Reporter Eutin

„Wir brauchen keine Kompromisslösung, sondern ein zukunftsfähiges Schulgebäude!“

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Eutin (aj). Den Moment, in dem sie entschieden, als Schulelternbeirat in Sachen Schulneubau aktiv zu werden, können Stefanie Preuß, Mirko Fähling und Sonja Wirges genau benennen: „Es war während der Diskussion zum SPD-Antrag auf der Sitzung der Stadtvertretung am 8. Dezember, als uns klar wurde: Hier läuft etwas schief!“, sagt Stefanie Preuß beim Ortstermin an der Wilhelm-Wisser-Gemeinschaftsschule in der Elisabethstraße. Für den Standort laufen die Vorbereitungen für einen geplanten Erweiterungsbau, lediglich der denkmalgeschützte Altbau soll auch künftig noch zum Schulgebäude gehören. Die SPD hatte in einem entsprechenden Antrag die als „Schulentwicklungsland“ ausgewiesene Fläche zwischen der blauen Lehmkuhle und der Kerntangente als neuen Standort für einen Schulneubau „nach heutigem pädagogischem und gebäudetechnischem Standard“ vorgeschlagen. Der Antrag wurde mit 11 zu 21 Stimmen abgelehnt. Der Schulelternbeirat aber sah in dem Vorschlag das Potential, das die vorliegende Planung für eine „Erweiterung im Bestand“ nach ihrer Einschätzung vermissen lässt. Das Gremium, das seit November 2021 als Trio agiert, machte sich an die Arbeit, wälzte Akten und Protokolle und kam zu dem Schluss: „Die Pläne für die Elisabethstraße sind nichts Halbes und nicht Ganzes!“ Deshalb sollen sie umgehend gestoppt werden, ehe mit einer Auftragsvergabe unumkehrbar Fakten geschaffen werden. Die Eltern, deren Kinder in den Klassenstufen 5 bis 8 lernen, haben dafür nun ihrerseits ein Papier mit Forderungen und Vorschlägen vorgelegt und stecken derzeit in den prüfenden Vorbereitungen für ein entsprechendes Bürgerbegehren. Ihr Ziel: „Eine moderne Schule mit genügend Fläche für Außenanlagen und Sporthalle.“ Das Schulentwicklungsland hinter der Gustav-Peters-Schule biete dafür mit einem 2 Hektar großen Gebiet genügend Platz und eine sehr gute Verkehrsanbindung. Die Kritikpunkte an der beschlossenen Planung listet die Elternvertretung auf: „Mit der jetzigen Planung von 550 Schüler*innen ist bereits die Kapazitätsgrenze überschritten. Durch die Schließung der Heinrich-Harms-Schule in Hutzfeld müssen noch weitere Schüler*innen an der Wilhelm-Wisser-Schule aufgenommen werden. Nach jetzigem Stand beläuft sich die Zahl im Schuljahr 2022/2023 auf 580 Schülerinnen und Schüler.“ Für die dreijährige Bauzeit sollen die Kinder und Jugendlichen in einer Containerlosung auf dem Festplatz untergebracht werden. Der Elternbeirat dazu: „Dies war nicht Bestandteil des Bürgerentscheids von 2018. Die 3,7 Millionen Euro teure Lösung ist kein Ort zum Lernen und für Schüler*innen der Abschlussklassen ist keine optimale Vorbereitung auf die Prüfungen möglich. Hinzu kommt, dass neben dem Bau eines neuen Pumpwerks, in unmittelbarer Umgebung der Containerlösung, auch neue Druckleitungen zum Festplatz gelegt werden und das wahrend des Schulbetriebs. Der Baulärm wird maßgeblich den Unterricht stören.“ Ihre Sorge gilt dem Wohl der Kinder, die in Pandemiezeiten ohnehin viele Einschränkungen zu verkraften hätten.
Es sei zudem zu erwarten, dass es aufgrund der Containerbeschulung weniger Schulanmeldungen für die WiIhelm-Wisser-Schule geben werde. Die Eltern: „ Eine Abwanderung von Schüler*innen und guten Lehrkräften muss verhindert werden.“ Das Urteil über den geplanten Bau fällt deutlich aus: „Das ist aufgrund der Enge im Innenstadtbereich nur eine Kompromisslösung. Nicht nur durch die fehlende Aula und den zu kleinen Schulhof müssen hier alle Beteiligten Zugeständnisse machen. Das kann nicht Sinn eines 40 Millionen Euro teuren Neubaus in einer Kreisstadt sein, die mit Vorbildfunktion auf ein für Jahrzehnte ausgelegtes Schulproiekt reagieren sollte.“
Die Basis für den Bürgerentscheid von 2018 ist nach Einschätzung des Elternbeirates hinfällig: „Aus dem geplanten Umbau im Bestand ist zwischenzeitlich ein teurer Neubau mit Zugeständnissen und geplanter Containerlösung für die Schülerinnen und Schüler geworden.“ Nach den Beratungen durch die Kommunalaufsicht wollen sich Stefanie Preuß, Mirko Fähling und Sonja Wirges mit einem Bürgerbegehren für ihr Anliegen stark machen und so bald wie möglich die Unterschriftensammlung starten: „Dabei geht es nicht um unsere eigenen Kinder, die ohnehin nicht mehr betroffen sein werden. Es geht um die kommenden Generationen, die an der Gemeinschaftsschule lernen werden. Kinder sind unsere Zukunft!“


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