

Eutin (aj). Die Weihnachtsbäume sind entsorgt und wie immer nach dem Fest stellt sich Ernüchterung ein. Für einige Menschen bleibt ein handfester finanzieller Kater. Denn der Geschenkekauf ist nicht selten Anlass, das vermeintlich großzügige Angebot „Buy now, pay later“, zu Deutsch: „Jetzt kaufen, später bezahlen“, zu nutzen. Was so locker-leicht daherkommt, verführt häufig zu Anschaffungen, die eigentlich über den eigenen Möglichkeiten liegen. Natürlich führt die gern genutzte Verkaufsmasche nicht zwangsläufig in die Verschuldung. Dass aber die zielgerichtet platzierten Versuchungen der Glamour-Konsumwelt ein Grund sein können, weshalb Menschen die Kontrolle über ihre Finanzen verlieren, erleben professionelle Schuldnerberater*innen wie Steffen Fischer immer wieder.
Fischer leitet die Schuldner- und Insolvenzberatung Eutin/Ostholstein und er weiß: „Überschuldung kann jeden treffen!“ Neben dem Konsumverhalten können Arbeitslosigkeit, Trennung, Erkrankungen und Sucht, aber auch ein anhaltendes Niedrigeinkommen Ursachen dafür sein, dass man sich dauerhaft in einem Minus verfängt und am Ende den Ausweg nicht mehr findet. „Wir haben Fälle, da ist das Einkommen so gering, dass trotz Vollzeit nichts pfändbar ist, weil schlicht nichts übrigbleibt“, berichtet der Berater. Eine Verstrickung, die sich bis ins Rentenalter ziehen kann.
Steffen Fischer hat eine gute Nachricht für alle, die im Schatten eines Schuldenberges leben: „Es gibt Auswege und Lösungen!“ Dafür müssen Betroffene sich überwinden und zum Beispiel die kostenlose Profi-Hilfe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Anspruch nehmen. Was so einfach klingt, kostet in der Regel große Überwindung: „Schulden sind mit Scham behaftet“, erklärt Steffen Fischer. Viele Menschen kommen deshalb häufig erst, wenn sie wirklich keinen Ausweg mehr sehen: „Viele haben Mietrückstände, Wohnungslosigkeit droht. Geld von der Bank gibt es nicht mehr, Raten fressen das Einkommen auf, so dass die Alltagskosten nicht mehr bewältigt werden“, so beschreibt Fischer mögliche Situationen. Der Schuldendruck kann krank machen, Beziehungen leiden, Betroffene ziehen sich zurück, manche leiden unter Angst und Schlaflosigkeit.
In der Beratung werden im vertraulichen Gespräch die Fakten zusammengetragen und auf der Grundlage der persönlichen Umstände ein Handlungsplan erarbeitet. Steffen Fischer erläutert, was das konkret heißt: „Wir hören genau zu und bewerten nicht. Dann sichten wir gemeinsam die Kontoauszüge, ordnen Unterlagen, ermitteln Gläubiger, nehmen soweit notwendig mit dem Jobcenter Kontakt auf. Zudem unterstützen wir dabei, gegebenenfalls ein Pfändungsschutzkonto einzurichten, insbesondere bei der Bescheinigung zur Erhöhung des Freibetrages zum Beispiel bei Unterhaltspflicht“, so der Experte. Es sei wichtig, neue Strukturen zu schaffen. Ein Einnahmen- und Ausgabenbogen kann dabei helfen: „Das schafft Klarheit: ‚Was habe ich im Monat und welche Verpflichtungen muss ich damit bedienen.‘ Viele Menschen erkennen dann, dass sie sehr blauäugig kalkuliert haben“, berichtet Fischer. Um langfristig von Schulden befreit zu werden, ist in vielen Fällen das Verbraucherinsolvenzverfahren die beste Lösung. Auch hierbei sind die Berater*innen an der Seite der Betroffenen, bereiten die notwendigen Schritte in Absprache vor und erklären die Zusammenhänge so, dass sie zu verstehen sind: „Zu begleiten, Probleme zu lösen, Menschen in Not tatsächlich zu helfen, ist für uns alle im Team die Motivation“, betont Steffen Fischer.
Dafür arbeiten die Berater*innen im Einzelfall auch mit anderen Stellen zusammen, vermitteln
zum Beispiel Kontakt zu Suchtberatung, Familienhilfe oder medizinisch-psychiatrischen Beratungsstellen: „Wir haben hier mit vielen menschlichen Themen zu tun“, meint Fischer.
Aufklärung kann helfen – in jedem Alter
Seine Botschaft „Sie sind nicht allein“ soll ermutigen. Gleichzeitig sieht er die Notwendigkeit, Menschen aufzuklären, um zu verhindern, dass sie in finanzielle Bedrängnis geraten. Es gebe einen Mangel an finanzieller Bildung, stellt der Berater fest. In einem Präventionsspiel für Schulklassen können sich Jugendliche mit der Frage „Was kostet das Leben?“ auseinandersetzen. Von den GEZ-Gebühren bis zum Alltagsgegenstand wird alles einbezogen: „Da merkt man dann immer wieder, wie wenig darüber nachgedacht wird“, unterstreicht Steffen Fischer. Er sieht hier Elternhaus und Schule in der Pflicht: „Man muss offen reden und ein gutes Beispiel geben.“ Das heiße aber nicht, dass nur junge Menschen aufgeklärt werden sollten, denn Schulden beträfen jedes Alter: „Auch Senioren sollten sich informieren und natürlich auch beraten lassen“, hebt Steffen Fischer hervor. Er ist überzeugt: „Es macht in jeder Lebenslage Sinn, das Thema Schulden anzugehen.“
Wer von Schulden betroffen ist oder Fragen zum Thema hat, kann unter Telefon 04521-702114 oder per E-Mail an schuldnerberatung-eutin@awo-sh.de Kontakt mit der AWO-Schuldner- und Insolvenzberatung in der Lübecker Landstraße 3 in Eutin aufnehmen.



