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„Musik kommt vom Herzen!“

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Julian (12), Anna (12), Anne (12) und Katinka (12) gehen zusammen in die siebte Klasse an der Schule an den Auewiesen. Die vier waren sich nach dem Unterricht einig: „Das hat total Spaß gemacht! Besonders toll war, dass Morphius so schnell trommeln kann!“

Julian (12), Anna (12), Anne (12) und Katinka (12) gehen zusammen in die siebte Klasse an der Schule an den Auewiesen. Die vier waren sich nach dem Unterricht einig: „Das hat total Spaß gemacht! Besonders toll war, dass Morphius so schnell trommeln kann!“

Malente (sh). „Kasapa Sa, Koliko Sa, Sa, Sa!“, hallt es durch die Aula der Schule an den Auewiesen in Malente. Begleitet wird der afrikanische Gesang von rund 35 Trommeln. Die Schüler der siebten Klasse kommen gerade in den Genuss, mit Morphius Eurapson-Quaye (70) aus Winneba in Ghana zu musizieren. „Kasapa Sa, Koliko Sa, Sa, Sa!“
Der ehemalige Musikprofessor reist seit 2004 einmal im Jahr nach Deutschland, um rund 20 Schulen zu besuchen. Dort bietet er seinen Musikunterricht an – und ermöglicht damit den Kindern, eine Schulstunde lang in seine afrikanische Welt einzutauchen. Es wird gesungen und mit den flachen Händen getrommelt. Nach einfachen und einprägsamen Rhythmen.
„Kasapa Sa, Koliko Sa, Sa, Sa!“ Frei übersetzt bedeutet das Lied: „Die Wahrheit ist verloren gegangen. Wie finden wir sie wieder?“ Die Mädchen und Jungen wiederholen die afrikanischen Worte immer wieder und bedienen dazu ihr Schlaginstrument. Man sieht ihnen den Spaß an der exotischen Musik an. Nur ab und zu versucht ein Schüler aus der Reihe zu tanzen – aber das scheint Morphius Eurapson-Quaye kaum zu stören. Mit bewundernswerter Geduld und Hingabe zeigt er den Schülern, wie sie sitzen sollen, nämlich aufrecht, wie sie die Instrumente halten und trommeln sollen. Dazu ertönt immer wieder: „Kasapa Sa, Koliko Sa, Sa, Sa!“ Er macht es immer wieder vor, bis alle Kinder dabei sind.
Erst musizieren sie in der Gruppe, dann pickt der Afrikaner einzelne Schüler aus der Menge und lässt sie das kleine Musikstück allein vortragen. Nicht allen gelingt es auf Anhieb – aber das macht nichts. Darum scheint es nicht zu gehen. Morphius Eurapson-Quaye wiederholt das Lied immer wieder. Der Spaß, gemeinsam zu musizieren, und zusammen etwas zu schaffen, steht im Vordergrund.
Ursprünglich arbeitete Morphius Eurapson-Quaye als Musikprofessor an der Universität in Winneba – dort traf er immer wieder auf Austausch-Schüler, unter anderem aus Deutschland und der Schweiz. Man tauschte sich aus und so kam es, dass Morphius Eurapson-Quaye1997 in Hamburg seinen ersten Musik-Workshop gab. Dort nahm eine Lehrerin teil, die später Kontakt nach Malente herstellte. An der Schule an den Auewiesen war der Musikprofessor bereits zum sechsten Mal. Und bei jedem Besuch hat er ein neues Lied im Gepäck.
„Musik kommt vom Herzen“, motiviert Morphius Eurapson-Quaye die siebte Klasse in englischer Sprache. Er klatscht, schnipst, stampft und singt: „I’m moving, I’m shaking!“ Und alle folgen ihm. Dann wieder: „Kasapa Sa, Koliko Sa, Sa, Sa!“
Als der Musikprofessor mit seinen Schützlingen zufrieden ist, unterteilt er sie in acht Gruppen und lässt sie gegeneinander antreten. Wer singt und trommelt am besten? Die Schüler strengen sich zusehend an. Ein kleiner Wettbewerb entsteht. Doch auch dabei bleibt der Spaß an der Musik im Vordergrund. Die Jungen trommeln lauter, die Mädchen meist zarter – und alle sind vergnügt bei der Sache.
Zwei Euro pro Schüler kostet der erlebnisreiche Unterricht. Morphius Eurapson-Quaye unterrichtet fünf Stunden am Stück und so kommen an dem Vormittag in Malente rund 500 Euro zusammen. Der Afrikaner nutzt die Summe aber nicht etwas für sich – sondern für sein Bildungsprojekt „Center for Talent Expression“ in seiner Heimatstadt Winneba. Dieser gemeinnützige, nicht-staatliche Verein unterstützt Kinder, die von der Straße oder aus armen Verhältnissen kommen. Sie erhalten dort eine schulische Ausbildung und lernen zum Beispiel auch, sich selbst Kleidung zu nähen oder zu kochen. Auch bedürftige Erwachsene werden unterstützt, indem sie zum Beispiel Handfertigkeiten für verschiedene Berufe erlernen können. Unter dem Motto: „Gib Hoffnungslosen wieder Hoffnung“ kämpft der Verein für die, die sich selbst nicht helfen können. Mehr Infos zu diesem sinnvollen Projekt finden Sie unter www.ctewinneba.blogspot.com



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