Reporter Eutin
Plöner Gymnasium hat Blut geleckt
Plön (los). Ein Vampir voller Gier steckt in uns allen. Die finstersten Spitzengewächse dieser Art könnten Putin oder Trump heißen oder sich im rechtsextremistischen Dunstkreis bewegen. Dieses beunruhigende Motiv beschreibt die zugrundliegende Idee für das aktuelle Musical des Plöner Gymnasiums mit Mitwirkenden des 9. bis 13. Jahrgangs. Am kommenden Freitag, 15. März, hat „Gier“ Premiere.
So schaurig-schön, mystisch und nah am Abrund aller Menschlichkeit: Wenn Koukol (Joschua Reinhardt), der Diener des Grafen, die kunstvoll gezimmerten Pappsärge durch die Stuhlreihen schiebt, und Alfred (Adrian Bodendorff), der wissenschaftliche Assistent, mit Pflock und Hammer bewaffnet zaudernd den Kistendeckel öffnet, kommt so etwas wie neogothische Stimmung auf. Die klassisch-transylvanische Mixtur aus zünftig geflochtenen Knoblauchzöpfen und gruftigem Grusel darf bei dieser Aufführung natürlich nicht fehlen. Musikalisch entlehnte Anklänge an die tanzenden Flattermänner des Kultfilms von 1967 reichern das Bühnenstück mit den aussagekräftigen Songs der Zwischenwelt an. Der Musikzweig des Gymnasium Schloss Plön hat alle Register gezogen, um mit Chorgesang (Leitung: Antje Knuth), Schauspiel (Regie: Michael Nentwig und Karin Romming), instrumental (musikalische Leitung: Bo Boj Klupp) und mit eigens ausgetüftelter Technik (Leitung: Merian Bromisch) die komplexe Vampir-Inszenierung um den berühmtesten Untoten lebhaft auszugestalten. Bei aller schwungvoller Unterhaltsamkeit verliert das Musical jedoch nicht seinen roten Faden, der den Zuschauer wenig verblümt auf die Anklagebank mangelnder Selbstreflektion setzt. In diesem Sinn wird die Gier nach dem Blut zum Sinnbild selbstbezogener Verhaltensmuster stilisiert. Das Gehen über Leichen ist doppelbödig mit eingepreist. Und so gehört die Aula zuletzt den geisterhaften Wesen als verlorenen Existenzen zwischen Leben und Tod, auch wenn der famose Knoblauchsong den inhaltlich folgenden Tiefgang zunächst noch zu überspielen scheint. Das personifizierte blutsaugende Böse hält am Ende das Zepter.
Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage gelingt der Spagat zwischen Grufti-Genre und einer grausigen Gegenwart umso wirkungsvoller, als sich die Macher des „Steam-Punk“-Stilmittels bedienen, einer Kunstrichtung der 1980-er Jahre, die ein Stück weit an die Romantik anknüpft, erläutert Michael Nentwig. Darauf aufbauend sei das schwarz-golden gestaltete Szenario bei aller Mystik der Vampirgeschichte in einer industriegeprägten Umgebung angesiedelt. Der Brückenschlag in den Gegenwart gelingt zudem durch Aufgreifen aktueller Brennpunkte der vergangenen Jahre. So werden auf die Hintergrund-Leinwand gespielte Videos unmittelbar mit dem Bühnengeschehen korrespondieren. Ein Schelm, wer bei wachsender Zahl gebissener Bühnen-Blutsauger an deren im Geiste Verwandte dieser Zeit denken muss. Der Klimawandel und die Kriege, die Drohungen Trumps, Putins oder auch am rechten Rand des deutschen Parteienspektrums verunsicherten uns alle, verdeutlichen die Erläuterungen der Schule zu ihrem Musical „Gier“.
Die Filmsequenzen zeigen daher eine zufällig gewählte Vielgestaltigkeit auf, ob sie im Angriff Russlands auf die Ukraine oder dem Sturm auf das Capitol in den USA sichtbar wird, alles ist möglich, erklärt Michael Nentwig den Sinn des Videos im Vampirkosmos der Schulaula. Letztlich fest im (Konsum-)Verhalten der Spezies Mensch verankert, bilden sie deren Unreflektiertheit und innere Leere ab. Wenn der Professor (Magarete Butting und Friederike Flohs), der eigentlich an der Lösung arbeitet, am Ende arglos mit seinem infizierten Assistenten die Rückreise antritt, wird die Pandemie des Bösen also nicht mehr aufzuhalten sein.
Obwohl sein Charakter eine menschliche Sehnsucht nach dem Übernatürlichen mitbedient, sei das Musical mit aller Schärfe auf die Aktualität ausgerichtet: „Es ist das, was uns in den täglichen Meldungen begegnet, so wie die Welt sich darstellt“, sagt Michael Nentwig, „ein pessimistisches Stück, das im Grunde dramatisch ist.“
Karten sind bei der Plöner Buchhandlung Schneider, Lübecker Straße 18, und in den großen Pausen in der Schule erha¨ltlich. Der Eintritt ist frei – Spenden willkommen. Die Abiturienten haben Snacks und Getränke im Angebot. Einlass ist um 19.30 Uhr – der Vorhang öffnet sich um 20 Uhr.
