

Bad Schwartau. Als Jürgen Jaschek in Lübeck geboren, aufgewachsen in Bad Schwartau, wurde Richard Yashek mit seiner jüdischen Familie in der Nazizeit massiv verfolgt und ausgegrenzt. Dann kam es noch schlimmer. Im Dezember 1941, also vor 84 Jahren, musste die Familie ihre Wohnung in Bad Schwartau verlassen. Der 12-jährige Jürgen, seine Eltern Lucie und Eugen Jaschek und sein erst 10-jähriger Bruder Jochen wurden mit dem sogenannten Hamburger Transport in das KZ Riga in Lettland deportiert. Dieses Schicksal erlitten damals zirka 120 Lübecker und noch viel mehr Hamburger Juden. Von den mehreren hundert Personen dieses Transports haben nur wenige den Krieg überlebt. Fast alle sind durch Erschießung, durch Hunger, Krankheiten oder Zwangsarbeit ums Leben gekommen, auch die Eltern von Jürgen Jaschek und sein kleiner Bruder.
Jürgen hat als einziger der Familie überlebt. Er konnte 1945 nach Lübeck zurückkehren und 1948 über Schweden in die USA auswandern. Dort nahm er den Namen Richard Yashek an, gründete mit seiner Ehefrau Rosalye eine Familie und war beruflich erfolgreich. Die Töchter Linda und Kimberly kamen dazu. Mit Deutschland wollte er verständlicherweise nichts mehr zu tun haben.
Erst 1997, fast 50 Jahre später, gab es durch das große persönliche Engagement von Heidemarie Kugler-Weiemann und ihren Kollegen von der Lübecker Geschwister-Prenski-Schule einen ersten Besuch des Ehepaars Yashek in Lübeck/Bad Schwartau, dem dann weitere folgten. Kontakte zu früheren Nachbarn in der Auguststraße in Bad Schwartau wurden wieder aufgenommen und viele neue Freundschaften begründet. Am 15. April 2005 ist Richard Yashek verstorben. Aber die freundschaftlichen Bande zu seiner Familie bestehen fort.
So waren Anfang Dezember 2025 die beiden Töchter der Familie, deren Partner und die drei Enkel von Richard und Rosalye Yashek in Lübeck/Bad Schwartau zu Besuch. Anlass dafür war auch, dass die von ihrem Vater niedergeschriebenen Lebenserinnerungen nun in deutscher Sprache als Buch herausgebracht werden konnten. Richard Yashek hatte seine Aufzeichnungen nämlich noch einmal erheblich erweitert um seine Erlebnisse und Erfahrungen, die er nach der Wiederaufnehme seiner Kontakte zu Deutschland gemacht hat.
Diese erweiterte deutsche Übersetzung konnte durch die finanzielle Förderung unter anderem des Gemeinnützigen Bürgervereins Bad Schwartau, der Bürgerstiftung Bad Schwartau und der Sparkassenstiftung Lübeck mit insgesamt rund 10.000 Euro als Buch aufgelegt werden.
Fast die gesamte Auflage von 1.000 Exemplaren wird den Schulen in Lübeck und Bad Schwartau kostenlos als Lese- und Lernmaterial zur Verfügung gestellt.
Am 12. Januar 2026 haben Joachim Wallmeroth, als Vorsitzender des Gemeinnützigen Bürgervereins und Klaus Nentwig für die Bürgerstiftung Bad Schwartau nun die dafür vorgesehenen Bücher in Anwesenheit von Bürgermeisterin Dr. Katrin Engeln an zwei Bad Schwartauer Schulen übergeben.
Es freuten und bedankten sich neben der Bürgermeisterin sehr herzlich Dr. Johannes Matlok, Direktor des Leibniz Gymnasiums, und der neue Leiter der Elisabeth- Selbert- Gemeinschaftschule, Sebastian Jensen, sowie Stadtarchivar Sven Reiß für die so großzügige Unterstützung ihrer Arbeit. Hoch interessiert und erfreut waren zudem die Schülerinnen Amira Keltoum Skiri, Ecrin Irem Imeci, Ceren Basbinar und Rahel Zuther, die ebenfalls bei der Übergabe der Bücher zugegen waren. Das Gymnasium am Mühlenberg, das Pädagogium und die Cäsar-Kleinschule Ratekau konnten nicht teilnehmen, haben aber die für sie gedachten Bücher ebenfalls erhalten.
Das Buch „Die Geschichte meines Lebens“ von Richard Yashek, des früheren Schwartauer Jungen, der so viel Schlimmes erlebt und sich dann doch mit seiner früheren Heimat ausgesöhnt hat, kann auch in der Stadtbücherei ausgeliehen oder zum Preis von 10 Euro dort erworben werden; ISBN: 978-3-9826884-1-1. (PM/SE)




