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Blicke in die Kulissen und dahinter

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Museums-Leiterin Dr. Julia Hümme.

Museums-Leiterin Dr. Julia Hümme.

Foto: E. Dörrhöfer

Eutin (ed). Das Ostholstein-Museum widmet sich in seiner Sommerausstellung „César Klein und seine expressionistischen Bühnenwelten“ einem Künstler, der lange Zeit in Ostholstein zuhause, als Maler aber für sein stark expressionistisch beeinflusstes Werk im ganzen Land bekannt war. César Klein (1876 bis 1954) ist vor allem als bildender Künstler bekannt. Dass ein Großteil seines Werkes aber aus Bühnenbildern und Kostümentwürfen für die wichtigsten Inszenierungen am Berliner Staatstheater, für Bühnen in Hamburg und Lübeck besteht, wissen die wenigsten – diesen Teil seines Werkes zeigt das Ostholstein-Museum im Dachgeschoss. Bis in den August hinein dürfen BesucherInnen die Entwürfe dieses außergewöhnlichen Künstlers bestaunen, in von ihm gestaltete Aufführungen eintauchen und entdecken, wie spannend und expressionistisch César Klein arbeitete.
Dass César Klein bildender, aber auch angewandter Künstler war und die Innengestaltung ganzer Villen übernommen hat, Tapeten und Stoffe entwarf, das konnten die BesucherInnen des Ostholstein-Museums bereits bei der César Klein-Ausstellung 2014 entdecken – seine Bühnenbilder allerdings wurden noch nicht ausgestellt: „So eine Ausstellung war bisher, soweit wir wissen, noch nicht zu sehen“, strahlt Museums-Leiterin Dr. Julia Hümme, „das ist erstaunlich, weil die Bühnenbilder und Kostüme so spannend sind.“

 


Regisseur Victor Barnowsky entdeckte einen seiner Entwürfe in einer Architekturzeitschrift und sprach ihn an, ob er sich vorstellen könne, auch Bühnenbilder für Theaterstücke zu entwerfen – César Klein konnte und so weiß man heute von 180 Inszenierungen und rund 3.000 Einzelblättern mit Entwürfen für Kostüme und Bühnenbilder. Für Theaterstücke von Shakespeares Sommernachtstraum bis zu Hermann Degerings „Der Nibelungen Not“ sowie einen Stummfilm: „Genuine“ aus dem Jahr 1920. „Hier freue ich mich besonders, dass wir nicht nur die Entwürfe César Kleins zeigen können“, so Julia Hümme, „sondern auch Fotos von den Dreharbeiten – sie zeigen, dass die Entwürfe auch angewendet wurden – und César Klein hat sich bis ins Detail darum gekümmert, dass sie auch funktionieren.“
Ein Skizzenbuch des Künstlers zeigt die Detailfreude César Kleins und die unglaubliche Farbigkeit seiner Entwürfe – Letztere allerdings verändert sich 1937 komplett. Zu dieser Zeit stuften die Nazis seine Kunst als „entartet“ ein und erteilten ihm Malverbot – nicht aber Arbeitsverbot, so konzentrierte er sich in dieser Zeit auf die angewandte Kunst. Mit seiner Kunst überleben konnte er dank Theatergrößen wie Gustaf Gründgens oder Jürgen Fehling, die ihm Aufträge für Bühnenbilder und Kostüme vermittelten. Und sind seine Entwürfe bisher stark expressionistisch, farbig, kantig, zackig, wie Dr. Julia Hümme erklärt, werden sie nun verhaltener in Form und Farbe. Spannend zu sehen an Entwürfen für die Inszenierungen des gleichen Stückes zu unterschiedlichen Zeiten, wie Goethes „Faust“, einmal 1920, einmal 1940, bei denen sich naturgemäß Elemente ähneln, nicht aber ihre Ausführung. Den Grund kann man nur erahnen – „vielleicht wollte er nicht auffallen sondern einfach weiterarbeiten.“ Möglicherweise ist die Düsternis aber auch der Zeit geschuldet. Das aber ändert sich schlagartig mit der ersten Inszenierung nach dem Krieg – in Paul Hindemiths „Nobilissima Visione“ explodieren Farben und Formen. „Es ist wie ein Befreiungsschlag“, sagt Julia Hümme.

 


Nachdem César Klein lange in Berlin gelebt hat, kauft er 1935 den Eschenhof bei Pansdorf – „und weil er wohl wusste, woher der Wind der Zeit weht, ist er bald auch hingezogen“, so die Leiterin des Ostholstein-Museums, „und hat den Rest seines Lebens hier gelebt und gearbeitet.“ Auch wenn er sich nach dem Krieg wieder der bildenden Kunst widmen konnte, hat er doch weiter für Bühnen in Hamburg und Lübeck die Inszenierungen ausgestattet.
Seine Bühnenbilder sind atmosphärisch dicht, schaffen beim bloßen Ansehen eine Vorstellung, wie die Inszenierung gewesen sein mag – so hört man beim Schiffbruch aus Shakespeares Sturm förmlich das Tosen der Wellen und des Sturms, verirrt sich mit Papagena im Wald der „Zauberflöte“ und leidet mit „Iphigenie in Aulis“. Seine Kostümentwürfe sind herrlich anzusehen – dramatisch bei den Nibelungen, verspielt im Sommernachtstraum, voller Farbe und mit Liebe zum Detail jeder Rolle auf den Leib geschneidert. Die Ausstellung ist eine Freude für jeden, der das Theater liebt, den Expressionismus schätzt – César Klein muss das Theater verstanden haben, auf eine ganz besondere Weise, denn seine Bühnenbilder und Kostüme erzählen Geschichten und lassen sich wunderbar lesen.
„César Klein und seine expressionistischen Bühnenwelten“ sind im Ostholstein-Museum bis zum 7. August 2022 zu sehen.


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