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„Es ist genug Impfstoff für alle da“

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„Wir lassen uns sofort impfen“, sind sich die Eutiner HausärztInnen Anne Schluck und Ludger Iske einig, „sobald wir an der Reihe sind.“

„Wir lassen uns sofort impfen“, sind sich die Eutiner HausärztInnen Anne Schluck und Ludger Iske einig, „sobald wir an der Reihe sind.“

Eutin (ed). Aller Anfang ist schwer, besagt ein deutsches Sprichwort – wieso sollte das nicht für eine so komplizierte Angelegenheit wie den Kampf gegen das Coronavirus gelten? Wir haben einen Impfstoff. Es wird bereits geimpft. In Pflegeheimen, Kliniken, aber auch in den Impfzentren wie in Eutin – auf der anderen Seite ist aber auch die Frustration groß, denn viele ältere Menschen haben wieder und wieder erfolglos versucht, einen Impftermin zu bekommen, waren deswegen verständlicherweise aufgebracht und vielleicht sogar verzweifelt. Wir haben bei den Eutiner HausärztInnen nachgefragt, wie das ist mit dem Impfen. „Ganz sicher ist, dass jeder Mensch in Deutschland geimpft wird, der geimpft werden möchte“, sagt Dr. Ludger Iske, „es wird genug Impfstoff geben für alle.“ Die Frage war in den vergangenen Wochen nur: Wann – und vor allem: Wie an einen Termin kommen?
Am vergangenen Donnerstag ist dann passiert, was ziemlich selten passiert, vor allem in der Politik: Die Schleswig-Holsteinische Landesregierung hat erkannt, dass die Methode, ältere Schleswig-Holsteiner selbst per Telefon oder Internet für einen Impftermin sorgen zu lassen, nicht optimal war, und hat das nicht nur erkannt sondern auch gehandelt. Ab Ende Januar werden die jeweils Impfberechtigten (denn impfberechtigt ist natürlich jeder, eben nur der Reihe nach) angeschrieben, die Ältesten zuerst und dann an Lebensjahren abwärts, mit einem Code und einer Telefonnummer. Diese Telefonnummer rufen sie dann an, übermitteln ihren Code und bekommen dann ihren Impftermin – der durchaus etwas weiter in der Zukunft liegen kann, denn ganz genau weiß man noch nicht, wann wieviel Impfstoff verfügbar ist. Wenn dann aber mehr Impfstoff da ist als erwartet, kommt ein Anruf mit der Frage: „Können Sie früher kommen?“
„Natürlich wurden Fehler gemacht, aber es waren immer sichtbare, keine versteckten. Und bei aller nachvollziehbaren Kritik an Einzelaspekten von Impfstoffbeschaffung, -verteilung und -anwendung dürfen wir eins nicht vergessen“, gibt Dr. Ludger Iske zu Bedenken, „diese medizinische und gesellschaftliche Leistung ist das größte Medizinprojekt der gesamten Menschheitsgeschichte und insgesamt eine unglaubliche Erfolgsstory. Das sollte uns helfen, etwas vorsichtiger, nachsichtiger, umsichtiger und rücksichtsvoller mit dem umzugehen, was in dieser Lernkurve an Zacken sichtbar wird.“ Und einen dieser Zacken hat die Landesregierung nun schon geglättet – anderes läuft bereits glatt so wie die Organisation im Impfzentrum auf dem Eutiner Marktplatz. Betreut von BundeswehrsoldatInnen werden hier derzeit Ostholsteiner über 80 und Pflegekräfte geimpft – „und das klappt reibungslos“, freut die Eutiner Hausärztin Anne Schluck sich, „sehr entspannt und kompetent.“ Wenn also demnächst die Impfbenachrichtigungen rausgehen, geht das Impfen erst richtig los. Und über die üblichen Impfreaktionen von der Rötung um den Einstich und Schmerzen im Arm über Müdigkeit bis zu Kopfschmerzen ist nichts zu befürchten.
Denn: So hoch die Impfbereitschaft auch ist, gibt es doch auch Zweifel, vor allem, weil der Impfstoff so schnell entwickelt worden sei – und ob so ein Schnellschuss gut sein könne? Allerdings: Die mRNA ist gar kein Schnellschuss. „Das Prinzip, mit der wir die Abwehrinformation gegen Covid19 in den menschlichen Körper transportieren, damit sie dort wirksam werden kann“, erklärt Dr. Iske, der seine Doktorarbeit über mRNA geschrieben hat, und das sei schon so einige Jahre her, wie er schmunzelnd zugibt, „ist biologisch nichts Neues – das Verfahren wird seit Langem erfolgreich und sicher in der Krebstherapie angewandt.“
Auch in Sachen Langzeitfolgen geben die Ärzte Entwarnung: „Wir wissen schon jetzt, dass die Mittel- und Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung bei den Überlebenden weit dramatischer sein können als alle Spätfolgen des Impfens“, sagt Ludger Iske. „Es ist keine Langzeitfolge der Impfung denkbar, die die von Covid 19 übertreffen könnte. Eigentlich ist eine Reaktion des Körpers über die üblichen Impfreaktionen gar nicht möglich.“ Die Befürchtung, dass der Impfstoff ins Erbgut übergeht, sei ebenso obsolet und biologisch gar nicht möglich. „Wir haben in den letzten Jahren so viel aufgearbeitet, was das Impfen angeht, sind immer besser geworden“, ergänzt Anne Schluck, „und der Impfstoff, den Biontech entwickelt hat, entspricht diesen hohen wissenschaftlichen Standards und diesem Stand der Sicherheit.“
Viele Arztpraxen informieren auf ihren Homepages über das Coronavirus, die Erkrankung und die Impfung und sind gerne bereit, auch im persönlichen Gespräch weiter darüber aufzuklären, Befürchtungen zu entkräften, Ängste zu nehmen. Das Wichtigste ist: Bleiben Sie ruhig, haben Sie etwas Geduld, beachten Sie weiter die Corona-Maßnahmen und sprechen Sie bei Bedenken gern Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin an. Gern informiert auch das Ärztenetz Eutin Malente über die Emailadresse coronainfo@aerztenetz-eutin.de. „Es braucht alles etwas Zeit, aber Zweifel und Befürchtungen sind schlicht nicht nötig. Wir werden uns sofort impfen lassen“, sind sich Anne Schluck und Ludger Iske einig, „sobald wir an der Reihe sind.“


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