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Wieder standfest: Der Kirchnücheler Kirchturm wird saniert

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Kirchnüchel (aj). Sie ist die am höchsten gelegene Kirche Schleswig-Holsteins: Seit fast 800 Jahren zieht St. Marien in Kirchnüchel Menschen an: Glaube und soziales Leben, Kunst und gemeinschaftliches Gedächtnis haben hier von jeher ihren Platz: „Das ist eindrucksvoll. Und es birgt für uns die Verpflichtung, diesen Ort für die kommenden Generationen zu erhalten“, sagt Pastorin Anja Haustein. Es ist eine Verpflichtung, für die es nicht nur das Bewusstsein, sondern auch die notwendigen finanziellen Mittel braucht. 500 000 Euro betragen die Kosten für die Sanierung des Kirchturms, der nun wieder stabil steht. Seit 2016 ist Anja Haustein die Pastorin der Gemeinde, den Kirchturm besteigt sie erst, seit er sicher eingerüstet ist und die Arbeiten laufen: „Vorher war das nicht möglich.“ Im Mai hat die Sanierung begonnen, auf einem Ortstermin Mitte Juli sind schon Ergebnisse zu sehen. Über das Gerüst geht es für Vertreter*innen des Kirchengemeinderates und Bürgermeister Hans-Werner Ehlers hoch hinaus, ein kleines Bogenfenster unterhalb des Turmdachs fungiert als Einstieg in den Turmraum. Der Mauerbogen, der hier die Konstruktion hält, bröckelte noch vor Kurzem beängstigend. Jetzt sind die Schäden fachgerecht ausgebessert, ein Stahlträger gewährleistet Halt: „Das Mauerwerk war in deutlich schlechterem Zustand als erwartet“, berichtet Architekt Christian Wildfang vom Hamburger Büro Architektur und Stadtplanung. Verrottete Balken, marodes Gestein und die Spuren vorangegangener Arbeiten, die sich nicht immer zum Nutzen des Gebäudes auswirkten. Auch manche Überraschung offenbarte sich, wie immer, wenn alte Gemäuer genauer in den Blick genommen werden. Die Geschichte jeder Kirche ist auch eine Baugeschichte. In den 1950er Jahren ist die Decke ein Stück erhöht worden, das ist nicht nur im Kirchenraum, sondern auch von der „Turmbaustelle“ aus, also quasi von oben zu sehen. Auch die historischen Holzbalken zeigen die Veränderungen: An den gestalteten Enden lässt sich genau ablesen, was früher von außen sichtbar war. Im Zentrum der aktuellen Maßnahme stehen die Risse, die die Sicherheit des Turms ins Schwanken gebracht haben: „In den 1960 und 70er Jahren kam auch in Kirchnüchel bei Sanierungsarbeiten Zementmörtel zum Einsatz, der für die Feldsteinkirchen, die ja immer Gipsbauten sind, überhaupt nicht geeignet ist“, führte Architekt Torsten Ewers aus. Der „falsche“ Mörtel dehnt sich aus, besagte Risse sind die Folge und die eindringende Feuchtigkeit tut ein Übriges. Der Zahn der Zeit nagt auch den Dachziegeln. In der Höhe sind die Schäden unübersehbar. Und auch für das Mausoleum der Grafenfamilie Brockdorff, erbaut 1692, besteht Handlungsbedarf: Im Gegensatz zur Kirche ist das Mausoleum nicht beheizt, die eindringende Luftfeuchtigkeit kondensiert und gefährdet die wertvollen Stuckarbeiten, austretende Salze beschleunigen die schädigenden Prozesse. Zur Lösung könnte eine Klimatür beitragen. Ohne Fördermittel aber wird man die notwendigen Schritte nicht gehen können: „Jetzt ist aber erstmal die Kirche dran“, betont Anja Hauschild. Sie verfolgt die Arbeiten am Turm, die planmäßig noch bis Anfang September laufen, mit großem aktivem Interesse. Zum 11. September soll der Turm am Tag des Offenen Denkmals zugänglich sein: „An diesem Tag war an der Kirche früher immer Markttag, es ist also ein besonderes Datum und ich freue mich schon, dann hier die Menschen begrüßen zu können“, sagt Pastorin Hauschild. Interessierte werden unter anderem zur Sanierung jede Menge Hintergrundinformationen erhalten. Und stehen in einer Reihe mit den Handeltreibenden, Pilgern und Einheimischen der Region, für die St. Marien in Kirchnüchel seit dem 13. Jahrhundert nicht nur geographisch hoch aufragt.


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