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„Wieso machen wir es nicht wie Alice?“

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Malente (ed). Die allererste Aufführung überhaupt und dann noch vor vollem Haus ein echter Erfolg – und eigentlich war das alles gar nicht so geplant. „Denn eigentlich spielen wir im WPU Gestalten in der 7. Klasse noch gar kein Theaterstück“, schmunzelt Lehrerin Christine Duggen, die in den Klassen 7, 8, 9 und 10 den WPU Gestalten anbietet. Sie ist stolz auf ihre „Kleinsten“, die mal eben ein sehr cooles Stück geschrieben und umgesetzt, Kostüme und Kulissen gebaut, Technik und Licht gemacht und vor den Drittklässlern der Malenter Grundschule gespielt und das alles super souverän und mit Bravour gemeistert haben. Eine tolle Leistung und ein wirklich prima Stück – das es so nicht geben würde, hätten die Schülerinnen und Schüler nicht im November in einem Kostümworkshop mit der Kostümbildnerin Sabin Keil eine Reihe sehr spannender, aber auch sehr unterschiedlicher Kostüme gefertigt. Ein Roboter war dabei, ein japanisch anmutendes, ein Wikingergewand und ein paar Outfits, die schwer an die Achtziger erinnern. Aber was tun mit den coolen, aber so unterschiedlichen Kostümen – ein Theaterstück, klar, aber was für eines, bei dem man so viele verschiedene Kostüme braucht. Die rettende Idee hatte dann Finja Grage: „Wieso machen wir es nicht wie Alice und reisen durch die Zeit?“ Viele von den ursprünglichen Kostümen waren leider nicht alltagstauglich und zerrissen sehr schnell wieder oder die Kinder mochten sie nach den Weihnachtsferien nicht mehr, sodass sie ersetzt werden mussten, berichtet Christine Duggen. „Die Kinder hatten aber sehr, sehr viel Spaß dabei und entwickelten mit viel Kreativität und Geschick innerhalb von zwei Tagen zwölf Kostüme, die den Ausgangspunkt für das Theaterstück bildeten.“ Denn aus Finjas Grundidee und dem, was Robin Mollenhauer an Einfällen beisteuerte, wurde schnell klar: Alice muss die Welt retten.

Alice (Payton Beth) lebt weit in der Zukunft – eines Tages wird sie von Robi (Jakob Wesenberg) ihrem Hausroboter geweckt und es ist zwar Tag, aber dunkel. Die Sonne ist verschwunden. Kurzerhand machen die beiden sich in Robis Zeitmaschine auf den Weg, die Sonne zu finden. Weil die Zeitmaschine nicht ganz so perfekt funktioniert, landen sie viel zu weit in der Vergangenheit und platzen in die Vorbereitungen für das Sonnwendfest. Hier werden die Fremden mit wenig Wohlwollen empfangen – aber dafür treffen sie Julien (Julian Thordsen), ebenfalls Zeitreisender, der um das Problem mit Sonne und Mond, Tag und Nacht weiß und mit dem sie sich kurzerhand zusammentun. Zusammen mit ihm reisen sie weiter durch die Zeit, denn Julien weiß, dass alles seinen Anfang 1874 hatte, als Tag und Nacht anfingen sich zu streiten. Also ab ins Zeitalter des Barock, wo sie dabei helfen, ein Königspaar zu vermählen und als Belohnung einen magischen Stein bekommen, mit dem sie weiterreisen können, denn eigentlich müssen sie nach Japan. Weil Robi aber unbedingt mal in die Achtziger will, weil er denkt, da erfunden worden zu sein, landen sie auf einer wilden Achtziger-Party, bei der Robi entführt wird. Er kann seinen Entführern entkommen, die Zeitmaschine an der Discokugel aufladen seine Mitzeitreisenden aufgabeln und weiterreisen.

Besonders liebenswert und gar nicht so einfach umzusetzen ist, dass die SchauspielerInnen ihr junges Publikum mit einbeziehen – so darf ein Mädchen die verschwundene Krone der Prinzessin finden. Die anfangs noch ein bisschen verdutzten DrittklässlerInnen sind bald schon gefesselt von der Handlung und geben den Zeitreisenden Tipps oder warnen sie. Denn die Zeitreise ist keine ungefährliche Sache: Als sie endlich in Japan eintreffen und auch noch zur richtigen Zeit, landen sie mitten in der Schlacht zwischen Mondgott (Max Kleinmann) und Sonnengott (Peter Harfst). Mit Mühe gelingt es ihnen, die Streithähne davon zu überzeugen, dass die Menschen Tag und Nacht brauchen. Widerwillig schließen die beiden so was wie Frieden und erklären sich bereit, auch weiter für Tag und Nacht zu sorgen. Beruhigt können Alice, Robi und Julien in ihre Zeiten reisen, die Welt ist gerettet.
Innerhalb eines halben Jahres haben die Siebtklässler ein schlüssiges Stück entwickelt und auf die Bühne gebracht – „das ist eine wirklich leistungsstarke Truppe“, freut sich Christine Duggen, „sie können richtig spielen und haben das toll gemacht. Das ist die allererste siebte Klasse, die hier ein Theaterstück gespielt hat.“ Und dass dieses Ensemble zum allerersten Mal vor Publikum spielt, ist kaum zu glauben – super souverän füllen sie ihre Rollen mit Leben, improvisieren und können sogar auf die Rufe aus dem Publikum reagieren. Allerdings haben sie auch jede Szene so lang gemeinsam entwickelt, bis sie passte – „die Geschichte ist beim Spielen entanden“, erzählt Robin, der auch als Erzähler durch das Stück führt. „Wir haben überlegt, was wie passen könnte“, ergänzt Finja, „so ist die Gesamtgeschichte gewachsen“, die perfekt passt und die anzuschauen großen Spaß macht.
Mit von der Partie waren außerdem Nour Almatroud, Lilly Hagedorn, Pia Schnitzke, Leni Pump, Sarah Markmann, Sara Begani, Finnja Staeves, Legolas Vogt, Ilia Gal und Bryan Kreidelmeyer.


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