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Stopp Gewalt gegen Frauen!

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Foto: hfr / Klarewicz

Heikendorf (los). Statistisch wird an jeden Dritten Tag in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet. Im Jahr 2020 erlebten in Schleswig-Holstein insgesamt 3.982 Frauen physische und/oder sexuelle Gewalt in ihrer Beziehung. Jährlich verzeichnet der Kreis Plön deshalb rund 1100 Beratungskontakte pro Jahr. Jährlich steigt die Zahl dieser Gewaltdelikte. Grund genug, sie zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Mädchen und Frauen“ am 25. November in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.


Unter dem Motto Stopp Gewalt gegen Frauen! Zeichen setzten, startet in Heikendorf am Montag die Kampagne „Orange the World“. Vom 21. bis Sonntag, 27. November wollen die Initiatoren aus dem Frauenpolitischen Beirat und dem KIK-Netzwerk gegen Häusliche Gewalt im Kreis Plön sowie die Gleichstellungsbeauftragten im Amt Schrevenborn Stefanie Ulbrich in Zusammenarbeit mit dem Handels- und Gewerbeverein Heikendorf (HGV) den Ort demonstrativ orange einfärben, kündigt Jessica Klarewicz (KIK-Koordinatorin Kreis Plön) an. Info-Flyer und -Plakate in den Geschäften und die Beflaggung der Fahnenmasten in der Gemeinde als offizielles Zeichen sollen dazu beitragen. Auch wer sich für orangefarbene Kleidung oder Accessoires entscheide, zeige sich in der Woche sichtbar solidarisch – eine Rückenstärkung, die guttue, erklärt Jessica Klarewicz.


Darüber hinaus werde im Rahmen der Brötchentütenaktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ am Info-Stand für eine Notfall-Telefonnummer geworben. Die Aktion findet in Heikendorf am Donnerstag, 24. November von 14 bis 17 Uhr auf dem Wochenmarkt statt, in Preetz am Sonnabend, 26. November von 9.30 bis 12 Uhr, ebenfalls auf dem Wochenmarkt.


Verbreitet finden vom 25. November bis zum 10. Dezember, dem Internationalen Tag für Menschenrechte, weiter verschiedene öffentlichkeitswirksame Aktionen statt. „Orange soll dabei ein Sinnbild für eine leuchtende Zukunft für Mädchen und Frauen sein”, verdeutlicht Jessica Klarewicz die Bedeutung des auffälligen Farbtons. „Eine Zukunft, in der ihre Menschenrechte geachtet und geschützt werden.“


Mit dem Aktionsfarbton Orange wird somit auf die Dringlichkeit des Problems hingewiesen – rund 35 Prozent aller Frauen sind mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen. „Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung der Europäischen Grundrechteagentur von 2014“, informiert Jessica Klarewicz. Und es scheint auch im Kreis Plön nicht besser zu werden: „2021 hat es 83 Einsätze wegen Häuslicher Gewalt gegeben“, sagt sie.


Wie bedrohlich die Situation der Betroffenen ist, zeigten die 17 anteiligen Fälle sogenannter „Wegweisungen“ aus dem Jahr an. Der Begriff bedeutet, dass die Täter von der Polizei direkt und bis zu vier Wochen aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden. „In dieser Zeit können sich die Geschädigten die Wohnung dauerhaft zuweisen zu lassen“, erläutert Jessica Klarewicz. „Sie haben außerdem die Möglichkeit, ein Annäherungsverbot zu beantragen.“


Schlimmer noch: bereits im dritten Quartal 2022 sind die Vorjahreszahlen bereits erreicht worden – die Tendenz zur Gewalt steigt. Das zeige sich auch an der Anzahl der Femizide: Diese geschlechtsspezifischen Tötungsdelikte beliefen sich 2021 in Schleswig-Holstein auf 7, so Klarewicz. Überwiegend seien die aktuellen oder ehemaligen Partner die Täter, so auch bei einem Femizid vor erst drei Wochen, am 31. Oktober 2022 im Kreis Dithmarschen. Auch diese Frau sei von ihren Ex-Partner getötet worden.


Bereits 1991 wurde die weltweite Kampagne „Orange the World“ aus den Vereinten Nationen/ United Nations (UN) heraus angeschoben. Das Ziel: Für den Internationalen Tag gegen Gewalt an Mädchen und Frauen sollte mehr Aufmerksamkeit erreicht werden. Die Fraktion der damaligen Initiatorinnen nannte sich UN-Women. Sie fordern ein Ende geschlechtsspezifischer Gewalt. Diese reicht von Alltagssexismus, Einschüchterung, Erniedrigung, leichter oder schwerer Körperverletzung, Vergewaltigung bis hin zum Mord.
Die Istanbul-Konvention von 2017 definiert diese Gewalt als Menschenrechtsverletzung und als Zeichen der Ungleichstellung von Frauen und Männern. Allein in Deutschland erleiden Frauen alle 45 Minuten gefährliche körperliche Verletzungen durch ihren Partner. Diese Gewalt ist unabhängig von Alter, Sozialstatus oder kulturellem Hintergrund. Für Außenstehende bleibt sie häufig unsichtbar. Auch, weil die Betroffenen meist jahrelang anhaltende Gewalt erfahren und Angst haben, sich die nötige Hilfe zu holen.


Dies zeigt: Obwohl in den vergangenen Jahrzehnten viel für den Schutz von Frauen und Mädchen sowie für Gleichberechtigung erreicht wurde, „ist diese geschlechtsspezifische Gewalt immer noch allgegenwärtig“, unterstreicht Jessica Klarewicz. „Sie ist fest in unseren gesellschaftlichen Strukturen verankert“, lautet das ernüchternde Fazit. Verantwortlich ist ganz klar die Person, die Gewalt ausübt – und nicht diejenigen, die Gewalt erfahren. „Trotzdem werden diese immer wieder für die anhaltende Gewalt verantwortlich gemacht.“


Kontakt: Beratungs- und Fachstelle bei Gewalt an Mädchen und Frauen im Kreis Plön, 04342 - 30 99 39 (montags von 14 bis 16 Uhr, dienstags, mittwochs, donnerstags und freitags von 10 bis 12 Uhr), kreisploen@t-online.de, www.frauennotruf-kiel.de


Frauenhaus Kreis Plön, 04342 – 82616
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen, 0800 - 116 016 (rund um die Uhr, kostenlos und in verschiedenen Sprachen), www.hilfetelefon.de


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