Reporter Eutin

Ausstellung „Salziges und Süßes“ - Fotos von Max Pechstein und Familie von Bülow

Bilder

Wittmoldt (los). „Salziges und Süßes“: Unter diesem Titel macht der erst 2018 gegründete Kulturverein Seeweg Gut Wittmoldt Kunstinteressierten eine besondere Ausstellung im Gutshaus schmackhaft. Besucher erwarten zwei Serien an Fotografien und Repros aus der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis in die 1950-er Jahre, die unter Federführung von Kuratorin Angeline Schube-Focke zusammengestellt wurden. Ein Rundgang durch die historischen Räume – unter Einhaltung der Hygieneregeln – verspricht ungewöhnliche Einblicke in das ländliche Leben längst vergangener Jahrzehnte. Ausgestellt sind Aufnahmen der Familie von Bülow und des Künstlers Max Pechstein.
Wie es der Titel verspricht, ist den Veranstaltern ein spannender Spagat der Kontraste innerhalb des Landlebens als rotem Faden der Ausstellung geglückt. So verbinden sich die Region Plön mit Pommern, die Holsteiner Seenplatte mit der Meeresküste, ländliches Fischerei- mit dem gutswirtschaftlichem Leben im Binnenland, liebenswerte Eindrücke familiären Lebens mit Kindern und Tieren gegenüber Einblicken in eine raue Lebenswirklichkeit der Fischerfamilien an der Ostsee. Gerade auf diese Menschen hatte sich der Künstler Max Pechstein seinerzeit konzentriert, und so sind es Nachbildungen seiner Aufnahmen, die in der Ausstellung den Originalfotos der ersten drei von Bülow-Generationen auf Gut Wittmoldt gegenübergestellt sind.
Vor allem, um mit den Motiven in der Malerei und bei der Erstellung von Holzschnitten weiterarbeiten zu können, hatte Pechstein regelmäßig fotografiert, berichtet sein Enkel Alexander Pechstein aus der Gemeinde Dobersdorf, der vor einiger Zeit dem Kulturverein beigetreten ist. Einen Ausstellungsschwerpunkt bildet daher die Zeit zwischen 1890 und 1940. Neben den Pechstein-Repros sind erstmals alte Fotografien der Familie von Bülow zu sehen.
Alexander Pechstein hat die insgesamt 22 der Reproduktionen beigesteuert. In weiteren 28 Bildrahmen können sich die Ausstellungsbesucher zahlreiche private Fotos anschauen, die vor zum Teil über 100 Jahren auf Gut Wittmoldt entstanden sind. Meistens betätigten dabei Mitglieder der Familie von Bülow den Auslöser, „doch es gibt auch einige Aufnahmen, die professionelle Fotografen damals gemacht haben“, erzählt die zweite Vorsitzende des Vereins Amélie von Bülow-Sartory. Sie hat zusammen mit Angeline Schube-Focke den „Familienschatz“ auf dem großen Dachboden ihres Gutshauses aufgestöbert und zahlreiche Alben in akribischer Kleinarbeit ausgewertet. „Die hat sich seit den 50-er Jahren keiner mehr angeschaut“, ist sie sicher. Die Essenz der Durchforstung des vielfältigen Fotobestandes ist nun im Untergeschoß zu sehen.
Alexander Pechstein, studierter Grafiker, hat sich der Nachproduktion der Aufnahmen seines Großvaters Max selbst angenommen und Motive aus dem Bestand des Familienarchivs ausgewählt. Für die Repros kamen Baumwoll- anstelle von hochglänzendem Papier zum Einsatz, das den Bildeindruck authentischer, weicher werden lasse, erläutert er. Hierfür hatte Alexander Pechstein zunächst ein bisschen herumprobiert, Probedrucke gemacht und geschaut, wo eine Retouchierung sinnvoll wäre. „Wenn man eine Reproduktion macht, darf da kein Schaden sichtbar sein“, erklärt er den Unterschied zur Ausstellung von Originalen. Die Umsetzung der gesetzten Vorgabe, möglichst „den künstlerischen Eindruck wiederzubringen“, erfolgte schließlich am Drucker unter Verwendung von 10-Farb-Pigmentfarben, berichtet er.
Als Maler des Expressionismus griff der Künstler Max Pechstein offenbar häufig und gerne zur Kamera, weiß Angeline Schube-Focke. „Neben Leinwand und Pinsel hatte er auch seinen Fotoapparat dabei, mit dem er dokumentarische schwarz-weiß Bilder von den einfachen Menschen, den Fischern und Bauern machte“, erklärt sie. Später seien die mit dem Fotoapparat festgehaltenen Motive von ihm für Holzschnitte und Ölgemälde weiter verwendet worden.
