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Keine Angst vor Poesie!

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Genau genommen zieren unseren Titel diesmal drei Dichter. Wobei Arne Rautenberg für sich in Anspruch nehmen darf, sich von Berufs wegen einen Poeten zu nennen. Bei einer Lesung in der Kreisbibliothek im Rahmen der 35. Kinder- und Jugendbuchwochen brachte er Lorin und Nick (Mitte) seine Kunst so nahe, dass den Hutzfelder Schülern selbst ein Gedicht gelang.

Genau genommen zieren unseren Titel diesmal drei Dichter. Wobei Arne Rautenberg für sich in Anspruch nehmen darf, sich von Berufs wegen einen Poeten zu nennen. Bei einer Lesung in der Kreisbibliothek im Rahmen der 35. Kinder- und Jugendbuchwochen brachte er Lorin und Nick (Mitte) seine Kunst so nahe, dass den Hutzfelder Schülern selbst ein Gedicht gelang.

Eutin (aj). Lässig ist er und er trifft schnell den richtigen Ton im Gespräch Dichter-Jugendliche: Keine Frage, der Kieler Arne Rautenberg war die passende Besetzung für die Veranstaltung in der Eutiner Kreisbibliothek, bei der es darum gehen sollte, zusammenzubringen, was zusammengehört, aber viel zu selten zusammenfindet: Dichtung und junge Menschen. „Es gibt häufig eine Angst vor Gedichten. Meine Erfahrung aber ist: ich renne offene Türen ein“, erzählte der Künstler zuvor im Gespräch. Auch die Fünft- und Sechstklässler*innen lassen sich von ihm mitnehmen in den Alltag eines modernen Dichters, in dem um 6.30 Uhr der Wecker klingelt, Kinder und Haushalt ihre Rechte fordern und sich Termine und Pflichten aneinanderreihen. Aber nachts, meistens erst gegen Mitternacht, ist Ruhe – um Rautenberg herum und in seinem Kopf. Und dann kommen die Gedichte, die er den Lauschenden vorliest: Sie lassen „Mützenfalschrumtage“ lebendig werden und „Geisterschnecken“ umherkriechen und beim „Abbeldibabbeldibu“ spricht das Publikum am Ende mit. Der Rhythmus, das ist zu sehen, erfasst alle. Von aufmerksam bis aufgekratzt ist alles dabei – nur langweilig ist niemandem. Das ist Rautenberg wichtig, denn er will mit seinen Gedichten, mit seinem gekonnten Sprachspiel zum Nachdenken verführen: „Denn wenn man beginnt, über alle möglichen Phänomene nachzudenken, eröffnet einem das die Chance, intensiver zu leben“, davon ist er überzeugt. Es brauche, so sagt er, wendiges Denken, um die Probleme, die zweifellos auf uns zukommen, anders angehen zu können. Bei einem typischen Dichterproblem, der Suche nach dem passenden Reim, gibt es ganz konkrete Hilfe, das verrät er den Zuhörenden: „Wenn ihr Rapperin oder Rapper werden wollt, braucht ihr ein Reimlexikon“, stellt er fest. Und dann entsteht aus einer Reimspielerei ein neues Gedicht. Und es ist nicht von Arne Rautenberg, sondern von Lorin und Nick: „Ich bin ein goldner Affe//ich trinke gerne Kaffe//und krieg ich keinen Kaffe// dann zieh ich meine Waffe!“ Der Profi-Dichter ist begeistert: „Cool! Schreibt noch elf andere Gedichte, dann macht ihr einen Kalender und habt ein super Weihnachtsgeschenk!“, rät er. Er selbst hat gerade den Band „Rotkäppchen fliegt Rakete“ herausgebracht. Stoff und Inspiration für seine Werke findet er überall und er damit keinen guten Gedanken vergisst, hat er immer einen Spiralblock dabei, gerade so groß, dass er in die Jacketttasche passt, wie er den Kindern und Jugendlichen zeigt. Darin hält er fest, was er sieht und hört und was ihm einfällt – mit Füller und brauner Tinte, „weil ich das cool finde“. Auch seine Zuhörerschaft ist mit allen Sinnen dabei und nimmt etwas mit: „Es muss cool sein, ein Dichter oder eine Dichterin zu sein“, sagt Hannah, nachdem sie sich ein Autogramm geholt hat. Warum? „Weil man da frei denken kann!“, lautet ihre Antwort. Den Dichter aus Kiel freut das, denn er weiß jetzt: Er und seine Gedichte sind angekommen und verstanden worden. Und damit ist auch ganz nebenbei die Zielsetzung der 35. Kinder- und Jugendbuchwochen, jungen Menschen Literatur nahezubringen, erreicht.



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