Reporter Eutin

Eine ganz besondere Saison

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Futterkamp/Blekendorf (hr). Lange Schließungen, ständig wechselnde Corona-Auflagen, aufwändige Hygienekonzepte und gravierender Personalmangel: Die Tourismus-Branche der Region hat in den vergangenen Jahren mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. Dennoch blicken die Unternehmen auf eine sehr gute Saison 2021 zurück, die noch nicht vorbei ist: Noch immer machen viele Deutsche lieber an der heimischen Ostseeküste Urlaub, als schon wieder ins Ausland zu fahren.
Wichtig sei nun, die Urlauber:innen zum Beispiel aus Bayern und Baden-Württemberg zu halten, die bisher in Italien Urlaub gemacht haben und in der Pandemie die deutschen Küsten entdeckt haben, sagt Marco Gruber vom Hotel Hohe Wacht in Hohwacht. Die Buchungszahlen für die nächste Saison sähen bereits vielversprechend aus: „Der Sommer ist immer voll, aber dass auch die Neben- und Zwischensaison so gut gebucht ist, ist ein Nebeneffekt von Corona.“ Dass sich der Effekt nach dem nächsten Jahr wieder abschwächt, ist jedoch absehbar: Wenn Urlaub im Ausland wieder gefahrlos möglich ist, wird es außerhalb der Hauptsaison in Deutschlands Tourismus-Regionen wieder etwas ruhiger.
„Jetzt ist es wichtig, das Qualitätsniveau zu halten und uns die Frage zu stellen, wie wir punkten können, um die Gäste auch langfristig zu halten“, sagt Jutta Zimmermann vom IFA Fehmarn Hotel und Ferienzentrum. Denn der Tourismus in der Region wächst weiter, jetzt muss die Qualität des Angebotes gehalten und die Infrastruktur vor Ort ausgebaut werden: Insbesondere im Bereich Radwege und ÖPVN sehen die Gesprächsteilnehmer großen Entwicklungsbedarf. Caroline Backmann, Geschäftsführerin der Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz (Plön), ist sich sicher: „Die besten Botschafter sind immer noch zufriedene Gäste.“
Dabei bargen die Gäste in diesem Jahr auch einen zusätzlicher Stressfaktor für das Personal: Immer wieder reagierten Besucher:innen ungehalten auf Hinweise und Ermahnungen, die derzeit gültigen Corona-Regelungen einzuhalten. „Wir haben Gäste gehabt, die wahnsinnig freundlich und verständnisvoll reagiert haben, wenn sie beispielsweise ihre Maske vergessen hatten, aber eben auch einige, die sehr schnell sehr ungehalten reagierten“, erzählt Zimmermann. Man habe Verständnis für die Tourist:innen, die nur in Ruhe Urlaub machen wollen, aber die Regelungen waren und sind notwendig, um Gäste und Personal gleichermaßen zu schützen. Zusätzlich sorgten unterschiedliche Maßnahmen und Regeln in unterschiedlichen Bundesländern nicht selten zu Irritationen: „Das hatte für uns Vorteile, weil wir zum Beispiel früh öffnen durften, aber auf der anderen Seite Nachteile, weil die Vorkehrungen teilweise schwierig zu erklären waren“, berichtet Backmann.
Die größte Herausforderung, da sind sich alle Anwesenden einig, ist jedoch der Personalmangel. „Früher haben wir von Fachkräftemangel gesprochen, inzwischen kann man von Kräftemangel sprechen“, sagt Backmann. „Ich kenne inzwischen niemanden mehr, der nicht irgendjemanden im Bereich Housekeeping, für die Küche oder sonst Personal sucht.“ Zimmermann und Gruber können das bestätigen: Ihre Azubis rekrutieren die Hotels inzwischen aus Vietnam, Marokko oder anderen Ländern. Das können auch Matthias Lumpp von Windsport Fehmarn und Kirsten Manthay von Filippos Obsterlebnisgarten in Futterkamp bestätigen. „Personal war definitiv ein Knackpunkt bei uns in diesem Jahr. Wir haben spät gesucht, weil wir lange nicht wussten, wann es losgeht, und gerade von den jungen Leuten haben sich viele dann bereits einen anderen Job gesucht“, berichtet Lumpp. „Die Testzentren zum Beispiel konnten 25 Euro pro Stunde zahlen, das können wir im Einzelhandel natürlich nicht.“
An einen Tisch gebracht wurden die Gesprächsteilnehmer:innen vom Unternehmensverband Ostholstein-Plön, vertreten von der Vorstandsvorsitzenden Lydia Bahn und Geschäftsführer Hannes Wendroth. „Es liegt ein besonderer Sommer hinter uns“, fasst dieser zusammen. „Es freut mich zu sehen, wie der Tourismus hier in der Region diese Saison nutzen konnte.“
Bahn sieht nach dem Gespräch drei große Herausforderungen für die Zukunft der Tourismusbranche: Die Digitalisierung, die Behebung des Personalmangels (zum Beispiel durch Entbürokratisierung und einen Vereinfachten Zugang zum Arbeitsmarkt für Geflüchtete und Migranten) und die Förderung des Bestandstourismus. „Außerdem dürfen wir in Zukunft auch die Fehmarnbeltquerung nicht aus den Augen lassen“, betont die Vorstandsvorsitzende des Unternehmensverbandes. „Das darf kein Tunnel zwischen Hamburg und Kopenhagen werden und wir liegen hier an der Seite, wir müssen davon profitieren und die neue Verbindung positiv nutzen.“


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