In Aktion habe Max Pechstein eine 6 mal 9 Rollfilm Kamera genutzt, die vor dem Bauch gehalten einen Blick von oben herab auf das spiegelverkehrte Linsenbild ermöglichte, weiß Alexander Pechstein. Die Anforderungen an den Fotografen waren durch die „verdrehte“ Technik bezüglich der Bildkomposition entsprechend speziell. In den Fischerorten Leba und Rowe, die heute in Polen liegen, entstanden die Aufnahmen rund um die Wirklichkeit des Arbeitsalltags der Küstenbewohner, ob am Hafen oder bei der Getreideernte. „Er kam selbst aus dem halbländlichen Bereich und hat später in Berlin gelebt“, erzählt Pechstein, der in seinen ersten 16 Lebensjahren durch viele Besuche häufigen Kontakt zum Großvater hatte. „Die Großstadt hat er geliebt, vom abendlichen Ausgehen bis hin zum Zirkusbesuch“, erinnert er sich.
1909 habe es Max Pechstein (1881 – 1995) zunächst noch nach Nidden an der Kurischen Nehrung gezogen. „In der dortigen Künstlerkolonie hat er viel gearbeitet, aus politischen Gründen dann aber nicht mehr“, erzählt Alexander Pechstein. Dafür habe sein Großvater dann ab 1921 Leba entdeckt, zugleich ein Badeort an der Ostsee und auch der Ort des Kennenlernens seiner zweiten Frau Martha Möller. „Meine Großmutter hat den Bruder von Martha Möller geheiratet“, schmunzelt Pechstein über eine Patchwork-Family, die damals ihre Zeit voraus war. „Ich war als Vier-, Fünfjähriger mit meiner Mutter in Leba, die dort Urlaub gemacht hat“, blickt er zurück. In Erinnerung geblieben ist ihm Max Pechstein als emsiger Arbeiter, der „in den Dünen gemalt und dabei gegen den Wind gekämpft“ hat. „Vieles ist, als wäre es gestern gewesen“, sagt er. „Wir haben in einer Pension gewohnt, meine Mutter war tagsüber am Strand.“ Grund und Gelegenheit, dem Großvater eine Stippvisite abzustatten. „Er war aber nicht der Großvater, der den Enkel auf den Schoß nimmt“, beschreibt ihn Alexander Pechstein aus seinen Erinnerungen an einen fleißigen Mann, der „immer gearbeitet hat“, ob an Gemälden oder Holzschnitten. Zudem habe Pechstein auch noch einen Lehrauftrag an der Hochschule für Bildende Künste erfüllt, der ihn auf Trab hielt.
In Berlin wohnte Max Pechstein in der Hubertusallee 18, später in der Warmbrunner Straße im Grunewald. „Ich bin oft hingelaufen und habe ihn besucht“, erzählt sein Enkel. In diesem Rahmen habe er auch das letzte Foto seines Großvaters gemacht. „Die Schwarzweißaufnahme habe ich damals selbst entwickelt“, fügt er hinzu. Ausgestattet mit einem Minilabor habe er als Jugendlicher das Bild in Eigenregie herstellen können. „Mein Großvater war immer busy“, stellt Pechstein fest. Meist im weißen Kittel, aber stets mit Fliege oder Krawatte, habe dieser an der Staffelei oder am Schreibtisch gearbeitet. Denn Pechstein „war sehr korrespondenzfreudig und gut vernetzt“ und pflegte gern seine Kontakte in alle Welt.
Besichtigungstermine: 30. Mai von 15 bis 17 Uhr (eine ö¨ffentliche Führung mit Angeline Schube-Focke findet von 15 bis 16 Uhr statt) und 6. Juni von 15 bis 17 Uhr (eine Dialog-Führung mit Alexander Pechstein, Amélie von Bülow-Sartory und Angeline Schube-Focke anlässliche der Finissage findet von 15 bis 16 Uhr statt). Eintritt: 5 Euro, mit Führung 10 Euro pro Teilnehmer. Alternative Termine nach telefonischer Absprache unter 0151-46564999.
Der Skulpturenpfad „Seeweg“ ist ganzjährig ohne Anmeldung zugänglich (www.seeweg.info)
Ausblick: Die Sommerausstellung wird am Sonntag, 20. Juni in der Zeit von 14 bis 16 Uhr auf Gut Wittmoldt eröffnet.
Kontakt: Seeweg Gut Wittmoldt e.V. Hof 1, 24306 Wittmoldt, kontakt@seeweg.info


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