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„Die Arbeit verschafft mir eine gewisse Zufriedenheit“ Die Ehrennadel des Kreises Ostholstein für Christian Burgdorfs ehrenamtliches Engagement

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Christian Burgdorf ist Vorsitzender des Betreuungsvereins Ostholstein, fährt gern den Malenter BürgerBus und hat die Alzheimer-Gesellschaft für Ostholstein gegründet – für sein vielseitiges ehrenamtliches Engagement bekam er nun die Ehrennadel des Kreises verliehen.

Christian Burgdorf ist Vorsitzender des Betreuungsvereins Ostholstein, fährt gern den Malenter BürgerBus und hat die Alzheimer-Gesellschaft für Ostholstein gegründet – für sein vielseitiges ehrenamtliches Engagement bekam er nun die Ehrennadel des Kreises verliehen.

Foto: E. Dörrhöfer

Eutin (ed). Der Kreis Ostholstein verleiht seit vielen Jahren schon die Ehrennadel auf den Vorschlag von BürgerInnen an Menschen, die im ehrenamtlichen Bereich besonderes Engagement gezeigt haben. In der vergangenen Woche bekam auch Christian Burgdorf die Ehrennadel angesteckt. Ganz überraschend, wie er erfreut erzählt, und das ist bezeichnend: Denn für Christian Burgdorf ist die Ehrennadel etwas sehr Besonderes, nicht aber sein ehrenamtliches Engagement, es ist, als ob er findet, dass, wenn man helfen kann, man es auch tun sollte – und er tut es. Seit seinen ersten Berufsjahren und über den Ruhestand hinaus. Denn: „Es gäbe nichts Schlimmeres“, schmunzelt er, „jetzt auf meiner Veranda zu sitzen und nichts zu tun.“

 


Christian Burgdorf kommt aus Niedersachsen – hier oben in Schleswig-Holstein ist er „erst“ seit 2007, wer aber mit Pflege, mit Demenz oder Betreuung zu tun hat, kommt um ihn nicht herum. Er ist geballtes Fachwissen und strahlt die Freundlichkeit und Ruhe aus, die man an seiner Seite wissen will, wenn man selbst oder die Liebsten Hilfe in Pflege- oder Betreuungsfragen brauchen. Und wenn man sich die Stationen seines Berufslebens anschaut, stand immer genau das im Mittelpunkt seines Tuns:
Er hätte sehr gemütlich das bestens etablierte Geschäft der Familie übernehmen können, er habe aber schon früh gewusst: „Ein Schreibtischjob ist nichts für mich.“ Wegweisend für seine Zukunft war eine Klassenfahrt in ein DRK-Heim, wo auch Kinder mit Behinderung lebten – „mich hat das so beeindruckt, wie man dort mit den Kindern umgegangen ist“, erzählt Christian Burgdorf, „das hat mich sehr geprägt.“ So zeugte auch das „Junge, dann geh doch zur Bank!“ seines Vaters nicht von Erfolg – der komplett vergeigte Eignungstest, den Christian Burgdorf ihm zuliebe absolvierte, überzeugte auch den Papa. Und der Sohnemann machte nach dem Abitur erstmal das, was heute Freiwilliges Soziales Jahr heißt, und arbeitete als Hilfspfleger in der geschlossenen Männerpsychiatrie. Und dieses Jahr bestärkte ihn in seinem Entschluss, Menschen zu helfen – „gerade diese psychischen Erkrankungen, die man kaum fassen kann und mit denen man sich auseinandersetzen muss, dann die vielen verschiedenen Menschen, mit denen ich zu tun hatte, ich wusste, das will ich machen.“ Also lernte er Krankenpfleger – um dicht an den Menschen zu sein. „Männer in der Krankenpflege waren damals keineswegs an der Tagesordnung“, erzählt er, „ein ehemaliger Lehrer sagte mal zu mir, als er von meinem Beruf hörte: So’ne muss es ja auch geben.“ Schon während der ersten Berufsjahre machte berufsbegleitend die Pflegedienstleiter-Ausbildung und gründete mit ein paar Gleichgesinnten eine Tagespflege, ehrenamtlich, versteht sich. Nach Stationen als Pflegedienstleiter in Wolfenbüttel und der Heimleiter-Ausbildung in Worpswede war Christian Burgdorf Heimleiter eines Pflegeheimes der AWO – und dann zog es ihn nach Schleswig-Holstein. Viele Jahre lang hatte er zusammen mit seiner Frau Claudia immer wieder gemeinsame Freunde hier oben besucht. „Und irgendwann haben wir gesagt: Es ist so schön hier, lass uns da hoch ziehen“, erinnert er sich lachend. Als das DRK in der Waldstraße die Stelle eines Heimleiters ausschrieb, war der Umzug beschlossene Sache.2007 war das, und kaum angekommen, suchte er nach Möglichkeiten, sein Wissen und seine Erfahrung ehrenamtlich einzusetzen, um zu helfen – er fand sie im Betreuungsverein Ostholstein, in dessen Vorstand er seit 2008 ist. Weil Christian Burgdorfs Interessen vielfältig sind, trat er 2011 in die Bürgergemeinschaft Eutin ein und war auch hier bis 2020 im Vorstand tätig – und seit einigen Jahren fährt er zudem mit weiteren engagierten Ehrenamtlern den Lütten Lenter, den Malenter BürgerBus.

