Reporter Eutin

Altes Haus voll neuer Ideen

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Eutin (aj). Das „ Kleine Hotel“-Schild ist längst verschwunden, die Zimmer sind bis auf letzte Möbel-Überbleibsel leergeräumt und wo bis zum November letzten Jahres die Gäste frühstückten, haben die AktivistInnen der Gruppe „Analog 6.8“ eine erste fröhliche Party gefeiert. Einmal wöchentlich kommen die Frauen und Männer zusammen, um zu organisieren und zu diskutieren, was zu regeln ist, ehe sie ihr neues Zuhause beziehen können. Es ist keine gewöhnliche Hausgemeinschaft, die hier zusammenwächst, sondern ein für Eutin ungekanntes Wohnprojekt: „Analog 6.8“ realisiert die Idee eines Mietshauses, das dem spekulativen Wohnungsmarkt entzogen wird und dauerhaft für gemeinschaftliches, solidarisches Wohnen zur Verfügung steht: „Wir haben dafür eine Haus GmbH gegründet, zu der die Bewohner*innen als Hausverein Analog 6.8 und das Mietshäusersyndikat gehören“, erläutert Andrea Scholz. Die Haus GmbH ist Eigentümerin der Immobilie, wobei Geschäftsführung und Entscheidungshoheit beim Hausverein liegen, während das Mietshäusersyndikat ein Vetorecht im Falle eines Verkaufs hat. Persönliches Eigentum erwirbt indes kein Mietender: „Solange man hier lebt, ist man Mit-Eigner“, erklärt Christian Bielke. Und spricht damit einen Aspekt an, der dieser Wohnform ihre Bedeutung für das Gemeinwohl verleiht: Es geht um mehr als nur darum, statt allein zu sein als Teil einer Gruppe zu leben. „Wir wollen Eigentumsstrukturen neu definieren“, betonen die Initiator*innen. Im ehemaligen „Kleinen Hotel“ finden sich dafür die besten Voraussetzungen: Die 21 Zimmer können mit wenig Aufwand in separate Wohneinheiten umgewandelt werden, Gemeinschaftsräume und Grundstücke bieten viel Platz für Begegnungen: „Wir wollen das Haus auch nach außen öffnen und Anlaufstelle für soziales, politisches und kulturelles Engagement sein“, kündigen die künftigen Bewohner*innen an, die aus eigener Erfahrung wissen: „Wenn man den Dingen einen festen Ort gibt, fällt es leichter, Aktivitäten am Leben zu halten.“ Zudem hat die bislang 13 Köpfe zählende Gruppe vor, ein „Café im Quartier“ einzurichten. Und auch, wer dauerhaft in einem der beiden schönen Häuser daheim sein und mitgestalten will, hat noch gute Chancen: Mit bis zu 20 Personen rechnet man bei „Analog 6.8“. So ist beispielsweise das 90-Quadratmeter-Gartenhaus noch frei. Derweil heißt es für diejenigen, die ihre Zimmer schon ausgesucht haben: Packen und vorher aussortieren, was im neuen Leben keinen Platz mehr finden wird. Eine spannende Aufgabe, zumal die künftigen Mieter*innen mitten im Leben stehen. Aber auch ganz junge Menschen werden die neue Wohnform mitgestalten, die bunte Mischung gehört ausdrücklich zum Konzept: In Schönwalde zählen Mari und Abas die Tage. Im Juli werden die jungen Frauen, 17 und 23 Jahre alt, mit ihrem Bruder in ihr neues Zuhause einziehen können. Stolz und froh zeigen sie ihre Bleibe im Dachgeschoss. Aktuell wird im Doppelhaus gewerkelt: Küchen werden eingebaut, Eingänge und Durchgänge gestaltet. Viel ist zu tun, aber der Schwung der Beteiligten scheint doppelt so groß wie die Aufgaben, die sie sich gestellt haben. Auf einem Rundgang durch die weitgehend leeren Räume sprudeln die Ideen und es schwingt ein leiser Stolz mit: auf das neue Zuhause und auf das, was darin entstehen wird. Und wer fragt: Warum? Wozu?, dem sei gesagt: Aus Lebensfreude und ja, aus purem Idealismus.
Informationen für Interessierte:
Der Eigenanteil für die Finanzierung des Wohnprojektes wird über Privatdarlehen/Direktkredite aufgebracht. Wer sich dafür interessiert, mit seinem Geld das am Gemeinwohl orientierte Vorhaben zu unterstützen, ist zu einem Info-Nachmittag am kommenden Samstag, dem 6. April um 14 Uhr eingeladen.
Hier sind auch Menschen herzlich willkommen, die Teil der Hausgemeinschaft werden möchten. Für eine bestmögliche Vorbereitung wird um Anmeldung unter Telefon 04521-76839 oder via Email an moin@analog-68.de gebeten. Hier können auch individuelle Termine vereinbart werden.



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