Reporter Eutin

40 Jahre Tschernobyl

Martin Kastranek hat die Zeitzeugen-Ausstellung für die Heinrich Böll Stiftung realisiert.

Martin Kastranek hat die Zeitzeugen-Ausstellung für die Heinrich Böll Stiftung realisiert.

Bild: V. Graap

Preetz (vg). Der 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl fällt auf den 26. April 2026. Wer erinnert sich im Rückblick nicht an die Unsicherheit und Hilflosigkeit der Menschen in Deutschland, Europa und der halben Welt, die eine radioaktive Verseuchung fürchteten. Am ärgsten traf es die Bewohner vor Ort in der Ukraine und in Belarus – damals noch Teile der Sowjetunion. In Preetz wird der Super-GAU von 1986 und seine Auswirkungen in einer kleinen Veranstaltungsreihe im „Treff Preetz“ in der Kirchenstraße 12-14 beleuchtet.

Organisator ist Martin Kastranek, Vorstandsmitglied im Treff Preetz e.V., der bereits vor Jahren für die Heinrich Böll Stiftung in Schleswig-Holstein eine Fotoausstellung entwickelt hat, die den betroffenen Menschen eine Stimme gibt. „Ende der 90er-Jahre war ich erstmals in Belarus. Damals über die Tschernobyl-Hilfe, über die Kinder aus Weißrussland zu Erholungsferien nach Deutschland geholt wurden. Mich haben die Menschen fasziniert, und dadurch ist die Idee für diese Ausstellung gekommen“, berichtet Kastranek. Zusammen mit seiner Kollegin Gabriela Schultze hat er das Vertrauen der Einheimischen gewonnen, Interviews geführt und fotografiert. Das alte Mütterchen, das am Rande der verstrahlten Zone nahe des Atomkraftwerks Tschernobyl lebte, kommt ebenso zu Wort wie eine zum Unglückszeitpunkt schwangere Frau, die nach Minsk evakuiert wurde – eine von allein 40.000 Menschen, die man aus der Tschernobyl-nahen Stadt Pripjat umsiedelte – sie ist seit 40 Jahren eine Geisterstadt.

„Die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten von Widerstand, Wandel und prägenden Erfahrungen ihrer Zeit. So entstehen eindringliche Texte, die Vergangenheit lebendig werden lassen und neue Zugänge zur Erinnerung eröffnen. Die Ausstellung ,Wenn Erinnerung spricht’ lädt dazu ein, zuzuhören, nachzudenken und Geschichte aus der Perspektive derer zu erleben, die sie selbst miterlebt und mitgeprägt haben. Ein Teil dieser Ausstellung ist jetzt in Preetz zu sehen“, sagt Kastranek.

Eröffnet wird die Schau am kommenden Sonntag, 19. April, um 17 Uhr. Im Anschluss wird der Dokumentarfilm „Das Ding am Deich. Vom Widerstand gegen ein Atomkraftwerk“ gezeigt. Der Streifen erzählt von den Protesten in Brokdorf und den Spuren, die ein jahrzehntelanger Konflikt in der Region hinterlässt. Als Gesprächspartner ist der Brokdorfer Landwirt und Ex-Landtagsabgeordnete Bernd Voß zu Gast, der Informationen aus erster Hand geben kann – auch zum Rückbau des Kernkraftwerks am Elbdeich.

Am Montag, 27. April, um 17 Uhr folgt ein Zeitzeugengespräch im „Treff Preetz“. Zu Gast sind dann Wladimir Siadniou, ehemaliger Liquidator in Tschernobyl, und Alexander Daskevich, langjähriger Mitarbeiter des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks Minsk. Beide kommen aus Belarus und berichten über ihre persönlichen Erfahrungen, die Folgen der Reaktorkatastrophe und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart. „Im Mittelpunkt steht die Begegnung mit Zeitzeugen, die Tschernobyl nicht nur als historisches Ereignis, sondern als prägende persönliche Erfahrung erlebt haben“, betont Martin Kastranek. Die Veranstaltung bietet Einblicke in die damaligen Ereignisse sowie Raum für Austausch über Verantwortung, Erinnerung und die bis heute spürbaren Nachwirkungen der Katastrophe. Mit dabei ist außerdem Gilbert Sieckmann-Joucken, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Bad Bramstedt, als Experte für regenerative Energien.

Schulklassen oder andere Gruppen, die die Ausstellung besichtigen möchten, können sich mit Martin Kastranek unter Telefon 0172-4102039 in Verbindung setzen. Bis zum 27. April soll die Ausstellung im „Treff Preetz“ zu sehen sein.


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