Reporter Eutin

Ein Laubwäldchen für Bosau

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Bosau (ed). Wer zum Bosauer Strand will und hier sein Auto abstellt, hat es voll im Blick, das kleine Wäldchen hinter der Alten Försterei. Ein richtiges Wäldchen, idyllisch und zum Spazierengehen einladend, ist es allerdings längst nicht mehr. Nicht mal für Tiere, für Vögel oder Niederwild ist es ein angenehmes Plätzchen, bis auf den Borkenkäfer, der hier ein wahres Paradies vorfand und den Zustand des Wäldchens noch ein bisschen schlimmer gemacht hat. Jetzt werden hier zum Ende des Monats die Sägen angesetzt, denen nur wenige der Bäume entgehen – und dafür wird hier ein Wäldchen mit heimischen Laubbäumen gepflanzt, so augen- wie bienenfreundlich wird es dann an dieser doch exponierten Stelle am Bosauer Strand in einigen Jahren wieder zum schattigen Spazieren einladen.
 
Den Ausschlag dafür hat der Hutzfelder Lars Schütte-Felscher gegeben – seines Zeichens Forstwirt, bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein angestellt, konnte das Elend nicht mehr mit ansehen. „Ich gehe hier mit meinem Hund spazieren und konnte zuschauen, was Borkenkäfer, Sturm und Nicht-Pflege angerichtet haben“, sagt er. Allerdings gehe es hier längst nicht mehr nur um die Optik – so unschön das Waldstück für Bosauer und Gäste auch ist – mittlerweile geht es auch um die Gefahrenabwehr, denn durch die Lücken, die Sturm und Borkenkäfer geschlagen haben, stehen die restlichen Bäume nicht mehr allzu sicher. Also habe er sich an die Gemeinde gewandt vorgeschlagen, sich mittels einer Förderung der Landwirtschaftskammer als forstlicher Förderstelle des Landes an die Wiederaufforstung zu machen. Damit sei er auf offene Ohren gestoßen, erzählt er. „Das Wäldchen ist ja nicht wirklich ein Aushängeschild für die Gemeinde“, sagt der Bosauer Bürgermeister Mario Schmidt, schon vor längerer Zeit habe auch der Umweltbeauftragte der Gemeinde den „katastrophalen“ Zustand des Waldstückes festgestellt. Umso mehr habe man sich über den Vorschlag Lars Schütte-Felschers gefreut. Schließlich gehe es auch um die Verkehrssicherung in Richtung Parkplatz, Wanderweg und Alter Försterei.
 
Einst gehörte das Wäldchen zusammen mit der Alten Försterei den Landesforsten – als die Försterei aufgelöst wurde, hatte man das Waldstück der Gemeinde zugeschlagen, allerdings ohne Pflegehinweise zu geben, so sei das Wäldchen über die Jahre verwahrlost, Stürme und Borkenkäfer haben ihr Übriges an den Küstentannen, Fichten und Douglasien getan. Umgefallene, entwurzelte, abgeknickte Bäume prägen das Bild.
 
An herausgerissenen Wurzeltellern ist zu sehen, dass die Bäume keine tiefen Wurzeln gebildet haben – die Nadelbäume mögen den feuchten Boden nicht und bleiben mit den Wurzeln lieber an der Oberfläche im Trockenen. Die Bäume sind lang und spillerig, ihre Kronen sind nur zwei, drei Meter lang, so untypisch kurz, weil sie sich wegen der dichten Bepflanzung zum Himmel strecken mussten. So bieten sie den Vögeln auch keinerlei Schutz zum Nisten und Brüten und sind natürlich bei Sturm anfälliger dafür, umgerissen zu werden. Viele Bäume sind schlicht umgeknickt, weil sie die Kraft in die Länge statt in die Breite gesteckt haben. Daher habe auch eine Entnahme der beschädigten Bäume, um die zukunftsfähigen zu erhalten, keinen Sinn, denn dazu sei es zu spät: „So hält einer den anderen“, erklärt Lars Schütte-Felscher, „entnimmt man die kranken, fallen auch die anderen um. Im Unterholz sind weder Kaninchen noch Dachse, Igel und Co. zu finden, das haben Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume, die Untere Forstbehörde, die Bezirksförsterei und der Umweltbeauftragte beim Ortstermin feststellen können. „Es bleibt nichts übrig, als hier von Null zu starten“, erklärt Lars Schütte-Felscher Einige Pappeln und stabile Roteichen werden den Kahlschlag allerdings überleben – sie bekommen rund 3.000 standortgerechte, angepasste Laubbaumarten zur Gesellschaft. „Es gibt spezielle Waldgesellschaften, die zum Boden und der Wasserversorgung hier passen.“ Zuvor aber voll maschinell so gut wie kahlgeschlagen – „das wird nur etwa einen Tag dauern“, so der Forstwirt, „etwa Ende Februar, Anfang März wollen wir loslegen.“
 
Insgesamt koste die Maßnahme rund 5.000 Euro, erklärt der Mario Schmidt, davor würden 85 Prozent über die Förderung finanziert, der Restbetrag über den Verkauf des Holzes aus dem Wäldchen. So entstehen für die Gemeinde Bosau keine Kosten. Ein weiterer Vorteil einer Neu-Aufforstung sei, etwas Nutzbringendes für die Bienen und Insekten anzupflanzen.
 
„Wir sind bienenfreundliche Gemeinde und werden dafür auch etwas tun.“ Ein weiterer Aspekt, nach dem die Laubbäume, die zum Herbst hin gepflanzt werden sollen, ausgesucht werden. „Sicher ist: Wald bleibt Wald“, verspricht der Bosauer Bürgermeister, „der geringwertige wird nur durch einen höherwertigen Wald ersetzt.“ Sicher ist auch, dass der neue Laubwald nicht so verwahrlosen wird wie der kleine Kiefernwald, denn ist das Stück Wald wieder aufgeforstet, muss es auch gepflegt werden, eine sogenannte Kultursicherung sieht die Förderung durch die Landwirtschaftskammer vor.



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