Reporter Eutin

Junge Vorlese-Asse brillieren in der Kreisbibliothek

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Eutin (ed). Bis auf den letzten Platz besetzt ist die Eutiner Kreisbibliothek beim Regionalentscheid des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels – 20 SchulsiegerInnen von 19 Ostholsteiner Schulen haben ihre Familie und Freunde, sogar ganze Fanclubs mitgebracht. Schrecklich aufgeregt sind sie natürlich trotzdem. Das merkt man ihren Vorträgen allerdings kein bisschen an – der Weg zum Vorlesetisch ist noch ein bisschen zittrig, aber kaum haben sie sich und ihr Buch vorgestellt, läuft es wie am Schnürchen. Etwa zwei, drei Minuten lang lesen sie in der ersten Runde des Wettbewerbs aus ihren Lieblingsbüchern vor – nur zehn von ihnen kommen in die zweite Runde.
 
Wer das ist, darüber entscheidet eine Jury: „Für uns ist es immer sehr schwierig zu entscheiden, wer von Euch am besten liest“, erklärt der Jury-Vorsitzende Bernd Ziemens den SchülerInnen, „weil Ihr ja alle Schulsieger seid und schon gezeigt habt, dass Ihr toll lesen könnt.“ Mal gut, dass die Jury mit Leuten besetzt ist, die nicht nur schon seit Jahren beim Vorlesewettbewerb mit dabei sind – wie die Buchhändlerin Gundi Berlenbach, die ihren „Job“ schon seit mehr als 30 Jahren macht – sondern die auch selber Bücher mögen – wie die Malenter Zahnärztin Amelie Fellgiebel – und sich zudem auch noch mit dem Lesenlernen und der deutschen Sprache und ihren Tücken auskennen. Wie die Lehrer Christiane Seidensticker-Witte aus Lensahn und Sascha Behrens aus Neustadt. Komplettiert wird die Jury natürlich von Bernd Ziemens, Schulleiter in Lensahn, und der Leiterin der Kreisbibliothek Beate Sieweke.
 
Und schon bei der ersten Leserin wird klar: Das wird nicht leicht. Vivien liest aus „Der magische 8. Tag“ – flüssig, stolpert nicht über Reime oder schwierige Worte, betont toll, sodass Text, indirekte und direkte Rede klar herauskommen. Die Bücher, aus denen die SchülerInnen lesen, sind so verschieden wie die Kinder selbst – Krabat und die Fünf Freunde sind ebenso dabei wie Percy Jackson oder der Herr der Diebe, Mein Lotta-Leben, Harry Potter oder Drachenreiter. Ein bisschen mehr Fantasy sei dabei als in den vergangenen Jahren, befinden die Jurymitglieder. Was es für die VorleserInnen zwar spannend, aber nicht einfacher macht – denn in Fantasy-Büchern haben die Figuren meist phantasievolle Namen, leben an Orten mit unaussprechlichen Bezeichnungen, Worte, über die man schon beim Lesen stolpert, sprechen die SchülerInnen total locker aus, komplexe Sätze werden so betont, dass man auch beim verschachteltsten noch weiß, worum es geht.
 
Viele der Textpassagen machen Lust, das ganze Buch zu lesen – auch darum geht es beim Vorlesewettbewerb: Lust aufs Lesen zu machen, ein bisschen zu motivieren. Denn vorm Vorlesen steht ja immer das Lesen. Und das Lesen ist nach wie vor eine der Schlüsselkompetenzen, Lesen flüssig zu beherrschen, einen guten Wortschatz zu haben, Textzusammenhänge, auch komplexere zu erfassen, Sätze bilden zu können, bei all dem hilft das Lesen mehr als alles andere. Und die jungen VorleserInnen haben Lust aufs Lesen – man merkt, dass sie die Texte, die sie lesen, auch erfassen und rüberbringen, sogar, wenn sie eigentlich gar nicht die Altersgruppe für das Buch sind: So hat Florin sich mit „Radio Heimat“ für ein sehr unterhaltsames, aber nicht unbedingt altersgerechtes Buch entschieden, aus dem er ausgesprochen flüssig, toll betont und sogar im „Ruhrpott-Slang“ liest – und im erwachsenen Teil des Publikums so einige Lacher erntet.
 
Die Eutinerin Mara-Lisa hat es sich mit ihrer Buchauswahl nicht leicht gemacht: Sie liest aus „Bodyguard: Die Geisel“ eine Passage, die einen Kick-Box-Kampf beschreibt und nicht mit englischen Fachausdrücken des Kampfsports spart. Mara-Lisa verhaspelt sich nicht einmal und liest schön klar und betont, die Kick Box-Begriffe gehen ihr locker über die Zunge – die Jury ist beeindruckt.
 
Marieke liest aus Krabat und man könnte die Augen zumachen und denken, man höre ein Hörbuch, so exakt und prononciert liest sie – und bei Jennas Vortrag aus „Alle Tage Burztag“ sitzt man mit am Tisch des von Hurz Burz genervten Autoren und verfolgt vergnügt den Dialog der beiden.
 
Es macht Spaß, ihnen zuzuhören. Ob Mairi aus „Drachenreiter“ liest oder Julius aus Harry Potter, Carlotta aus „Saphir“ oder Lea aus „Die wunderbare Miss Braitwhistle“. Jeder der jungen VorleserInnen hat einen eigenen Stil, klasse sind sie aber alle – das findet auch die Jury: „Das sind wirklich alles gute Leser, das wird schwierig, sich für die zehn Besten zu entscheiden.“ Beurteilt wird nach einem Punktesystem: Textverständnis, Betonung, auch die Buchauswahl spielt natürlich eine Rolle, wer in die zweite Runde kommt. Da wartet dann der „Fremdtext“ – Pu, der Bär von A.A. Milne wartet da auf die SchülerInnen.
 
Ein Kinderbuch, ja, aber bei Weitem nicht leicht zu lesen. Die zehn besten VorleserInnen haben etwas Zeit, um sich mit dem Fremdtext zu beschäftigen. Und auch mit Pu, Tigger, Ferkel und Christopher Robin schlagen sie sich prima – die Jury hat es wieder nicht leicht, entscheidet dann, dass Jenna Westen vom Neustädter Küstengymnasium sich mit den beiden Texten am besten geschlagen hat. Eine Urkunde und einen Preis gibt es natürlich aber für alle – und was sollte das anderes sein als ein Buch? Jenna wird ihre Region im März beim Bezirksentscheid in Oldenburg vertreten – und kommt dann vielleicht über den Landesentscheid bis ins Bundesfinale. Wir drücken ihr die Daumen.



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