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Zum letzten Mal - der Schönberg Talk

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Foto: hfr

Schönberg (t/los). Was vor acht Jahren als Versuch begann ist im Laufe der Zeit zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Und so fanden sich auch am 9. November 80 Besucher zum Schönberg Talk im Hotel am Rathaus auf dem Knüll ein. Im Rahmen der Veranstaltung haben der Arzt und Pianist Dr. Rüdiger Penthin und Wilfried Zurstraßen, langjähriger Bürgermeister im Ostseebad Schönberg, auch das Ende ihrer beliebten Talkreihe eingeläutet. Gäste ihrer Schlussrunde waren die beiden Probsteier Persönlichkeiten Hanna Kempfert und Hans-jürgen Böttger, Filmemacher Bernd Fiedler und Lars Nissen vom Bankvorstand der VR Bank. Für den musikalischen Rahmen sorgten mit der Geige und am Klavier Lisa-Maria und Helga Zurstraßen.
Mit dieser letzten Veranstaltung am 9. November 2022 endete der Schönberg Talk, der acht Jahre lang im Rahmen der Kulturprogrammreihe „Schönberg kulturell“ regelmäßig stattgefunden hat. „Man soll dann gehen, wenn es noch richtig schön ist“, machten Wilfried Zurstraßen und Rüdiger Penthin die Gründe ihrer Entscheidung deutlich, „deshalb verabschieden wir uns mit dem Schönberg Talk und bedanken uns bei unserem Publikum, da uns auch in schwierigen Coronazeiten die Treue gehalten hat.“ Für das kulturelle Engagement der beiden Schönberger Talkmaster sprach Bürgermeister Peter Kokocinski im Namen der Gemeinde seinen Dank aus.
Stets war der Schönberg Talk eine Wohltätigkeitsveranstaltung bei freiem Eintritt gewesen. Erwünscht waren stattdessen Spenden zur Unterstützung der Schönberger Tafel auf dem Eichkamp. Ein Engagement aus gutem Grund: Gerade aktuell müssen immer mehr Menschen die Tafel in Anspruch nehmen. Den Hintergrund dieser Entwicklung bilden der Krieg in der Ukraine, die Fluchtbewegung vieler Menschen sowie steigende Lebensmittel- und Energiekosten ab.
Der letzte Schönberg Talk sorgte nach bewährtem Konzept mit Gesprächen und Geschichten, Anekdoten und Musik für einen abwechslungsreichen Abend, an dem die Gäste der Runde buchstäblich im Rampenlicht standen und viel zu erzählen hatten. So hat sich Probsteierin Hanna Kempfert seit vielen Jahren ehrenamtlich in ihrer Heimatgemeinde engagiert. Schwerpunkt dabei: das Probsteimuseum.
Hanna Kempfert war nicht nur Mitgründerin des Museumsvereins, sondern war auch viele Jahre Vorsitzende des Museums. Und sie hat in dieser Funktion mit eigens von ihr konzipierten Ausstellungen sowie mit plattdeutsch erläuterten Führungen das kulturelle Leben im Ostseebad Schönberg mitgestaltet. Über diese vielschichtigen Aktivitäten hinaus beleuchtete Hanna Kempfert, wie sich die Lebenssituation in Schönberg nach dem Kriegsende für die Bewohner dargestellt hat.
Hans-Jürgen Böttger griff den Spielball auf und berichtete über seine Kindheit in Schönberg während des Krieges. Er beschrieb aus der Erinnerung seine frühmorgendlichen Fahrten im überfüllten Zug Hein Schönberg zur HDW Howald Deutsche Werft am Ostufer der Kieler Förde und erzählte von seinen beruflichen Erfahrungen in der christlichen Seefahrt, die ihn über die Weltmeere geführt hat. Hans-Jürgen Böttger hat als Schiffsingenieur auf Großer Fahrt gearbeitet.
Nach dem Berufsleben und der Rückkehr nach Schönberg setzte er sich jedoch neue Ziele und ehrenamtlich über 15 Jahre als Leiter der Spurensucher ein. Die Spurensucher sind eine Gruppe von Zeitzeugen, die in Zusammenarbeit mit der Kreisvolkshochschule Plön die Schönberger Geschichte aufarbeitete und veröffentlichte.
Ein ganz anderes Berufsbild brachte der Banker Lars Nissen ins Gespräch. Nissen hat es vom Lehrling bis in die Chefetage gebracht und ist Vorstandsmitglied einer der größten schleswig-holsteinischen Genossenschaftsbanken. Beim Schönberg Talk erzählte Nissen nicht nur seine persönliche Geschichte, sondern auch die seiner Bank, der VR Bank. Ein ebenso kontrastierendes Arbeitsprofil beschrieb Filmmacher Bernd Fiedler, der aus einer traditionsreichen Kieler Konditorfamilie stammt und seit 2002 am Schönberger Strand lebt. Er produzierte bereits im Alter von 16 Jahren seinen ersten Film. „Es war unser Klassenausflug, den ich damals mit der Kamera meines Vaters drehte“, erzählte er rückblickend aus seinem Werdegang.
Fiedler besuchte die Film- und Fernsehakademie in Berlin, ging dann nach München, wo er als Kameramann arbeitete. Weggenossen und Kollegen waren damals unter anderem Peter Hanke, Peter Stein und Thomas Schamoni. Fiedler war aber nicht nur als Kameramann, sondern auch als Drehbuchautor, Regisseur sowie als Produzent im In- und Ausland tätig. Und auch in seinem Ruhestand ist er weiterhin im Filmgeschäft aktiv geblieben. So entwickelte er mit dem Drehbank-Konzept eine besonders kostengünstige Konstruktion für Filmproduktionen und drehte weiterhin verschiedene Filme, unter anderem kürzlich zum Thema Kriegsende in der Probstei.
Mit diesem auch musikalisch breit aufgefächerten Klönschnack ist der Schlussakkord des Schönberg Talk ausgeklungen. Hinterlässt er bei „Schönberg kulturell“ eine Lücke? Angesichts der Vielfalt in der Reihe nicht mehr als ein Mosaiksteinchen, meint Wilfried Zurstraßen. Denn das Ostseebad hat viel zu bieten.
Der Zugang zur Kultur, das sei für ihn immer auch „ein wesentlicher kommunalpolitischer Bereich“ gewesen. „Kultur bietet Menschen aber immer auch ein Stück weit Zugang zu sich selbst“, macht er deutlich. Obwohl die Herzen der beiden Schönberg Talk-Gründer für Kultur schlagen, sei es aus ihrer Sicht an der Zeit für eine Zäsur gewiesen. Da schwingt ein wenig Melancholie zwar mit, aber „jede Veränderung bietet auch Raum für Neues“, so Zurstraßen.



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