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Wenn ein Krimi in die Kirche kommt...

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Kiel/ Dietrichsdorf (kud). Wer ist Täter, wer ist Opfer? Warum wurde der Täter zum Täter? Was ist Schuld? Krimiautor Kurt Geisler wandert mit seinen sechs Din á 4 Seiten zum Stehpult unter dem Kreuz in der Dietrichsdorfer Kirche. Rund 100 neugierige Augenpaare folgen ihm. Alle sind gespannt, wie dieses Experiment wohl enden mag. Ein Krimi im Sonntagsgottesdienst. Pastor Niels-Peter Mahler nimmt entspannt auf einem Stuhl in der ersten Reihe Platz.
Kurt Geisler lässt seinen Blick durch die Reihen der Gläubigen gleiten, dann entführt er die Zuhörerschaft nach Kiel – Gaarden. Da sollen wieder einmal Außenaufnahmen für einen neuen „Tatort“ gedreht werden. Vor einer Häuserfront liegen dicke Matten auf dem Boden. Drei Fenster sind erleuchtet. Der junge Regisseur staucht einen Komparsen zusammen, weil der nicht exakt seinen Anweisungen folgt. Eigentlich soll er unten in einem Geschäft Geld klauen, dann hurtig in die obere Etage flüchten, um nicht von der Polizei erwischt zu werden und schließlich aus dem Fenster auf eine der Matten springen. Aber wie immer in solchen Geschichten kommt es anders. Die Produzentin muss sich die Tiraden des Jungregisseurs anhören und wird sauer. Bei Dreharbeiten ist Zeit Geld. Der junge Filmemacher sinniert noch über seine Kindheit in Gaarden, als oben am Fenster endlich eine Figur erscheint, beherzt aus einem Fenster springt und – auf dem nackten Boden landet. Der echte Dieb überlebt diesen Sprung nicht. Die Produzentin hat eine Superaufnahme im Kasten und möchte mit dem Jungregisseur einen trinken gehen. „Man muss auch vergessen können.“
Eine üble Wendung. Wer konnte schon damit rechnen, dass außer dem Komparsen – Dieb auch noch ein echter unterwegs war? Unvorhersehbarer Kollateralschaden eben. Aber ist es wirklich so einfach?
Pastor Mahler hat auch einige Manuskriptseiten mitgebracht und nimmt sich der Geschichte an. Diese Gedanken enden ganz anders als der arme zerschmetterte Dieb auf dem harten Beton. „Wer ist Opfer – wer ist Täter? Diese Frage scheint mir immer schwieriger zu klären. Vielleicht ist es aber auch die falsche Frage. Wir stehen in der Verantwortung, wann und wie werden wir schuldig? Können wir aus der Vergebung leben, lassen wir uns darauf ein? Kurt Geisler führt uns dieses Dilemma unseres Lebens mit seiner Geschichte drastisch vor Augen.“ Mahler weiter: „Wir nehmen oft hin, dass wir lieblos miteinander umgehen. Wir beklagen kaum, wie kraftlos unsere Gemeinden sind. Wir merken nur selten, wenn andere ratlos, verzweifelt und einsam werden.“
Mit diesen Gedanken, so Mahler, habe sich bereits der Apostel Paulus in seinem Brief an die Korinther beschäftigt. Dort heißt es: „Niemand betrüge sich selbst.“
„Und dann kommt so eine Geschichte daher und konfrontiert uns mit der Frage, was eigentlich unser Handeln bestimmt.“ Eigenes Handeln orientiere sich immer auch an den Voraussetzungen des eigenen täglichen Lebens. Erwartungen erfüllen, funktionieren – der Selbstbetrug sei da nicht fern. Irgend wann könne ein Kartenhaus, das zwischen Wunsch und Wirklichkeit stehe, einstürzen, wenn es nicht auf einem stabilen Fundament stehe. „Hier muss sich jeder für sich die Frage stellen: Auf was für einem Fundament stehe ich selbst? Muss ich etwas tun oder will ich es?“
Bin ich Opfer oder Täter? Geislers Geschichte habe zwar keinen Mörder zu bieten, wenigstens aber ein Opfer. Die Frage sei aber, ob der echte Dieb wirklich nur Opfer sei. Schließlich habe er ja gestohlen. Produzentin und Regisseur – auch ihre Rolle in dem kleinen Gaardener Spektakel sei durchaus nicht einfach einzuordnen. Sie machen einen guten Job, beschäftigen sich aber mehr mit sich als mit dem Geschehen. Waren sie achtsam genug bei ihrer Arbeit? Die Antwort auf all diese Fragen könne nur sein: Alles, was „Mensch“ tut, dürfe nie auf Kosten anderer geschehen. Mahler zitiert die Bibel: „ Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“
Heino Pietschmann, Kirchenmusiker, hat an diesem Vormittag viel zu tun. Er flitzt zwischen Truhen- und echter Orgel hin- und her und hat für jede Sequenz dieser Stunde die passende musikalische Unterstützung parat. Auch Peter Schümann vom Büchereiverein genießt den ungewöhnlichen Gottesdienst.
Die Bücherei hat Grund zum Feiern. Sie wurde jüngst 110 Jahre alt und Veranstaltungen wie diese, entstanden zwischen Bücherei, Autor und Kirche, sind stets Highlights.


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