Reporter Eutin

Von der „Pike auf“ gelernt

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Schönberg (kud). „Heike“ ist im Kinder- und Jugendhaus der Gemeinschaftsschule Schönberg ein Begriff. „Heike“ hat Rezepte gegen Hunger und Durst, aber auch gegen Schulsorgen, Stress mit den Mitmenschen. Wenn nichts mehr hilft, gibt es eine Umarmung. Soviel Zeit muss sein. 2005 kochte sie erstmals 30 tägliche Mittagessen für Schüler. Inzwischen sind es 280. Die Kinder kennen „Heike“ als jemanden, der auch nach ihren Essenswünschen fragt und im Laufe der Jahre gelernt hat, sich und ihr Team an die ständig wachsenden Portionsgrößen heranzutasten. Aber wer ist eigentlich die „Heike“, die da hinter dem Kochtopf steht?
„Ich hatte immer zwei Interessen“, erzählt sie. „Hauswirtschaft und Medizin.“ Dass sie beides einmal zu einem Beruf zusammenführen würde, daran dachte Heike noch nicht, als die heute 55-jährige einst die Schule im Ruhrgebiet beendete. Damals ging es erst einmal auf die Berufsfachschule für Ernährung und Hauswirtschaft. Danach war die Medizin an der Reihe. Eine Ausbildung zur Arzthelferin und 15 Jahre Tätigkeit in der Unfallchirurgie schlossen sich an. Heirat, Geburt des Sohnes, neue Perspektiven in Schleswig-Holstein. „Das habe ich gern mitgemacht. Ich hatte immer eine starke Affinität zum Meer. Als Kind wollte ich sogar einmal Kapitän werden“, berichtet sie schmunzelnd.
Die persönliche Wende kam mit der ehelichen Trennung. „Aus dem Beruf der Arzthelferin war ich nach zehn Jahren schon zu lange raus. Also wurde ich die erste Ein-Euro-Jobberin bei der Nachmittagsbetreuung von Schülern an der Realschule.“ Dort mussten in der Mittagszeit aber die ersten hungrigen Mäuler gestopft werden. „In der Berufsfachschule hatte ich ja viel über Ernährung gelernt und außerdem habe ich schon damals sehr gern gekocht.“ Also stellte sich Heike an den Herd und kochte. Der Anfang der Mensa war gemacht. 2007, erinnert sie sich, sei dann das Kinder- und Jugendhaus mit Mensa gebaut worden. Die Ganztagsschule nahm ihre Arbeit auf. Heute findet die Essenausgabe in vier Schichten statt, ein Anbau an die Küche verschafft inzwischen neue Kühl- und Lagermöglichkeiten.
In einer Ecke der Mensa haben Heike und ihr Team das tägliche Salatbuffet aufgebaut. Alles frisch geschnippelt. Darauf legt Heike wert. „Die tägliche Ernährung muss gesund und ausgewogen sein, was nicht bedeutet, dass nicht auch einmal etwas Süßes dabei sein darf.“ Jedes Kind bekommt ein Hauptgericht (mit „Nachschlag“, wenn gewünscht), ein Dessert und freie Auswahl am Salatbuffet. Heike schmunzelt: „Immer mal wieder kommen Eltern mit einem großen Zettel in der Hand und lesen mir vor, was ihr Kind alles nicht isst. Bei der Essensausgabe staunen wir dann immer wieder darüber, dass genau diese Kinder alles probieren wollen, was sie angeblich nicht essen.“ Natürlich nimmt das Küchenteam Rücksicht auf bescheinigte Unverträglichkeiten, inzwischen auch auf religionsbedingte Essenseinschränkungen. Einmal wöchentlich gibt es ein rein vegetarisches Gericht. Hackfleischgerichte und andere Fleischgerichte bestehen aus Rinderhack von Bio- Schlachter Muhs aus Krummbek, der günstige Preise bietet und damit auch Sponsor für die Mensa ist. Bis auf sehr wenige zeitaufwändige Gerichte wird alles täglich frisch hergestellt. Alle zwei Wochen erscheint ein frischer Eintopf auf dem Speiseplan, einmal die Woche gibt es als Beilage Nudeln, an einem anderen Tag Reis und natürlich auch Kartoffeln.
Heikes Devise: „Alles mal probieren. Vielleicht schmeckt es ja.“ Und: „Nur nichts umkommen lassen!“ Dank guter Mengenplanung bleibt nur selten etwas übrig. Für diese Portionen finden sich am Nachmittag in der offenen Jugendarbeit des Jugendhauses immer noch Liebhaber.
Viele Menschen legen nach einem langen Arbeitstag gern die Füße hoch und genießen den Feierabend. Heike Dziuba bleibt auch aktiv, wenn die Küche blitzblank und geschlossen ist. Dann macht sie Politik im Gemeinderat. Es ist bereits ihre zweite Legislaturperiode. Ihre
bevorzugten Interessengebiete: Kinder und Senioren. Als SPD-Gemeindevertreterin und Mitglied im Sozialausschuss möchte sie für diese Gruppen noch möglichst viel bewirken. Und im August wird dann erst einmal geheiratet.


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