 


2011 war es auch, als er von der Waldstraße ins Sankt Elisabeth-Krankenhaus wechselte und hier den Sozialen Dienst übernahm und 2017 Pflegedienstleiter wurde. Seit dem 1. März 2020 ist er nun im Ruhestand – irgendwie jedenfalls, denn er ist zwar nicht mehr hauptamtlich berufstätig, aber immer noch Vorsitzender des Betreuungsvereins. Das die Erfahrung und die Kompetenz, die er sich in all seinen Berufsjahren aneignete, nutzt er nun ehrenamtlich, ist für BetreuerInnen wie auch für Menschen mit Betreuungsbedarf und ihre Angehörigen da. So gründete er, einfach weil er den Bedarf sah, im vergangenen Jahr die Alzheimer-Gesellschaft für Ostholstein und ist deren Vorsitzender.
Freizeit, so sagt er, habe er trotz alledem: Um mit seiner Hundedame Emma lange Spaziergänge zu unternehmen zum Beispiel oder im Garten zu arbeiten. Und doch sei es die Zeit, die er ehrenamtlich für den Betreuungsverein oder die Alzheimer-Gesellschaft tätig ist, die seiner Resilienz diene, wie er fast ein bisschen entschuldigend zugibt.

 


Der Leitsatz der Alzheimer-Gesellschaft ist, den Betroffenen und ihren Angehörigen ein Kompass zu sein, und das trifft auch auf ihn zu. Christian Burgdorf ist kein Lauter, keiner, der viel schnackt – er ist ein Lösungsfinder, mit all seiner Erfahrung und seinem Fachwissen fahndet er ruhig, aber unerbittlich nach Möglichkeiten und Wegen, bis er weiß, wie und womit er helfen kann, das Leben ein bisschen leichter zu machen, denn genau das ist sein Beweggrund, ganz selbstverständlich und weil er es kann: „Menschen, die gerade nicht so sehr vom Leben begünstig sind, dasselbe ein bisschen leichter zu machen“, sagt er. „Das verschafft mir eine gewisse Zufriedenheit.“ Und diesen Menschen und ihren Angehörigen fällt dank seines leisen, aber hartnäckigen Engagements ein Stein vom Herzen. Heute kann man guten Gewissens sagen: Wenn es mehr „so’ne“ wie ihn gäbe, wäre die Welt ein bisschen besser. Lieber Christian Burgdorf: Unsere herzlichsten Glückwünsche zur Ehrennadel des Kreises Ostholstein.


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