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„Man merkt, worum es wirklich geht im Leben“

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Jana Sach mit ihrem Chef Christian Kühl-Reinhardt – die junge Zarnekauerin macht ihr FSJ in der Tagesstätte der Brücke Ostholstein und arbeitet mit psychisch erkrankten Menschen.

Jana Sach mit ihrem Chef Christian Kühl-Reinhardt – die junge Zarnekauerin macht ihr FSJ in der Tagesstätte der Brücke Ostholstein und arbeitet mit psychisch erkrankten Menschen.

Eutin (ed). Wie soll man nach 10 oder 12 Jahren Schule plötzlich wissen, was man werden will, wenn man groß ist? Eine Möglichkeit, das herauszufinden, ein bisschen ins Berufsleben reinzuschnuppern, sich auszuprobieren, ist das Freiwillige Soziale Jahr. Jana Sach aus Zarnekau ist 20, hat ihre Fachhochschulreife im Zweig „Kaufmännischer Assistent“ an der Beruflichen Schule gemacht und dann beschlossen, sich in dem Bereich umzuschauen, der sie eigentlich viel mehr interessiert: Die Arbeit mit und für Menschen. Also hat sie sich in Sachen FSJ schlau gemacht und bei der Brücke Ostholstein beworben. „Ich habe mir verschiedene Möglichkeiten angeschaut und mich für eine sehr persönliche entschieden“, erzählt sie, „ich hatte noch so gar keine Vorstellung und wollte gern einen kleineren Rahmen.“ Den hat sie in der Tagesstätte der Brücke gefunden. Diese Einrichtung bietet psychisch erkrankten Menschen in vertrauensvollem Rahmen die Möglichkeit, sich wieder an eine geregelte Tagesstruktur zu gewöhnen. Dazu gibt es verschiedene pädagogische Angebote und immer ein offenes Ohr in Gruppen oder auch Einzelgesprächen, eine warme Mahlzeit und Gemeinschaft für die, die das zuhause vermissen.
Für die Tagesstätte der Brücke sei Jana ein echter Glücksfall, freut sich ihr Chef Christian Kühl-Reinhardt. „Jana ist ein offener, freundlicher Mensch, sehr selbständig, hilfsbereit und engagiert, es macht großen Spaß, mit ihr zu arbeiten – und unsere Besucher sehen das genauso.“ Man müsse eigentlich keine großen Fähigkeiten oder Talente mitbringen, viel wichtiger seien Wertschätzung für die Menschen, Einfühlsamkeit, individuell auf jeden zuzugehen, sie nicht als „psychisch krank“ abzustempeln sondern ihnen dabei zur Seite zu stehen, wieder in einen normalen Tagesablauf zurückzufinden, ihr Leben wieder zu strukturieren, sie zu motivieren, das zu schaffen.
„Ich bin ein bisschen Mädchen für alles“, lacht Jana – sie springt ein, wo Not am Mann ist, leitet aber auch zwei Bewegungsgruppen an – mit der einen geht sie spazieren, mit der anderen macht sie Gehornjogging. Sie kocht zusammen mit den Besuchern und kauft vorher mit ihnen dafür ein. „Vor her habe ich gar nicht gern gekocht“, lacht sie, „hier habe ich festgestellt, dass ich das total gerne mache und auch gut kann, sogar für zehn Personen.“
Für Jana Sach gehört ihre Arbeit in der Tagesstätte längst zum Leben – „die Perspektive verändert sich schnell“, sagt sie, „und jetzt ist es genau richtig, hier zu sein, es gehört dazu.“ Zu Anfang sei sie natürlich noch vorsichtig gewesen, habe nicht gewusst, wie sie auf die Menschen mit psychischen Erkrankungen zugehen soll – „ich war noch ein bisschen schüchterner“, lacht sie, „hab erstmal geguckt, wie hier alles läuft. Ich dachte, man muss ganz besonders mit den Menschen hier umgehen, aber ich habe schnell gemerkt, dass man das gar nicht muss.“ Christian Kühl-Reinhardt lobt Janas bedachtes Vorgehen – „es ist gut, erstmal die Abläufe kennenzulernen, das hat Jana gut gemacht.“ Mittlerweile gehört sie nicht nur zum Team, auch die Besucher der Tagesstätte schätzen Janas offene, freundliche Art, erzählen ihr ihre Lebensgeschichte und freuen sich über die junge Frau, die ihnen gern ihre Zeit widmet, mit ihnen kocht und ein offenes Ohr für sie hat. Jana ist sicher, gut was mitzunehmen fürs Leben – „man trifft so viele verschiedene Biographien hier, wird dafür sensibilisiert, was einem alles passieren kann“, erzählt sie, „und darauf kann ich irgendwann zurückgreifen.“
Das FSJ ist ein erster Schritt ins Berufsleben – in diesem Jahr kann man nicht nur ausprobieren, was man vielleicht werden will. „Man kommt von der Schule und weiß eigentlich noch gar nichts“, schmunzelt Jana Sach, „hier lernt man, selbständig zu werden, verdient schon Geld, dazu kommt es auch gut im Lebenslauf. Aber vor allem wird man erwachsener, man merkt, worum es wirklich geht im Leben.“
Begleitet wird das FSJ von Einführungs-, Zischen- und Endseminaren des Paritätischen Wohlfahrtsverbands als Träger des FSJ – „da kommt man zurück in eine Art Schulatmosphäre“, lacht Jana Sach, „das macht großen Spaß – man trifft immer die gleichen Leute und tauscht sich aus, da entstehen schonmal richtige Freundschaften.“
Für die Zeit nach ihrem FSJ hat Jana sich schon für Ausbildungsstellen beworben – zwar wieder im kaufmännischen Bereich, aber der, in dem sie mit Menschen zu tun hat. Eigentlich habe sie gern Soziale Arbeit studieren wollen, sagt sie, aber mit einer Ausbildung sei sie schneller unabhängig, und das Studium laufe ihr erstmal nicht weg. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das noch irgendwann mache, einfach weil es mir liegt und ich gern in diesem Bereich arbeite.“
Wer sich für ein FSJ bei der Brücke Ostholstein interessiert, findet alle Informationen unter www.bruecke-oh.de/home/soziales-engagement/fsj.


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