Reporter Eutin

Letzte Ausstellung im Tischbein-Gartenhaus

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Eutin (wh). Es war ein bisschen so, als sei man zwölf Jahre lang Stammgast in einem gemütlichen Lokal gewesen; dann wurde es geschlossen. So ging es dem Schreiber dieser Zeilen, der am Freitag zum letzten Mal als Mitarbeiter des „reporter“ im Tischbein-Gartenhaus war, um einen Vorbericht über die letzte Gemäldeausstellung in diesem historischen Gebäude zu schreiben, das dem Kunstkreis lange als Domizil diente. Ihn beschlich bei seinem letzten Interview ein melancholisches Gefühl in diesem kleinen Haus in dem idyllischen Garten, wo der Goethe-Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751 bis 1829) die letzten Jahren seines Lebens verbracht hatte. Hier trafen sich im Eutiner Kreis der Künste 16 Jahre lang regelmäßig professionelle und Hobby-Maler, Bildhauer, Fotografen, Musiker und Dichter zu Workshops, Ausstellungen, Lesungen und Gedankenaustausch. Sie gaben diesem Ort ein unverwechselbares Gepräge.

Dem Kunstkreis war im letzten Jahr gekündigt worden, weil das Fachwerkgebäude durch Wasserschäden baufällig geworden war. Vonseiten des DRK, dem Eigentümer des Gartenhauses und vorderen Gebäudes an der Stolbergstraße, war - wohl wegen der immensen Kosten - nichts zur Restaurierung unternommen worden. Jetzt wartet der ganze Gebäudekomplex auf einen Käufer. Der Garten indes steht dem Kunstkreis weiter zur Verfügung, denn er ist von der Stadt Eutin gepachtet. Hier will der Kunstkreis bereits im April einen Flohmarkt veranstalten. Gleichzeitig mit dem Forum Eutin wird in dessen Garten sowie im Tischbein-Garten im August ein “Sommerfest der Kulturen” stattfinden.
“Schade, dass wir ausziehen müssen”, sagt Dr. Ilse Heberlein, die Vorsitzende des Kunstkreises. Sie hofft auf einen Käufer, der Solvenz und Kunstsinn miteinander verbindet, damit das denkmalgeschützte Gartenhaus als Stätte der Erinnerung an Johann Heinrich Wilhelm Tischbein erhalten bleibe und wieder mit Kunst und Leben erfüllt werde.
Noch weitergehend hofft sie auf Rettung der Gedenkstätte in Form einer Stiftung.

“Schade!” meinte auch das Timmdorfer Ehepaar Christian und Angela Trabandt, die seit zwei Jahren Mitglieder des Kunstkreises sind. Jetzt sind sie die Letzten, die in diesem schönen Ambiente ihre alten und neuen Werke - Ölgemälde auf Leinwand und Aquarelle mit Motiven aus Hamburg, Ostholstein und Thailand - in einer Ausstellung mit dem Titel „Am Wasser“ präsentieren. Beide waren als Ärzte in Hamburg tätig und haben jetzt noch in der Hansestadt ihre Hauptwohnung, aber nicht mehr lange. Sie seien vor zwei Jahren vor der Corona-Pandemie „aufs Land geflohen” und nach Ostholstein in ein Ferienhaus gezogen. Demnächst ziehen sie offiziell nach Malente, und das heißt für Angela Trabandt „back to the roots“, denn sie ist gebürtige Malenterin; ihre Mutter besaß eine Pension am Kellersee.

Christian Trabandt hat sich seit 2008 der Malerei gewidmet. Er hat vorher viel und gerne fotografiert, was man dem Aufbau seiner Gemälde ansieht, die seinen „fotografischen Blick“ verraten. Auch heute benutzen er und seine Frau hauptsächlich Fotos als Vorlagen.

Das Malen hatte Christian Trabandt sich zunächst im Selbststudium beigebracht, den letzten Schliff holte er sich an einer Malschule. Viele seiner Motive fand und findet er in Hamburg, wo er für Beiträge zum Ausstellungsmotto „Am Wasser“ mühelos auf Schritt und Tritt fündig werden konnte. Aber es sind nicht nur Stadtlandschaften, sondern auch Strukturen in der Natur, die er bildnerisch umsetzt.

Angela Trabandt malt seit drei Jahren. Sie gibt unumwunden zu, durch die künstlerische Tätigkeit ihres Mannes motiviert worden zu sein, ihre eigene kreative Ader zu entdecken. Ihr Talent konnte sie in einer Malgruppe in Hamburg durch das Erlangen handwerklicher Fertigkeiten zur Entfaltung bringen. Wie in den Arbeiten ihres Mannes, in denen eher schon mal abstrahierende Elemente zu sehen sind, die Farbe und Fläche dominieren lassen, sind ihre Bilder weitgehend gegenständlich. Angela Trabandt achtet meist noch akribischer auf Genauigkeit, was bei dem Bild „Kuhweide am Behler See“ besonders deutlich wird.

Wie geht es nun mit dem Kunstkreis und seinen rund 30 Mitgliedern weiter? Diese Frage scheint vorläufig gelöst, denn ab April bis auf weiteres kann der Kreis voraussichtlich im „Kunstraum 36“ in der Plöner Straße 36, Ausstellungen veranstalten. - Die aktuelle Ausstellung mit dem Titel „Am Wasser“ ist bis zum 27. März im Tischbein-Gartenhaus, Stolbergstra0e 8, geöffnet, und zwar samstags von 11 bis 17 Uhr, sonntags von 14 bis 17 Uhr.


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