Reporter Eutin

Gefährliche Fallen für die Tierwelt

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Heikendorf/ Kitzeberg (los). Tüdelbänder, Bindfäden, Plastiktüten- und Faserreste: Nach Schnee und Eis liegen sie wieder frei, hängen fortgeweht im kahlen Geäst oder angespült an Ufersäumen. Hier zählen insbesondere ausgediente Angelschnüre zu den besonderen Gefahren in der Natur, zumal sie schwer zu sehen sind. Für Tiere, besonders für Vögel sind sie ein gefährliches Problem. NABU-Umweltberater Carsten Pusch bekam am Kitzeberger Strand einen seltenen Vogel vor die Kamera, der zwar nicht in, sondern über die potenzielle Falle hinweg getappt ist, dabei den Fuß aber schon in einer hauchdünnen Schlinge stecken hatte. Dies zeigt einmal mehr, dass jeder Spaziergänger eigentlich gefordert wäre, sich mit Handschuhen auf den Weg zu machen und wenigstens die schlimmsten Gefahrenquellen gerade für Piepmatz, Küken und Co. auszumerzen. Da die alljährliche Müllsammelaktion „Sauberes Schleswig-Holstein“ Corona-bedingt nun verschoben worden ist, dürfte der flächendeckend verteilte Müll in den nächsten Monaten ohnehin mengenmäßig zunehmen. Derartige menschliche Hinterlassenschaften werden von Tieren in der jetzt beginnenden Brut- und Setzzeit auch gern als Nistbau- oder Polsterungsmaterial aufgelesen. Leider bleibt das Problem nicht ohne Auswirkungen. Die einmal zugezogene Schlinge einer Angelschnur ist dann ebenso tödlich wie mobile Elektrozäune, in denen sich immer wieder Damhirsche verfangen und nicht mehr befreien können.
 

Der kleine Drosseluferläufer (Actitis macularia) vom Kitzeberger Strand hatte somit Glück, dass sich die potenzielle Falle bei der Nahrungssuche zwischen den Steinen nicht noch zugezogen und seine Füße sich beim darüber Schreiten nicht verfangen hatten. „Ich habe das Schnurknäuel daraufhin gleich entfernt“, weist Carsten Pusch auf die bestehende Problematik herumfliegenden Abfalls hin. „Natürlich wird auch hier intensiv geangelt und leider landen sehr häufig Angelschnurreste in der Natur.“
Angler, ob an der Kieler Förde, an Ostseeküste oder Binnengewässer wären eigentlich verpflichtet, ihren Standort sauber zurückzulassen und verantwortlich mit den genutzten Materialien umzugehen. Die meisten machen das natürlich auch. Wünschenswert wäre aber auch mehr Aufmerksamkeit von Spaziergängern, sich dieser Dinge anzunehmen, um Schlimmeres für die Tierwelt abzuwenden. Davon abgesehen hätte dies neben der Vermeidung von noch mehr Mikroplastik in der Natur auch noch ästhetische Vorteile.
Mit dem Drosseluferläufer ist dem Umweltberater übrigens nebenbei ein ungewöhnlicher Schnappschuss auf Höhe des „Kiek ut“ geglückt, denn dieser kleine, gut getarnte Vogel ist eigentlich ein Nordamerikaner, mit dem die Nachweise in Deutschland seit dem Jahr 1900 jetzt auf insgesamt 13 angestiegen sind. „Er brütet in Alaska und Nordamerika, wobei die Männchen die Aufzucht übernehmen, und überwintert in Süd- und Mittelamerika“, erzählt Pusch über den seltenen Gast, der in seiner Heimat eine häufige Art ist und an fast allen Gewässertypen siedelt. Es ist also anzunehmen, dass der unberingte kleine Ausflügler auf seiner Flugroute wohl als Jungvogel irgendwo falsch abgebogen und in Europa buchstäblich „gestrandet“ ist.
 

Als schwierig erwies sich zunächst die sichere Identifizierung des Vogels, trotz der Möglichkeit, aus unmittelbarer Nähe Fotos zu machen. „Er ist dem hier heimischen Flussuferläufer sehr ähnlich, zumal er jetzt im Schlichtkleid zu sehen ist“, so Pusch, „aber die Fachleute waren sich alle einig.“ Unterschiede gebe es unter anderem hinsichtlich der etwas kompakteren Körperform, gelblicheren Beinen, mehreren Sprenkeln unterhalb der Flügelspitzen und der Länge der Schwanzfedern.
An der Kitzeberger Küste wurde der lebhafte kleine Vogel Mitte Februar entdeckt und seitdem regelmäßig seit über 14 Tagen im selben Bereich gesichtet, wo er die Spalten einer dortigen Uferbefestigung emsig nach Nahrung, kleinen Wirbellosen absuchte. Der Vogel lief ohne Scheu auf Carsten Pusch zu, der so mit seiner Kamera relativ nahe an das Tier herankommen konnte. Offenbar hatte der Vogel noch keine Erfahrungen mit Menschen. „Er zeigte sich von den zahlreichen Spaziergängern in dem Bereich wenig beeindruckt, trotzdem sollte man immer dem Vogel die Wahl überlassen, wie nah er uns Beobachtern kommen möchte“, berichtet der Biologe. Ob das Tier einen erfolgreichen Rückweg nach Übersee schaffen kann, bleibt sehr fraglich. Es wäre auch nicht der erste Vogel, der in Europa sein restliches Leben lebt – sofern Umweltschmutz wie Schnüre dieses nicht vorzeitig beenden.


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