Reporter Eutin

„Ein langer Prozess des Umdenkens“

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Heikendorf (kud). Vor dem Infostand drängeln sich Unterstufenschüler. Die Älteren, die hinter den Tischen stehen, versuchen, all ihre Fragen zum Thema „Fair trade“ zu beantworten. Das Gewusel nimmt erst ein Ende, als sich eine Tür öffnet und junge Schüler aus dem Fair-Trade-Kino stürmen, um einer weiteren Gruppe dort Platz zu machen. Kurzzeitig können die Älteren hinter ihrem Infotisch einmal durchatmen.
Thorsten Bell begleitet das Thema „Fair trade“ als Lehrer. Stolz ist er darauf, dass seine Schule es war, die die Idee in die Gemeinde getragen hat, eine „Fair-trade-Gemeinde“ zu werden. Und das Heinrich-Heine-Gymnasium darf sich mit dem Prädikat „Fair-trade-school“ schmücken. „Aber“, so Thorsten Bell, „diese Anerkennung ist nicht in Stein gemeißelt. Alle zwei Jahre müssen sich Gemeinden und Schulen wieder bewerben, um das Prädikat neu zu erwerben.“
Im achten Jahrgang bietet die Schule einen Kurs „Nachhaltigkeit“ an. Und natürlich beschäftigt besonders die älteren Schüler auch die „Fridays-for Future-Bewegung“ sehr. Thorsten Bell: „Natürlich ist erkennbar, dass die jungen Menschen in den vergangenen Monaten vieles in Bewegung gebracht haben. Als Schule können und dürfen wir das nicht unterstützen. Die Schüler fehlen dann unentschuldigt.“
Umweltbewusstsein und der faire Handel mit Lebensmitteln sind Themen, die erst zögerlich in die Köpfe der Menschen einziehen. Besonders junge Familien können diese Produkte mit ihren Einkommen oft nicht finanzieren. Was ist aber mit Themen wie Biolandbau? Immer mehr Landwirte in Deutschland beklagen immer strengere Auflagen beim Düngen der Böden, was aber nach Ansicht der Landwirte zu weniger Erträgen führt. Das Thema „Umwelt“ ist vielschichtig. Im Heikendorfer Gymnasium versucht man auf vielen Ebenen, den Schülern schon ab der fünften Klasse ihre eigene Verantwortung im Gesamtgefüge Mensch und Umwelt bewusst zu machen. Thorsten Bell: „Im Kollegium thematisieren wir dies immer wieder, weil sich dieses Thema in sehr viele Unterrichtsfächer integrieren lässt. Biologie, Wirtschaft und Politik, Geographie, Religion bieten sich geradezu an.“
In diesem Jahr wollen die Schüler wieder einmal den örtlichen Lebensmittelhandel besuchen. Ziel der Aktion: Noch weniger Plastikverpackungen in den Regalen, besonders im Obst- und Gemüsebereich. Ebenfalls auf dem Programm steht in diesem Jahr, berichtet Thorsten Bell, eine Umgestaltung des Schulgartens. Hier soll es neue Anpflanzungen geben, die essbare Früchte hervorbringen und ein Insektenhotel.
Begleitet wurden die Schüler mit einem kleinen Wettbewerb durch den Tag. Richtige Antworten auf wichtige Fragen finden Belohnung beispielsweise in Form nachhaltiger Strohhalme aus Metall, Bambus oder Bioschokolade.
Inzwischen herrscht Hochbetrieb in der Cafeteria. Leiterin Imke Mathiak und ihr Team haben alle Hände voll zu tun. „Bio“ stapft hier noch in Kinderschuhen durch die Regale. „Wir können nicht auf Knopfdruck alles ändern“, erklärt die Chefin. „Wir müssen uns langsam an die Bedürfnisse unserer jungen Kunden herantasten.“
Wie gehen die einzelnen Klassenstufen mit dem Thema „Mensch-Umwelt“ um? Thorsten Bell: „Die Jüngsten haben nach dem Kinobesuch zum Teil sehr betroffen reagiert und sind für Neuerungen ansprechbar. Die Schüler aus der Mittelstufe sind sehr engagiert. In der Oberstufe gibt es Schüler, die sich sehr ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen, weil sie begreifen, dass es um ihre Zukunft geht. Andere zeigen sich eher weniger interessiert.“
Vor der Tür zum Pausenhof beziehen einige Oberstufenschüler Stellung, ausgerüstet mit großen Tabletts, gefüllt mit köstlich duftendem Schokokuchen – hergestellt natürlich mit fair gehandeltem Kakao. Den werden sie gleich auf dem Schulhof verteilen – kostenlos. Nass wird er auch nicht, denn gerade regnet es einmal nicht.


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