Reporter Eutin

„Wir wollen einfach nur Geschäfte machen!“

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Eutin (aj). Sie beweisen Langmut, entwickeln kreative Ideen, um die zentrale Botschaft „Wir sind weiter für Sie da“ für ihre Kundinnen und Kunden sichtbar zu machen. Nach der erneuten Verlängerung des Shutdowns war bei einem Vor-Ort-Termin mit Händlerinnen und Händlern in der Königstraße allerdings die Zuversicht dem Frust gewichen, den die coronabedingte Zwangspause ausgelöst hat: Zwei Punkte kristallisierten sich beim von der Eutiner Wirtschaftsvereinigung (WVE) kurzfristig für Freitag anberaumten Pressetreff als besonders problematisch heraus: die Konkurrenz durch Discounter und Supermärkte und die Verzögerungen bei der Auszahlung der staatlichen Hilfen: „Es ist eine Ungerechtigkeit, dass die Einzelhändler durch die Maßnahmen in eine Wettbewerbsverzerrung geraten“, führte Hans-Wilhelm Hagen aus und erläuterte sogleich, was er damit meint: Dass nämlich im Lebensmittelhandel auch Non-Food-Artikel angeboten werden, während die Fachgeschäfte in der Innenstadt direkt nur über Click & Collect ihre Waren an den Mann und die Frau bringen können. Der Stachel sitzt tief: „Wenn ich sehe, wie im Supermarkt Pullover angeboten werden und die Menschen greifen zu, weil sie natürlich das Bedürfnis haben, etwas zu kaufen, ärgert mich das“, erklärte Sylke Becker. Dabei war die Inhaberin von „Hygge 14“ der Krise zunächst voller Energie entgegengetreten, hatte wie viele der WVE-Mitglieder neue Wege ersonnen, ihre Kundschaft zu erreichen. Doch trotz Window-Shopping, Überraschungstüten und Lieferservice – vielen geht die Puste aus: „Irgendwann in der letzten Woche ist bei mir die Stimmung gekippt“, so beschrieb Sylke Becker ihre innere Verfassung und steht damit nicht allein. „Warum können die Discounter ganzseitig mit Valentinstags-Sträußen werben“, fragte sich nicht nur Stefan Knorr vom „Weingeist“ und hielt ein „Belegexemplar“ hoch: „Dafür haben wir Fachgeschäfte“, betonte er. „Uns wird immer wieder aller Mut genommen“, pflichtete Tim Phillip Dreyer bei. Dass die Überbrückungshilfen nicht fließen, bereite schlaflose Nächte: „Wir Unternehmer müssen auch überleben“, meinte der Inhaber von „Piconaja men“ bitter. Warum er Click & Collect, also die Abholung von Waren auf Vorbestellung, anbieten darf, aber seine Kunden nicht einzeln mit Termin im Geschäft unter Einhaltung der Hygieneregeln aussuchen, anprobieren und kaufen dürfen, versteht er nicht. „Unverhältnismäßig“ lautete sein Urteil. Und nicht nur beim offiziellen Austausch war dies der Tenor. Wer sich in der Stadt umhört, erhält ähnliche Rückmeldungen. Wer sein Geschäft geschlossen haben muss und auf Perspektive hofft, kann nur schwer nachvollziehen, warum sich im Drogeriemarkt die Menschen in die Schlange stellen dürfen. Dass die Friseursalons öffnen dürfen, missgönnt den Inhaberinnen und Inhabern niemand, aber auch die Frage, worauf eigentlich die Gastronomie hoffen darf, wird angesichts solcher Zugeständnisse gestellt.
Ein Zeichen der Solidarität kommt von den Eutiner Festspielen: Zehntausend Papier-Einkaufstüten übergab Geschäftsführer und Mit-Gesellschafter Falk Herzog an die WVE. Bedruckt sind sie mit einem Weber-Bildnis des Hamburger Künstlers Johannes Nawrath. Er hat sein Porträt des in Eutin geborenen „Freischütz“-Komponisten in Warhol-Manier verschieden farbig neu gestaltet und mit dem Spruch „Ich bin ein Eutiner“ gekrönt. Dieses Weber-Motiv hatte Nawrath ursprünglich bereits 1980 für eine bei Buch und Grafik Hoffmann erschienene Grafikmappe verwendet. 40 Jahre später hat er im Auftrag der Festspiele diese Idee noch einmal überarbeitet; die neue Grafik sollte im Marketing der Festspiele landesweit für die geplanten Jubiläumsveranstaltungen zur 200. Wiederkehr des Weber-Konzerts in Eutin und der Uraufführung der Oper „Der Freischütz“ genutzt werden. Doch dann kam im Frühjahr 2020 Corona ...
„Die Taschen mit unserer Weber-Werbung waren da bereits fertig produziert. Jetzt geben wir sie gern, wie in früheren Jahren schon die Jutebeutel, kostenlos an Eutiner Geschäfte ab. Denn wir finden die WVE-Aktion „Click and Collect“ gut und wollen unseren Teil dazu beitragen, dass sich die Kunden beim Einkauf positiv mit Eutin verbunden fühlen und bewusst darüber “, sagte Festspiele-Geschäftsführer Falk Herzog. Anfragen und Bestellungen nimmt die WVE entgegen. Solche Zeichen des Zusammenhalts will auch die Stadt Eutin senden: „Wir unterstützen die Aktionen über unsere Social Media-Kanäle und versuchen zu befördern, wo es geht“, sagte Stadtsprecherin Kerstin Stein-Schmidt. Auf der WVE-Homepage sind die Teilnehmenden von Click & Collect sowie Infos zu Ausbildung, Hilfen und Austauschmöglichkeiten platziert. Viele Bemühungen, letztlich aber bleibt es für die Kaufleute bei dem, was Regine Mix („Cable Car Clothiers“) so formuliert: „Wir wollen einfach nur Geschäfte machen und nicht dem Staat auf der Tasche liegen!“


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