Reporter Eutin

Friedhofspflege als Gemeinschaftsprojekt

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Bad Malente-Gremsmühlen (t). Die Bestattung im klassischen Grab wird immer seltener, darunter leiden viele Friedhöfe. „Die Friedhöfe müssen sich finanziell selbst tragen, doch die Einnahmen werden immer weniger und die Pflege der Anlage ist teuer“, erklärt Dieter Schott. Deshalb initiierte er vor zwölf Jahren eine gemeinschaftliche Friedhofspflege: mindestens viermal jährlich treffen sich Freiwillige Helfer*innen auf dem Waldfriedhof Malente, um Müll zu sammeln, Unkraut zu jäten, Laub zu harken, oder Ordnung zu schaffen, egal was gerade anliegt.
Rund 35 Helfer kommen üblicherweise zu den Treffen, trotz Corona und Regen waren am vergangenen Samstag immerhin knapp 20 Leute da. „Besonders schön finde ich, dass Leute aus allen Bereichen zum Helfen kommen“, sagt Schott. Da ist zum Beispiel Julia Freese, die Vorsitzende des Vereins Freunde des Kurparks, die gärtnerisches Fachwissen mit einbringt, Ellen Heesch, die für den Kirchengemeinderat im Friedhofsausschuss sitzt und für die es ein persönliches Anliegen ist, den Toten hier Ehre zu erweisen, und Emad Nassar, der vor dreieinhalb Jahren aus Syrien floh und sich in Malente viel ehrenamtlich engagiert.
Ebenfalls eine sehr persönliche Beziehung zu dem Waldfriedhof Malente hat Ulrike Behrens: Sie ist nicht nur ehemalige Bürgervorsteherin, sie hat auch jahrelang ein Seniorenheim geleitet und vielen Bewohnern auf diesem Friedhof die letzte Ehre erwiesen. „Es ist schön, diesem Ort etwas gutes zu tun“, sagt sie. Später möchte sie selbst hier beerdigt werden, das hat sie bereits entschieden. Sie erinnert sich gerne an die letzten zwölf Jahre zurück, von Anfang an gehörte sie zu den ehrenamtlichen Friedhofspfleger*innen. „Früher war mein Enkel oft mit, der kam dann extra aus Hamburg, das hat uns beiden viel Spaß gemacht. Es ist nicht nur eine gute ehrenamtliche Tätigkeit, wir sind über die Jahre auch zu einer echten Gemeinschaft zusammengewachsen.“
Dass sich so viele Menschen für den Friedhof engagieren, liegt nicht nur an der besonderen Schönheit des Ortes mit Blick über die scheinbar unberührte Natur Ostholsteins, sondern auch an dem Frieden, der an diesem Ort herrscht. „Der Waldfriedhof ist zwar ein evangelisch-lutherischer Friedhof, aber hier liegen Menschen verschiedenster Religionen und Weltanschauungen“, sagt Schott. „Jeder hat seine eigene Geschichte, der Friedhof erzählt die Geschichten verschiedenster Schicksale.“ Einer der Männer, der hier nach dem Krieg einen Gedenkstein bekam, tauchte Jahre später sogar auf: Als Spätheimkehrer aus dem zweiten Weltkrieg wurde er für tot erklärt, als er aus der Gefangenschaft zurückkam, war seine Frau bereits neu verheiratet und an ihn erinnerte bloß noch ein Stein auf dem 1951 neu errichteten Malenter Waldfriedhof.
Damals sorgten Krieg und Vertreibung für einen Bevölkerungszuwachs in Malente, der nach einem neuen Friedhof verlangte, nun wird die Bestattungskultur immer seltener zelebriert: Vier Jahre nach Beginn der ehrenamtlichen Friedhofspflege, im Jahr 2012, wurde der Friedhof teilweise stillgelegt, nach und nach soll er zu einem Park zurückgebaut werden. Bis 2040 sollen dort noch Bestattungen stattfinden, ab 2060 soll bloß ein Park daran erinnern, das dort einst Tote ihre letzte Ruhe fanden. Bereits jetzt blüht am Rande des Friedhofs jeden Frühling eine Wildblumenwiese als Bienenweide, im Fontanejahr 2019 wurde ein Birnenbaum gepflanzt, in Erinnerung an „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ - und wer sich noch an die Geschichte des Gedichts erinnert, wird dort auch immer an den Waldfriedhof erinnert werden.


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