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So lebt man Mitbestimmung

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Bad Malente-Gremsmühlen (aj). Demokratie ist keine Frage des Alters und schon die Jüngsten haben das Recht, dass ihre Stimme gehört wird und ihre Interessen respektiert werden. Im AWO-Kinderhaus in Bad Malente-Gremsmühlen ist dieses Miteinander auf Augenhöhe gelebte Wirklichkeit. Daran haben die Kindervertreterinnen und -vertreter eine gewichtigen Anteil. Von den Kitakindern gewählt, entscheiden sie mit, was in ihrem Kindergarten geschieht und sorgen dafür, dass die Gruppen nicht nur gut informiert sind, sondern auch verstehen, was im Kinderhaus vor sich geht. Im August beginnt für die engagierten Mädchen und Jungen die Schule und so hieß es Abschied nehmen: von der Kita und von der wichtigen Aufgabe, die sie mit so viel Schwung und tollen Ideen ausgefüllt haben. Elfmal haben sie sich im zurückliegenden Kindergartenjahr getroffen und als kleines Dankeschön gestalteten Annett Klöfkorn-Papke, Claudia Priewe und Martina Höpfner die letzte Sitzung als besonderen Abschluss:

 

„Oh, Naschi!“, bemerkten die Kinder dann auch gleich. Und während die süße Stärkung verzehrt wurde, ging es los: Anwesenheit prüfen, Tagesordnung durchgehen, Redebeiträge sammeln. Eine reguläre Sitzung eben. Und doch war manches anders. Der Rückblick auf das letzte Jahr zeigte, dass hier eine tolle Zeit für Kinder und Erzieherinnen ausklang. Was man aber gemeinsam erreicht hat, bleibt und wird der nächsten Kindervertretung die Arbeit erleichtern: „Wir haben viel geschafft und es war toll zu erleben, wie Ihr Euch eingebracht habt“, lobte Claudia Priewe. Zusammen hat man mit dem „Magischen Stift“ eine Möglichkeit geschaffen, die anderen Kinder im Flur des Kinderhauses immer auf dem neuesten Stand zu halten. Der Stift wird mit Infos besprochen und dann in einer für alle zugänglichen Box deponiert. Wer etwas wissen möchte, tippt einfach auf das entsprechende Bild oder Symbol und hört dann, was es Neues gibt oder was sich zum Beispiel hinter den Kinderrechten verbirgt. Eine echte interaktive Wandzeitung. Damit dieses Angebot auch alle Kinder nutzen können, sind die Kindervertreter in den Gruppen unterwegs gewesen und haben den Magischen Stift erklärt: „Dafür macht man einen Termin aus und dann bin ich gekommen und habe gezeigt, wie der Sprachstift funktioniert“, erzählt Linus. Zu den vielen Vorteilen des Stiftes gehört, der auch arabisch „spricht“: „Als wir das vorgestellt haben, war so viel Emotion in den Gesichtern unserer arabisch-sprachigen Kinder zu sehen, das war bewegend“, sagt Claudia Priewe. Sie sorgt dafür, dass der Stift immer aktuell besprochen ist und Fotos alle über die Sitzungen der Kindervertretung auf dem Laufenden halten.

 

Denn so wie es die klugen und eifrigen Kinder braucht, geht es nicht ohne die Erzieherinnen, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen. Gemeinsam waren sie auch außerhalb der Kita aktiv, haben zum Beispiel überlegt, wie man geflüchteten Familien aus der Ukraine helfen kann. Und auch Pressearbeit und der Austausch mit den Eltern gehören zu den vielen Erfahrungen, die die Kinder mitnehmen auf ihrem Weg. Als bleibende Erinnerung an viele lebendige Sitzungen haben sie eine Namenstasse als Abschiedsgeschenk bekommen: „Wir haben nämlich immer Tee getrunken auf unseren Versammlungen“, verraten die Kinder. Sie sind Vorbilder für die Mädchen und Jungen, die jetzt nachrücken in die Vertretung: „In unserer Einrichtung ist das ganz präsent und selbstverständlich, dass wir eine Kindervertretung haben“, sagt Annett Klöfkorn-Papke. Und die Leiterin des AWO-Kinderhauses bezeugt damit „ganz nebenbei“, dass Bildung (natürlich!) nicht erst in der Schule beginnt.


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