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Demenznetzwerk Kiel nimmt Gestalt an

Sie stellten das Demenznetzwerk Kiel in der anna Ellerbek/ Wellingdorf (Wahlestraße 26) vor (v.l.): Marion Janser (Diakonie Altholstein), Christiane Berndt (AWO), Emmahelene Nagel (anna Ellerbek/ Wellingdorf), Dagmar Richter, Gesa Kitschke (beide Diakonisches Werk Altholstein), Sven Peetz (Verband der Ersatzkassen).

Sie stellten das Demenznetzwerk Kiel in der anna Ellerbek/ Wellingdorf (Wahlestraße 26) vor (v.l.): Marion Janser (Diakonie Altholstein), Christiane Berndt (AWO), Emmahelene Nagel (anna Ellerbek/ Wellingdorf), Dagmar Richter, Gesa Kitschke (beide Diakonisches Werk Altholstein), Sven Peetz (Verband der Ersatzkassen).

Bild: M. Münch

Kiel/ Ellerbek (mm). „Lokale Allianzen“ des dreijährigen Pilotprojekts „Alleine leben mit Demenz“ (ADele), lieferten die Blaupause. Wegen guter Erfahrungen in den Stadtteilen Ellerbek/ Wellingdorf und Russee werden Hilfsangebote für Betroffene der verbreiteten Alterskrankheit und Angehörige nun auf die gesamte Landeshauptstadt ausgeweitet, gebündelt im Demenznetzwerk Kiel. Unter Federführung der Diakonie Altholstein und mit zusätzlichen Akteuren. Dreh- und Angelpunkt der Aktivitäten sollen in sämtlichen Stadtteilen die Anlaufstellen Nachbarschaft (anna) werden.
Das Demenznetzwerk Kiel gibt es offiziell bereits seit Anfang des Jahres. Die ersten Fäden sind längst zusammengebunden. Doch erst jetzt war die Zeit reif, dass die Öffentlichkeit vom ehrgeizigen Projekt erfährt. Federführend ist die Diakonie Altholstein. Im Boot sitzen mehr als ein Dutzend Organisationen, unter anderen die AWO, die Stadt Kiel, der Pflegestützpunkt, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die Seniorenbeiräte der Stadtteile, die Koordinierungstelle innovatives Wohnen im Alter, Ehrenamtsbüro und Pflegedienstleister. „Es dürfen gerne noch mehr werden“, sagt Dagmar Richter von der Anlaufstelle Nachbarschaft Ellerbek/ Wellingdorf. Seit 2022 betreut sie in diesen Stadtteilen für die Diakonie Altholstein eine „lokale Allianz“, gefördert als dreijähriges Projekt ADele (Alleine leben mit Demenz). Bei Richter laufen nun die Fäden für die gesamte Landeshauptstadt zusammen. Sie will alle Kooperationspartner einbinden, um mithilfe der „Anlaufstellen Nachbarschaft“ die Menschen vor Ort fit zu machen für das Thema Demenz. Und blickt weit voraus. Wie das Netzwerk in zehn Jahren aussieht, darüber müsse man jetzt schon nachdenken. „Auf jeden Fall muss das Thema stärker in die öffentliche Wahrnehmung“, betont sie. Anlaufstellen seien für diesen Zweck ideal. Klar sei, dass es allerorten bereits etliche Selbsthilfegruppen, Gesprächskreise und Vortragsreihen gibt. „Die werden auch sehr gut angenommen, vor allem weil hier man niederschwellig über den gefühlvollen Umgang mit Betroffenen sprechen sowie Tod und Verlust verarbeiten kann. Darüber kommen Leute in die annas“. Für Hilfesuchende gebe es zwar auch den Demenzwegweiser Schleswig-Holstein (https://demenzwegweiser-sh.de), „doch es ist etwas ganz Anderes, wenn man direkt mit Menschen sprechen kann“. Vor allem durch ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe ließen sich Berührungsängste abbauen. Das bestätigt Emmahelene Nagel. Nachdem sie eine Qualifikation zur Nachbarschaftshelferin gemacht hatte, leitet sie eine Selbsthilfegruppe: „Hier lernt man sich kennen, Barrieren werden abgebaut“, erzählt sie. Vor allem Betroffene profitierten von regelmäßigen Treffen. „Doch im Blick hat das Netzwerk nicht nur Betroffene, sondern auch Angehörige“, ergänzt Gesa Kitschke, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Altholstein. „Auch da gibt es bereits etliche gute Angebote. Aber die muss man nicht drei oder vier Mal machen, sondern sinnvoll bündeln“, stellt sie klar. Christiane Berndt von der „Beratungsstelle Demenz und Pflege“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sieht das genauso. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, weil es im Grunde alles gibt“, sagt sie. Mit dem Netzwerk ließe sich nun auf die ganze Stadt ausweiten, womit man bereits bei den lokalen Allianzen gute Erfahrungen gewonnen habe. Weiterer Vorteil: „Viele Menschen möchten keine Hausbesuche, daher sind die Anlaufstellen Nachbarschaft eine „wunderbare Lösung“. Die gesellschaftliche Entwicklung hat die Frau von der AWO ebenfalls fest im Blick: „Die Pflege wird uns noch auf die Füße fallen“, prohphezeit sie, „das werden wir künftig nur mit einer Mischung aus professioneller Hilfe und Nachbarschaftshilfe schaffen“. Finanziert wird das Netzwerk von den Krankenkassen mit 25.000 Euro pro Jahr. „Damit wird ein gesetzlicher Auftrag erfüllt“, erläutert Sven Peetz vom Verband der Ersatzkassen (vdek) und freut sich, dass in Kiel landesweit nun das vierte Netzwerk seiner Art aufgebaut wird. „Alle Prozesse, die es bislang gibt, die müssen nun gebündelt und gestärkt werden“, fasst er zusammen. Und gibt zu bedenken, dass er Beispiele kenne, „wo das nicht klappt“: „Letzten Endes hängt das Gelingen stets davon ab, wie Menschen zusammenarbeiten“. Trotz der vorsichtigen Mahnung sind sich alle einig, die bei der Vorstellung mit von der Partie waren: Der Ausbau des Demenznetzwerks ist ein bedeutender Schritt, um in Kiel die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen nachhaltig zu verbessern.

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