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Wechsel zwischen Distanz und Unterricht in der Schule

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Ministerin Karin Prien hält Präsenzunterricht für Abschlussklassen für notwendig

Ministerin Karin Prien hält Präsenzunterricht für Abschlussklassen für notwendig

Eutin (aj). Am Montagmorgen schien alles klar geregelt: Bis auf die Abschlussklassen und eine Notbetreuung sollte Schule als Distanzunterricht stattfinden. Insbesondere der vorgesehene Präsenzunterricht für die Abschlussklassen zog viel Kritik nach sich und nach entsprechenden Diskussionen informierte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien am 11. Januar darüber, dass es wichtig sei, dass es neben Anteilen im Lernen auf Distanz auch für alle Fächer einen Präsenzanteil gebe: „Insbesondere den Schülerinnen und Schülern der Abschlussjahrgänge, die zuhause keine gute Lernumgebung haben, muss das Angebot gemacht werden, Räume und technische Geräte in der Schule zu nutzen, um so eine gute Prüfungsvorbereitung zu ermöglichen“, so die Ministerin. Das betreffe ausdrücklich nicht nur die Kernfächer.
Zu denjenigen, die den Präsenzunterricht grundsätzlich ausgesetzt wissen wollen, gehört der Eutiner Thorben Junge. In einer Petition auf der Plattform change.org appelliert er an die Bildungsministerin und den Ministerpräsidenten Daniel Günther, „zu einer verantwortungsvollen Politik zurückzukehren“. „Schließen Sie die Schulen, solange die Pandemie nicht unter Kontrolle ist“, lautet die zentrale Forderung. Der reguläre Schulstoff lasse sich nicht unter den Bedingungen einer Pandemie vermitteln, insbesondere nicht angesichts der versäumten Digitalisierung des Unterrichts, davon ist Junge überzeugt. Der Eutiner hat selbst schulpflichtige Kinder, ein Sohn ist als Zehntklässler direkt von der Abschlussklassenregelung betroffen. Zudem gehört sein Haushalt zur Risikogruppe. Das aber sei nicht der alleinige Grund für seine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema: „Durch den in die Länge gezogenen Lockdown sind alle betroffen“, erläutert er mit Blick auf Einzelhandel und Gastronomie. Durch den Präsenzunterricht für die Prüfungsklassen würden zwischen 500 und 1000 Schülerinnen und Schüler in Bewegung gebracht, in einer Zeit, in der gerade das durch entsprechende strenge Regelungen unterbunden werden solle: „Das ist viel, wenn man bedenkt, dass wir alle uns sonst nur mit einer Person eines anderen Haushalts treffen sollen“, gibt er zu bedenken. Im Text der Petition heißt es in Richtung der Verantwortlichen: „Befreien Sie die Schulleiter/innen von der Verantwortung Ihre Beschlüsse umzusetzen zu müssen, in dem Wissen, dass das vor Ort nicht möglich ist und Menschenleben dadurch gefährdet wird. Erkennen Sie an, dass Bildungsgerechtigkeit unter Bedingungen der Pandemie nicht möglich ist. Deshalb ist auch eine fundierte und gerechte Benotung nicht möglich. Ermutigen Sie Lehrerinnen und Lehrer, die Pandemie dazu zu nutzen, den Schülerinnen und Schülern neue Methoden beizubringen und gemeinsam das beste aus dieser Sondersituation zu machen und geben Sie Lehrerinnen und Lehrer sowie den Schulen dazu die technischen und didaktischen Möglichkeiten.“ Er verstehe nicht, so Junge im Gespräch, warum die Prüfungstermine nicht in den Juni verschoben würden. Mit der aktuellen Verordnung seien die Schulen Teil des Problems, obwohl sie als staatliche (Bildungs)-Einrichtung doch Teil der Lösung sein sollten. Seiner Argumentation konnten sich bis zum Vormittag des 11. Januar 1274 Unterschreibende anschließen.
An den Schulen geht indes darum, das Hin und Her zu durchdringen und im Interesse der Schülerinnen und Schüler, des Kollegiums, der Eltern einen coronagerechten Schulalltag zu organisieren. Die Diskussionen samt der unterschiedlichen Auslegungen der jeweiligen Verordnungen haben viel Energie gebunden: „Das hat Arbeitszeit gekostet“, bringt es Tanja Dietrich auf den Punkt. Die Schulleiterin des Johann-Heinrich-Voss-Gymnasiums ist nun aber froh, im Ergebnis umsetzen zu können, was in Abstimmung mit allen Beteiligten die beste Lösung für ihre Schule ist: „Wir haben uns für eine Mischform aus Präsenz- und Distanzunterricht entschieden“, so die Oberstudiendirektorin. Am Carl-Maria-von Weber-Gymnasium konzentriert man sich auf den Präsenzunterricht: „Die Schülerinnen und Schüler des 13. Jahrgangs kommen jeden Tag und der Unterricht findet nach Plan statt“, erklärt Schulleiterin Iris Portius. Die Räumlichkeiten bieten dort die dafür notwendigen Voraussetzungen: „Unsere Gruppengröße beträgt 22 und 29, sie werden in der Aula und in der Sporthalle unterrichtet“, teilt die Oberstudiendirektorin mit. Auch an der Wilhelm-Wisser-Gemeinschaftsschule werden ab Mittwoch die zehnten Klassen wieder in Präsenz unterrichtet, ab Freitag kommen auch die Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen nach ihrer Projektarbeit zum Unterricht ins Gebäude: „Unter infektiologischen Gesichtspunkten sehe ich das sehr kritisch“, sagt Schulleiter Sven Ulmer. Eine Einschätzung, mit der er nicht alleine steht.


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