfsangriffen in neun Tagen im Kreis Ostholstein ein. Zuvor waren unter anderem in Koselau und Gosdorf Angriffe gemeldet worden.
Nach dem schrecklichen Fund verständigte Marschall sofort den Rissgutachter, der eine DNA-Probe nahm sowie einen Tierarzt, der die übrige Herde auf weitere Bisswunden oder andere Verletzungen untersuchte. Schließlich organisierte er noch ein paar helfende Hände, um die Schafe ohne den Einsatz seiner Hütehunde, die die Spuren hätten verfälschen können, einzufangen und zurück in den Stall zu bringen. Dort stehen die übrigen Tiere nun sicher vor weiteren Angriffen.
Für Phil Marschall ist dieser Zustand dennoch nicht optimal. „Die Schafe wollen auf die Weide, allein der Geruch von frischem Gras lässt sie im Stall unruhig werden“, so Marschall. Spätestens in ein paar Wochen also, wenn das Wachstum der Pflanzen so richtig in Gang kommt, werden die Tiere wieder raus müssen, auch aus Kostengründen. Derzeit müssen die Tiere mit gekauftem Futter versorgt werden, sodass ein wirtschaftlicher Nachteil entsteht. Den Wert der Tiere sowie die Tierarztkosten bekomme Marschall voraussichtlich ersetzt, wenn die DNA-Analyse ergibt, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handele, die Futterkosten für die Stallunterbringung jedoch nicht.
In vier Wochen sollen außerdem die Mütter mit ihren Lämmern auf die Weide. „Das treibt mich um“, erklärt der Schäfermeister sorgenvoll. Er hoffe, dass der Wolf weiterziehe. Sollte er es nicht tun und in Ostholstein weiter sein Unwesen treiben, sieht Marschall keine Möglichkeit seine Tiere ausreichend zu schützen. Wolfszäune selbst sind teurer in der Anschaffung, würden aber unter bestimmten Voraussetzungen gefördert werden. Dennoch brauche es viel länger sie aufzubauen und man müsse sie ständig kontrollieren, weiß Marschall. Hinzu komme: „Wolfszäune bieten einfach keinen hundertprozentigen Schutz.“
Wie es für die Schafsherde von Phil Marschall nun weitergeht, ist noch unklar. Erstmal bleiben die Ergebnisse der DNA-Analyse abzuwarten, die nicht nur bestimmen kann, ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, sondern sogar genau aufzeigt, welcher Wolf es war. Dann wird sich zeigen, ob ein und dasselbe Tier hinter der Angriffserie stecke. Bis dahin muss der Schäfer allerdings noch geduldig sein, denn dieses Ergebnis liege voraussichtlich erst in einigen Wochen vor. (ko)
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