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„Gewalt kommt nicht in die Tüte!“

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Vor dem Rathaus gab es Infos und die Brötchentüten mit der wichtigen Telefonnummer.

Vor dem Rathaus gab es Infos und die Brötchentüten mit der wichtigen Telefonnummer.

Foto: Ochs

Eutin (co). Mit dem alljährlichen Aufruf „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ sollen Menschen für das Thema „Gewalt gegen Frauen und Kinder“ sensibilisiert werden. Auch in diesem Jahr verteilte das Aktionsbündnis vor dem Eutiner Rathaus Brötchentüten mit diesem Aufdruck und der Nummer des Hilfetelefons für Betroffene von häuslicher und sexualisierter Gewalt. Die Nummer des Hilfetelefons lautet: 0800 0116016. Mitwirkende im Aktionsbündnis sind die Frauenberatung und Notruf Ostholstein e.V., Frauenhaus Ostholstein e.V., Mitarbeiterinnen des Polizeireviers Eutin, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Ostholstein und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Eutin. Außerdem die Verantwortlichen des KIK (Kooperations- und Interventionskonzept) Ostholstein und die Frauenbeauftragte „Die Ostholsteiner“. Die Bäckerei Klausberger verkauft die erwähnten Brötchentüten und sponsert diese.
„Gerade für Frauen mit Beeinträchtigung ist diese Aktion wichtig“, sagt Gabriele Pfingste vom KIK Kooperations- und Interventionskonzept Ostholstein gegen häusliche Gewalt. „Nach außen scheinen sie für den Täter wehrloser, statistisch werden sie häufiger Opfer von Gewalt. Das Ziel der KIK- Stellen ist die Vernetzung aller mit dem Thema befassten Einrichtungen und Institutionen. In diesem Zusammenhang erwähnte Pfingste die Kampagne „Signal for help“ der Werkstatt für angepasste Arbeit Eutin „Die Ostholsteiner“ in Zusammenarbeit mit ihrer Frauenbeauftragten Beeke Bruhn und Werkstattrat Stefan Thede. Es geht um ein Handzeichen, welches aussagt: Diese Frau ist von Gewalt bedroht!
Stellvertretend für die Frauenberatung und Notruf waren Randi Wirth und Ruth Taschendorf vor Ort. Sie erzählten, dass es Stand jetzt bis zum November 2023 mehr Datenübermittlungen der Polizei (135), als im gesamten Jahr 2022 (119) gab. Leider ist das Thema also aktueller denn je und ein enger Austausch zwischen Polizei und Frauennotruf bleibt unverzichtbar. Zudem sind die genannten Zahlen nur die Hellzahlen, „die Dunkelziffer ist deutlich höher“, fügte Wirth hinzu. Die Frauenberatung unterstützt Frauen und Mädchen ab 14 Jahren, es gibt aber auch Aktionen wie das Kinderprojekt „see me“ der Diakonie in Lübeck. So wird kein Betroffener außen vorgelassen.
Gerade da mehr Kinder in Frauenhäusern sind als Frauen selbst, bestätigt Marie Podewski vom Frauenhaus. Bereits seit mehreren Jahren unterstützt sie persönlich die Aktion in der Stadt Eutin.
Im Gespräch mit dem reporter ging Ruth Taschendorf vom Frauennotruf noch auf einige Fragen ein. Ihr ist es wichtig, gerade junge Menschen möglichst früh über das Thema zu informieren und zu sensibilisieren. Präventionsprojekte werden ab der 9. Klasse an Schulen angeboten, wie letzte Woche erst an der Kreisberuflichen Schule Eutin. Fortschritte durch die Aktion sehe sie darin, dass mehr darüber gesprochen werde, das Thema werde sichtbarer, sagt Taschendorf. Auch die Polizei werde durch Fort- und Ausbildung nach und nach mehr zum Thema häusliche Gewalt geschult. Auch Taschendorf betonte: „Ein enger Kontakt und Austausch mit der Polizei ist wichtig, wir müssen wissen, wie wir arbeiten sollen“.
Wie können die lokalen Medien und die Mitbürger dazu beitragen, das Bewusstsein für dieses Problem zu schärfen? „Nicht wegschauen, über Hilfsangebote informieren und seitens der Medien ist eine neutrale und sensible Berichterstattung sowie die richtige Wortwahl wichtig“, betont Ruth Taschendorf. Typische Merkmale von häuslicher Gewalt ist die Isolation durch den Täter. Für die Frau ist es dann eine große Überwindung, sich Hilfe zu suchen, und vielleicht gibt es auch finanzielle Hürden, aus ihrer Situation zu entkommen, weshalb die Frau lieber dort verbleibt. „Achten Sie also mit offenen Augen auf ihre Mitmenschen“. Man wisse nie, ob vielleicht sogar jemand in der unmittelbaren Nachbarschaft betroffen sei.

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