Aufführungstermine: 15., 16., 18., 19., 22. und 23. März 2024.
So schaurig-schön, mystisch und nah am Abrund aller Menschlichkeit: Wenn Koukol (Joschua Reinhardt), der Diener des Grafen, die kunstvoll gezimmerten Pappsärge durch die Stuhlreihen schiebt, und Alfred (Adrian Bodendorff), der wissenschaftliche Assistent, mit Pflock und Hammer bewaffnet zaudernd den Kistendeckel öffnet, kommt so etwas wie neogothische Stimmung auf. Die klassisch-transylvanische Mixtur aus zünftig geflochtenen Knoblauchzöpfen und gruftigem Grusel darf bei dieser Aufführung natürlich nicht fehlen. Musikalisch entlehnte Anklänge an die tanzenden Flattermänner des Kultfilms von 1967 reichern das Bühnenstück mit den aussagekräftigen Songs der Zwischenwelt an. Der Musikzweig des Gymnasium Schloss Plön hat alle Register gezogen, um mit Chorgesang (Leitung: Antje Knuth), Schauspiel (Regie: Michael Nentwig und Karin Romming), instrumental (musikalische Leitung: Bo Boj Klupp) und mit eigens ausgetüftelter Technik (Leitung: Merian Bromisch) die komplexe Vampir-Inszenierung um den berühmtesten Untoten lebhaft auszugestalten. Bei aller schwungvoller Unterhaltsamkeit verliert das Musical jedoch nicht seinen roten Faden, der den Zuschauer wenig verblümt auf die Anklagebank mangelnder Selbstreflektion setzt. In diesem Sinn wird die Gier nach dem Blut zum Sinnbild selbstbezogener Verhaltensmuster stilisiert. Das Gehen über Leichen ist doppelbödig mit eingepreist. Und so gehört die Aula zuletzt den geisterhaften Wesen als verlorenen Existenzen zwischen Leben und Tod, auch wenn der famose Knoblauchsong den inhaltlich folgenden Tiefgang zunächst noch zu überspielen scheint. Das personifizierte blutsaugende Böse hält am Ende das Zepter.
Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage gelingt der Spagat zwischen Grufti-Genre und einer grausigen Gegenwart umso wirkungsvoller, als sich die Macher des „Steam-Punk“-Stilmittels bedienen, einer Kunstrichtung der 1980-er Jahre, die ein Stück weit an die Romantik anknüpft, erläutert Michael Nentwig. Darauf aufbauend sei das schwarz-golden gestaltete Szenario bei aller Mystik der Vampirgeschichte in einer industriegeprägten Umgebung angesiedelt. Der Brückenschlag in den Gegenwart gelingt zudem durch Aufgreifen aktueller Brennpunkte der vergangenen Jahre. So werden auf die Hintergrund-Leinwand gespielte Videos unmittelbar mit dem Bühnengeschehen korrespondieren. Ein Schelm, wer bei wachsender Zahl gebissener Bühnen-Blutsauger an deren im Geiste Verwandte dieser Zeit denken muss. Der Klimawandel und die Kriege, die Drohungen Trumps, Putins oder auch am rechten Rand des deutschen Parteienspektrums verunsicherten uns alle, verdeutlichen die Erläuterungen der Schule zu ihrem Musical „Gier“.
Die Filmsequenzen zeigen daher eine zufällig gewählte Vielgestaltigkeit auf, ob sie im Angriff Russlands auf die Ukraine oder dem Sturm auf das Capitol in den USA sichtbar wird, alles ist möglich, erklärt Michael Nentwig den Sinn des Videos im Vampirkosmos der Schulaula. Letztlich fest im (Konsum-)Verhalten der Spezies Mensch verankert, bilden sie deren Unreflektiertheit und innere Leere ab. Wenn der Professor (Magarete Butting und Friederike Flohs), der eigentlich an der Lösung arbeitet, am Ende arglos mit seinem infizierten Assistenten die Rückreise antritt, wird die Pandemie des Bösen also nicht mehr aufzuhalten sein.
Obwohl sein Charakter eine menschliche Sehnsucht nach dem Übernatürlichen mitbedient, sei das Musical mit aller Schärfe auf die Aktualität ausgerichtet: „Es ist das, was uns in den täglichen Meldungen begegnet, so wie die Welt sich darstellt“, sagt Michael Nentwig, „ein pessimistisches Stück, das im Grunde dramatisch ist.“
Karten sind bei der Plöner Buchhandlung Schneider, Lübecker Straße 18, und in den großen Pausen in der Schule erha¨ltlich. Der Eintritt ist frei – Spenden willkommen. Die Abiturienten haben Snacks und Getränke im Angebot. Einlass ist um 19.30 Uhr – der Vorhang öffnet sich um 20 Uhr.
Aufführungstermine: 15., 16., 18., 19., 22. und 23. März 2024.
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