Reporter Eutin

der reporter erzählt Schlossgeschichten: Das Paradebett für den Alten Fritz …

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Passenderweise hängt gleich neben dem Paradebett, in dem Friedrich II von Preußen nie schlief, das Bild seiner Schwester Louise Ulrike, der künftigen Königin von Schweden.

Passenderweise hängt gleich neben dem Paradebett, in dem Friedrich II von Preußen nie schlief, das Bild seiner Schwester Louise Ulrike, der künftigen Königin von Schweden.

Eutin (ed). Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis wir wieder etwas erleben, wieder in Museen gehen, Kultur genießen können. Und weil wir eben zum Beispiel nicht ins Schloss gehen können, bringen wir das Schloss zu Ihnen. Dazu haben wir uns mit Historikerin und Schlossführerin Tomke Stiasny getroffen, die alles weiß, was man über das Schloss wissen kann. Sie hat uns die spannendsten, lustigsten, traurigsten, romantischsten und erstaunlichsten Geschichten erzählt – und diese Schlossgeschichten werden wir nun ab sofort Ihnen erzählen, um die Zeit zu überbrücken, um von den Besonderheiten zu berichten, um die eine oder andere Anekdote über Ihr Schloss zu erzählen, die Sie vielleicht noch nicht kennen.
Zugegeben: Das herrliche rotseidene Paradebett im Schloss kennt fast jeder – es war einst nicht nur für einen ganz besonderen Gast gedacht, es erzählt auch eine ganze Menge über die Schlafkultur der Reichen und Schönen dieser Zeiten.
Herzogin Louise Ulrike, die mit dem Eutiner Fürstbischof Adolf Friedrich vermählte Prinzessin von Preußen war es, die dieses Bett in den 1760er Jahren anfertigen ließ. Denn sie hoffte, dass ihr berühmter und mächtiger Bruder, Kaiser Friedrich II von Preußen, auch Alter Fritz genannt, eines Tages den Weg nach Eutin finden und ihrem Hof durch seinen Besuch noch mehr Glanz verleihen würde. „Für seine standesgemäße Nachtruhe aber fehlte noch das richtige, angemessen prachtvolle Bett“, schmunzelt Tomke Stiasny. Also bestellte sie ballenweise Lyoner Seide in kaiserlichem Rot, durchwirkt mit goldenen Fäden. Hiermit wurde ein wundervoll gearbeitetes Bett eingekleidet, das einen herrlichen, eines Kaisers würdigen Baldachin bekam. „Den Himmel hatte das Bett allerdings nicht nur aus dekorativen Gründen“, verrät Tomke Stiasny. „Wanzen gab es damals überall und zuhauf. Und Wanzen ziehen sich tagsüber an die Decke zurück, um sich nachts, wenn es im Bett warm wird, von der Decke fallen zu lassen und es sich an dem Schlafenden gütlich zu tun.“ Ein anderes praktisches Argument ist die Temperatur. In einem Schloss wird es selten besonders warm – und so ist auch das Eutiner Schloss besonders im Winter recht frisch. Der Baldachin, gemacht aus festem Stoff, verfügt über einen Vorhang, der, wird er zugezogen, wenigstens ein bisschen die Wärme in Bettnähe hält. Und außerdem sieht er natürlich richtig prachtvoll aus.
Es ist aber nicht nur die üppige Pracht des Bettes, die Fragen mit sich bringt – „ich werde oft gefragt, wieso das Bett so kurz ist, ob die Menschen damals wirklich so klein waren“, so Tomke Stiasny. „Nein, das waren sie nicht. Aber es war üblich, im Sitzen zu schlafen.“ Denn die Menschen dachten, dass nur Tote liegen – und wenn sie sich zum Schlafen hinlegten, würden sie sterben. Es kursierte auch die Mär vom Alp, der sich im Schlaf auf die Brust des Liegenden setzt und ihn erdrückt. Also schlief man besser im Sitzen. Und dafür reichte ein kurzes Bett.
Möglich ist auch, dass das Sitzendschlafen schlicht angenehmer war, denn nicht allzuwenige Menschen damals litten an Atemwegserkrankungen. Und wer einmal eine ordentliche Bronchitis hatte, weiß, dass man im Liegen aus dem Husten nicht mehr rauskommt.
Kurz und gut: Friedrich II kam nicht nach Eutin. Wir wissen nicht, wieso – vielleicht hatte er zuviel mit Kriegen und Regieren zu tun. Louise Ulrike zog dann auch recht bald mit ihrem Gemahl nach Schweden und wurde dort Königin – ob ihr großer Bruder sie dort besuchte, wissen wir auch nicht. Aber immerhin sollte das Bett im Eutiner Schloss noch eine große Rolle spielen, nicht nur als begehrtes Gästebett im Schloss. „Es werden dann sicherlich andere prominente Gäste des Schlosses darin geschlafen haben“, sagt Tomke Stiasny, „unter anderem ein arabischer Fürst, der hier auf der Durchreise war.“ Die Rolle seines Lebens aber hatte es dann 1971 während der Dreharbeiten für den Film „Cabaret“ mit der jungen Liza Minnelli, die sich als US-Sängerin Sally in den frühen 1930er Jahren durch die Berliner Szene tanzt und singt. In einigen Szenen des Films ist das Bett zu sehen, auf dem Sally ihre Kleidungsstücke ablegt. Und so gelangte das Paradebett, in dem der Alte Fritz nie schlief, dann doch zu Weltruhm.
Übrigens werden die Eutiner Festspiele in diesem Jahr das Musical „Cabaret“ auf die Freilichtbühne im Schlossgarten bringen – und dann kommt auch das wunderbare Bett des Alten Fritz zu neuen Ehren.


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