

Eutin (aj). Einmal im Monat kommt die Eltern-Trauergruppe in Eutin zusammen. Willkommen sind alle Mütter und Väter, ganz gleich, wie lang der Tod ihres Kindes zurückliegt, ob es ein ganz junges Leben war oder ein erwachsenes.
Bianca Coen und Martina Keller-Filipovic leiten die Treffen als Trauerbegleiterinnen. Beide Mütter haben eine Tochter verloren, bei beiden liegt der Tag, der ihr Leben in ein „Davor“ und ein „Danach“ zerschnitten hat, fast zehn Jahre zurück. Heute stehen sie als spezialisierte Trauerbegleiterinnen der Eutiner Hospizinitiative an der Seite von Eltern, die um ein Kind weinen. Die Treffen beginnen mit Licht. Rund um die große Kerze auf dem Tisch in der Mitte des Raumes stehen kleine Kerzen, für jedes Kind wird eine entzündet, daneben findet sich ein Fotoständer: „Wer mag, bringt ein Bild mit“, erzählt Bianca Coen. Zur Einstimmung liest sie einen Text vor, bei jeder Zusammenkunft einen anderen. Und dann darf das Tor aufgehen, das im Alltag häufig fest verschlossen bleibt. „Wie geht es Euch, was ist heute wichtig?“ diese Fragen sind eine Einladung. Gesprochen wird über alles, was die Eltern bewegt: „Wer einen solchen Schmerz durchleidet, ist wie im Nebel“, weiß Bianca Coen. Die wichtigste Botschaft, die sie und Martina Keller-Filipovic den trauernden Eltern mitgeben, lautet deshalb: „Alles ist richtig, du bist richtig!“ Dass die Menschen an unterschiedlichen Punkten ihres Trauerprozesses stehen, ist eine Stärke der Gruppe: „Alle lernen voneinander und alle verstehen einander“, erläutert Martina Keller-Filipovic. Wenn jemand weint, wissen die anderen: Da war ich auch. Die Frage, wie häufig man die Abende besuchen kann, ist schnell beantwortet: „Alle kommen so oft, wie sie möchten“, sagt Bianca Coen. Vor einer ersten Teilnahme empfiehlt sie ein Einzelgespräch. Das gibt Sicherheit und erleichtert die Entscheidung, den Schritt in den Austausch zu wagen. Ein Einstieg in die offene Gruppe ist jederzeit möglich. In der Runde wird an das Schöne angeknüpft: „Was ist das Verrückteste, was Euer Kind je getan hat?“ kann eine Frage sein. Und dann wird viel gelacht. Die Erinnerungen tun weh, zugleich sind sie ein Zeichen der Nähe, der Liebe: „Und diese Liebe kann ein Anker sein, eine große Kraft zum Überleben, zum Weiterleben“, betont Martina Keller-Filipovic. Alle Eltern lächeln, wenn sie von ihren Kindern erzählen. „Nach dem Tod eines Kindes wird kein Tag wieder so sein, wie er einmal war“, sagt Bianca Coen. Deshalb, so setzt sie fort, sollten Eltern alle Hilfe bekommen, die sie brauchen: „In der Gruppe, darf man so sein, wie man ist. Solche Orte gibt es nicht viele“, unterstreicht sie. Wo sonst kann man fragen, wie lange die lähmende Trauer anhält und wem vom Schuldgefühl beim ersten Lachen erzählen? Ihre persönliche Erfahrung führte Bianca Coen vor Jahren in die Hospizarbeit, wo sie sich auf die Arbeit mit trauernden Eltern fokussierte. In Martina Keller-Filipovic hat sie eine Partnerin gefunden, mit der sie die Gruppe in großer Ruhe und tiefem Mitfühlen lenken kann. Die Treffen am zweiten Mittwoch des Monats beginnen um 19 Uhr und dauern etwas anderthalb Stunden. Nächster Termin ist der 11. März. Veranstaltungsort sind die Räume der Eutiner Hospizinitiative in der Albert-Mahlstedt-Straße 20. Die Anmeldung erfolgt unter 04521 – 790 776 (AB), 04521 – 401 882 oder per E-Mail an info@hospizinitiative-eutin.de. Informationen zu den Angeboten und Terminen der Hospizinitiative gibt es auf www.hospizinitiative-eutin.de.




