Zwischen Petri Heil, Naturschutz und einer starken Jugend: Neustädter Anglerverein feierte 90-jähriges Bestehen
Neustadt in Holstein. Ob die Fische in den Erzählungen der Angler mit den Jahren tatsächlich immer größer geworden sind, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei klären. Dass dagegen der Neustädter Anglerverein (NAV) kräftig gewachsen ist, steht fest: Was 1936 mit neun Neustädtern begann, ist heute eine Gemeinschaft mit fast 400 Mitgliedern. Sein 90-jähriges Bestehen feierte der Verein im Rahmen eines Festaktes mit vielen Erinnerungen, einem Blick in die Zukunft und einem traurigen Moment gleich zu Beginn.
Denn nur wenige Tage vor der Jubiläumsfeier war der Ehrenvorsitzende Peter Klüver verstorben. Seit seinem Eintritt in die Jugendgruppe 1964 hatte er den Verein über Jahrzehnte geprägt und von 1981 bis 2017 nahezu durchgehend an dessen Spitze gestanden. Der 1. Vorsitzende Horst Kreft würdigte ihn als loyalen und diplomatischen Vorsitzenden, persönliches Vorbild und „ein großes Stück Vereinsgeschichte“. Trotz der Trauer habe man sich im Sinne Klüvers und nach Rücksprache mit dessen Frau bewusst dafür entschieden, die Jubiläumsfeier stattfinden zu lassen.
Und so richtete sich der Blick schließlich auf das, was Peter Klüver über viele Jahrzehnte selbst mitgeprägt hatte: die Geschichte des Vereins. Kreft und sein Stellvertreter Fabian Estermann nahmen die Gäste mit auf eine Reise von den Anfängen über die ersten gepachteten Gewässer und den Bau der Vereinshütte am Krummsee bis in die Gegenwart. Der NAV zählt 393 Mitglieder, darunter 262 aktive Erwachsene, 44 passive Mitglieder und 87 Jugendliche.
Doch Vereinsgeschichte sei mehr als Jahres- und Mitgliederzahlen. „Eine Chronik kann niemals alles erzählen“, sagte Estermann. Von Freundschaften, Gesprächen am Wasser, den ersten Fischen und schon gar nicht von den Geschichten über besonders große Fische. „Und wie groß die Fische wirklich waren, lassen wir heute lieber offen“, ergänzte Kreft mit einem Augenzwinkern.
Mehr als Angeln
Sieben Seen und zwei Fließgewässer mit insgesamt rund 85 Hektar Wasserfläche hat der NAV gepachtet. Damit verbunden ist auch die Verantwortung für deren Pflege und Erhalt. Hinzu kommen Ausfahrten auf die Ostsee mit dem vereinseigenen Angelkutter „Molly“. Naturschutz wird dabei ganz praktisch verstanden. So wird beispielsweise der Ihlsee als Amphibienschutzgebiet weitgehend der Natur überlassen. An anderen Gewässern gelten unter anderem verlängerte Schonzeiten zum Schutz von Brutvögeln oder aufsteigenden Meerforellen. Auch die Wasserqualität der Vereinsgewässer wird regelmäßig kontrolliert. Der Verein beteiligt sich zudem an Renaturierungs- und Artenschutzprojekten.
Und auch beim Nachwuchs geht es um mehr als das richtige Auswerfen der Angel. Die Jugendgruppe wurde bereits 1955 gegründet.
Für Kreft bedeutet Jugendarbeit nicht allein, Kinder und Jugendliche für das Angeln zu begeistern. Es gehe ebenso darum, Respekt vor der Natur, Verantwortung, Kameradschaft und nicht zuletzt Geduld zu vermitteln.
Wie wichtig diese Verbindung von Naturerlebnis und Gemeinschaft gerade für junge Menschen ist, betonte auch Bürgermeister Mirko Spieckermann in seinem Grußwort. „Wer junge Menschen für die Natur begeistert, ihnen Verantwortung vermittelt und sie Gemeinschaft erleben lässt, investiert nicht nur in die Zukunft eines Vereins, sondern auch in die Zukunft unserer Gesellschaft“, sagte er. Herlich Marie Todsen-Reese vom Krummsee, die dem Verein seit mehr als 50 Jahren verbunden ist, hob ebenfalls die Jugendarbeit hervor. Besonders schätze sie, dass junge Menschen dort fernab von Social Media „eine Heimat und Gemeinschaft finden und Natur unmittelbar erleben können.“
Die nächsten Kapitel
Und Nachwuchs könnte der Verein spätestens in zehn Jahren auch an anderer Stelle gebrauchen. Dann steht das 100-jährige Bestehen an. Der Vorsitzende äußerte die Hoffnung, dass einige der Jugendlichen von heute bis dahin vielleicht selbst Verantwortung als Jugendwart, Gewässerwart oder sogar Vorsitzender übernommen haben. „Die nächsten Kapitel schreiben wir gemeinsam“, betonte Kreft. Mit jedem gepflegten Gewässer, jedem Jugendlichen, der für das Hobby begeistert werde, mit Arbeitseinsätzen, Veranstaltungen und vor allem mit den gemeinsamen Stunden am Wasser.
Die Wünsche von Kreft und Estermann für die Zukunft fielen entsprechend bodenständig aus: gesunde Gewässer, gute Fänge, eine starke Jugend und vor allem eine gute Gemeinschaft. (he)







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