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Land setzt sich für Erhalt ein: Bleibt die Bäderbahn doch erhalten?

Land setzt sich jetzt plötzlich für Erhalt und Elektrifizierung ein: Bleibt die Bäderbahn nun doch erhalten?

Die sogenannte Bäderbahn ist eine äußerst beliebte Bahnstrecke und vor allem der Bahnhof in Timmendorfer Strand wird stark frequentiert.

Bild: René Kleinschmidt

Ostholstein/Timmendorfer Strand/Scharbeutz/Ratekau. Am vergangenen Donnerstag, dem 2. Juli 2026, sorgte Schleswig-Holsteins Staatssekretärin für Verkehr und Arbeit, Susanne Henckel (parteilos), in der 50. Sitzung des Dialogforums in Oldenburg in Holstein für eine Überraschung. In ihren Grußworten erwähnte sie so nebenbei, dass die beliebte Bahnstrecke zwischen Neustadt und Lübeck, auch als Bäderbahn bekannt, erhalten und elektrifiziert werden soll.
In den vergangenen Jahren wurde vom Verkehrsminsterium des Landes immer wieder betont, dass es keinen Erhalt der beliebten und stark frequentierten Bahnstrecke mit den Bahnhöfen in Timmendorfer Strand und Scharbeutz geben wird.
Nach dieser überraschenden Nachricht herrschte natürlich große Freude bei den betroffenen Gemeinden.
Die Scharbeutzer Bürgermeisterin Bettina Schäfer (parteilos) sagte dazu: „Die Ankündigung der Staatssekretärin, die Bäderbahnstrecke elektrifizieren zu wollen, ist eine gute Nachricht für unsere Region. Die Gemeinde Scharbeutz setzt sich seit Bekanntwerden der Nichtstillegung und des nicht mehr stattfindenden Rückbaus der Strecke mit Nachdruck für den Erhalt der Bäderbahn mit einer Verschwenkung vor Haffkrug auf die Neubaustrecke ein, statt einer Festschreibung im Planfeststellungsverfahren ohne Betrieb. Eine Elektrifizierung kann ein wichtiger Baustein sein, um die Strecke zukunftsfähig und attraktiv zu gestalten.

Umso größer ist allerdings unsere Verwunderung über die Art und Weise der jetzigen Bekanntgabe. Über viele Jahre wurde eine Elektrifizierung der Bäderbahnstrecke seitens des Landes abgelehnt beziehungsweise ausgeschlossen. Zudem wurde bislang davon ausgegangen, dass der Schienenverkehr künftig ausschließlich über die Neubaustrecke erfolgen soll. Dass eine so grundlegende Änderung der Planungen nun im Rahmen des 50. Dialogforums – nach 15 Jahren Dialog – verkündet wird, zeigt, wie wichtig der gemeinsame Einsatz der Region für die Bäderbahn war.

Jetzt ist es wichtig, dass die geänderten Planungen transparent vorgestellt und die betroffenen Kommunen frühzeitig in den weiteren Prozess einbezogen werden. Wir wünschen uns, dass die Planungen für die Elektrifizierung der Bäderbahn parallel zur Umsetzung der Neubaustrecke durch den Maßnahmenträger vorangetrieben werden. So kann die Strecke schnellstmöglich eine verlässliche Zukunftsperspektive erhalten.

Wir freuen uns auf die nun angekündigten konkreten Planungen und erwarten, dass Landesregierung und Deutsche Bahn diese zeitnah vorstellen und erläutern. Die Gemeinde Scharbeutz wird den weiteren Prozess konstruktiv begleiten und sich weiterhin mit Nachdruck für eine starke, moderne und zukunftsfähige Bäderbahn einsetzen mit Verschwenkung vor Haffkrug auf die Neubaustrecke. Wir wollen keine zwei Bahnlinien durch Haffkrug!“
Ihr Amtskollege aus Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke (FDP), sagt: „Wir begrüßen die Ankündigung des Landes Schleswig-Holstein ausdrücklich. Dass das Verkehrsministerium nun signalisiert hat, künftig wieder Schienenpersonennahverkehr auf der Bäderbahn bestellen zu wollen, ist ein wichtiger und längst überfälliger Schritt.

Die Gemeinde Timmendorfer Strand hat sich gemeinsam mit den Nachbarkommunen, dem Kreis Ostholstein und vielen weiteren Akteuren über Jahre mit großem Nachdruck für den Erhalt der Bäderbahn eingesetzt. Umso mehr freuen wir uns, dass diese beharrlichen Bemühungen nun offensichtlich Früchte tragen und das Land seine bisherige Haltung überdenkt.

Die Bäderbahn ist weit mehr als eine Bahnstrecke. Sie ist ein zentraler Bestandteil einer leistungsfähigen, klimafreundlichen und bürgernahen Mobilität an der Lübecker Bucht. Sie sichert die Erreichbarkeit unserer Orte für Einwohnerinnen und Einwohner, Berufspendlerinnen und Berufspendler sowie unsere Gäste und stärkt damit gleichermaßen Lebensqualität und Tourismus.

Nun gilt es, den angekündigten Kurswechsel mit einer verlässlichen Finanzierung und einer zügigen Umsetzung zu unterlegen. Die Gemeinde Timmendorfer Strand wird diesen Prozess weiterhin konstruktiv begleiten und sich dafür einsetzen, dass die Menschen in unserer Region dauerhaft von einem attraktiven Schienenangebot profitieren.”
Und Thomas Keller, parteiloser Bürgermeister der Gemeinde Ratekau, sagt: „Die Aussage der Staatssekretärin zum Weiterbetrieb der Bäderbahn im Grußwort zum Jubiläum des FBQ-Dialogforums hat sehr überrascht, zumal der Wirtschaftsminister bis vor Kurzem weiterhin konsequent auf den Letter of Intent von 2014 zwischen Land und Deutsche Bahn verwiesen hat, wonach mit dem Bau der FBQ der Neubautrasse kein Schienenpersonennahverkehr auf der Bädertrasse mehr bestellt wird. Also eine echte Kehrtwende, wobei noch völlig unklar ist, wie sich der weitere Planungsfortgang gestaltet. Insbesondere ist zu klären, ob die Änderungen in das laufende Planungsverfahren eingearbeitet werden oder ob es ein ergänzendes separates Verfahren - insbesondere zur Elektrifizierung der alten Strecke - geben wird. Ich gehe von Letzterem aus, da alles andere das FBQ-Projekt sicherlich um Jahre verzögern würde. Für die Anbindung der Bädergemeinden hat sich mit der jetzigen Aussage nach langer Zeit und vielen Beratungen nun endlich eine erforderliche und vor allem bedarfsgerechte Perspektive ergeben.“
Aber noch ist nichts entschieden, da das Bundesverkehrsministerium und das Eisenbahnbundesamt dem Vorhaben zustimmen müssen und die Finanzierung gesichert sein muss. (rk)


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