Reporter Eutin

Wie aus alten Fischernetzen Kunst werden kann

Bilder

Laboe (ed). Es gibt wahrscheinlich keinen Ort, an den diese Ausstellung besser passen würde als das Laboer Freya-Frahm-Haus. Durch die Fenster der Blick auf die Ostsee und in allen Räumen des schönen, alten Hauses an der Strandpromenade Werke der Kölner Künstlerin Angela Czaja aus dem, was das Meer angespült hat. Sie ziehen sich wie ein roter (oder blauer) Faden bis ins Dachgeschoss, die Fäden alter Fischer- und Schleppnetze, Pappe, weggeworfene Masken, „alles, was man am Strand eben so findet“, sagt Angela Czaja. Seit vielen Jahren sammelt sie schon diesen Meeresmüll, eigentlich um die Strände zu säubern. „Am Anfang dachte ich, ich hol das da raus, damit es nicht mehr da liegt“, erzählt sie. Weil Tiere sich darin verfangen und weil sich der Kunststoff nach und nach zersetze und als Mikroplastik zurück ins Meer gelange.
 
„Zum Wegwerfen fand ich sie dann viel zu schön.“ Die alten Netze vor allem, weil sie so schon leuchtend farbenfroh seien. Daher habe sie die erstmal ordentlich durchgewaschen und getrocknet und zu ihren anderen Materialien gelegt. Über die Jahre hinweg nun hat sie immer wieder Gelegenheit gefunden, den Meeresmüll in ihre Arbeiten zu integrieren – die Künstlerin ist von Haus aus Textilgestalterin, hat auf Lehramt studiert, ihren Beruf als solchen aber nie ausüben können. Dafür aber weiß sie, mit textilem Material zu arbeiten, und das sieht man an jedem ihrer Kunstwerke, ebenso ihre Liebe zu leuchtenden Farben und das Bewusstsein um den fragilen Zustand unseres Planeten. All das verwebt sie mit den verschiedensten Materialien zu Bildern, Collagen, Objekten und Skulpturen – Bilder in Acryl und Öl, ebenso wie Skulpturen aus Marmor, Objekte mit Ästen, Muscheln, Steinen, Pappe und Papier haben als verbindendes Element die Seile, Fasern, Netzfragmente aus blauem oder orangefarbenem Plastik. Die Kombinationen sind immer spannend, zeigen, dass die Künstlerin Kontraste liebt, bei Farben und Materialien. Wie die Büste, die durch das Brennen Schäden bekommen hatte – „da brauchte ich einen Plan B“, lacht sie, und so kam die Büste zu ihren Fischernetzhaaren. Oder die Mesusa, die ein bisschen an einen Traumfänger erinnert.
 
Das Netz aus Plastikfäden mit Papierfragmenten, auf das Teile der Menschenrechte mit Maschine geschrieben sind – „Fragmente deshalb, weil die Menschenrechte in vielen Ländern einfach nur fragmentarisch Anwendung finden.“ Oder „Poesie“, das Kunstwerk aus mit Poesiebildern und Poesiealbum-Sprüchen versehenen Karten, verbunden durch Fasern aus Meeresmüll und Kristallen als i-Tüpfelchen hängt es an einem gefundenen Drahtkleiderbügel und macht nostalgisch. „Eigentlich ist alles hier mal Abfall gewesen“, sagt Angela Czaja, die ganz wunderbar aus dem so angesagten Upcycling Kunst macht. Die Bilder und Objekte, Skulpturen und Collagen erzählen Geschichten, auf den ersten wie auf den zweiten Blick, traurige, komische, ärgerliche so wie das Kunstwerk gleich vorne im Eingangsbereich der Ausstellung, das bunt glitzernd nicht nur „Maske auf!“ fordert – eine Masken-Collage, von denen man wahrscheinlich unzählige machen könnte, so achtlos wie Menschen die Einmal-Masken wegwerfen – sondern auch, dass sie anschließend fachgerecht entsorgt wird. Botschaften, Geschichten, mal offensichtlich, mal versteckter, sind in jedem ihrer Werke zu finden – und die kleinsten darf man sogar käuflich erwerben: Die Armbänder aus Meeresmüllfasern, die Angela Czaja mit glitzernden Svarovski-Kristallen befädelt sind wunderschön und tragen dank einer Spende für den NaBu sogar zum Schutz der Meere bei.
 

Angela Czajas Kunst ist leuchtend, anziehend und faszinierend – und ganz nebenbei, fast spielerisch macht sie auf die großen Probleme unseres Planeten aufmerksam. Auf die Verschmutzung der Meere natürlich allein durch die Verwendung der Plastikfäden aus den Netzen – aber auch auf die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer: „Schiffeversenken“ heißt das große Bild, auf dem sehr plastisch dargestellt ist, wieviele Menschen Monat für Monat auf dem vermeintlichen Weg in ein besseres Leben ertrinken.
 

„Heute hebe ich alles auf, was ich spannend finde“, schmunzelt sie – ob ihr Mann, der mit ihr unterwegs ist, darunter sehr leide? Nein, lacht er: „Wir machen unsere Spaziergänge einfach in unterschiedlichem Tempo, aber mittlerweile sammele ich selber und freue mich, wenn eines meiner Fundstücke in der Kunst meiner Frau Verwendung findet.“ Über die Ausstellung im Freya-Frahm-Haus freut sie sich besonders, denn das hat sie sich gewünscht, seit sie vor einigen Jahren ein paar Tage in Laboe verbrachte und sich natürlich auch die Ausstellung anschaute. Und die Kunst, die sie nun aus Köln an die Ostsee gebracht hat, zurück ans Meer, könnte keinen schöneren Rahmen finden als dieses schöne alte Haus mit Meerblick.
Geöffnet ist die Ausstellung „angespült“ im Freya Frahm-Haus in der Strandstraße 15 in Laboe noch bis zum 16. März immer freitags und samstags von 13 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr.


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