Reporter Eutin

„Wacht auf und seht die Schönheit!“

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Die Bienen waren fleißig in diesem Jahr: Astrid Kahl freut sich aber nicht nur über eine reiche Pfirsichernte, ihr liegen Wohlergehen und Fortbestand der emsigen Insekten so wie alles Leben am Herzen. Dafür setzt sich die Eutinerin auch beim Bürgermeister ein.

Die Bienen waren fleißig in diesem Jahr: Astrid Kahl freut sich aber nicht nur über eine reiche Pfirsichernte, ihr liegen Wohlergehen und Fortbestand der emsigen Insekten so wie alles Leben am Herzen. Dafür setzt sich die Eutinerin auch beim Bürgermeister ein.

Eutin (aj). Das pralle Leben - diese Worte beschreiben recht genau, was Besucher in Astrid Kahls Garten erwartet: es summt und zwitschert, leuchtet und duftet. Ein „geordnetes Durcheinander“, so nennt es die Gärtnerin selbst, seit einmal jemand beim Tag des Offenen Gartens diese als Kompliment gemeinte und verstandene Beschreibung benutzt hat: „Das trifft es gut, denn hier hat alles seine Berechtigung“, erklärt Kahl. Was sie meint, sieht, wer zwischen den Beeten herumstreifen darf: edle Gartenorchideen und 90 Rosen in vielen Sorten, alles gepflegt mit sicherer Hand, dazu Kräutervielfalt, Dost, Fingerhüte und zwei vor Früchten strotzenden Pfirsichbäume sind nur ein kleiner Teil der Vielfalt.
 
Das Konzept dieses Refugiums erklärt sich selbst: Hier sollen sich alle wohlfühlen, Bienen und alle anderen Insekten eingeschlossen. Das wünscht sich Astrid Kahl auch für die Welt außerhalb ihrer Oase. Und dafür ist sie aktiv, sammelt Müll ein, benachrichtigt nach Wildunfällen die Polizei und geht zum Bürgermeister, weil sie einen konkreten Vorschlag hat, wie man mehr für den Umweltschutz tun kann: „Auf der Wiese am Ortsausgang beim Neubaugebiet, dort wo der Findling steht, könnte man gut eine Ausgleichsfläche für Insekten schaffen“, diese Idee kam ihr bei einem Hundespaziergang und sie ließ sich einem Termin im Rathaus geben. Am 19. Juli hat sie Carsten Behnk ihr Anliegen vorgetragen. Den Einwand, die Wiese gehöre dem Land, lässt sie nur bedingt gelten: „Machen Sie sich doch mal stark dafür!“, das hat sie dem Verwaltungschef ans Herz gelegt: „Man könnte Saatenmischungen mit insektenfreundlichen Pflanzen ausbringen, sicher haben auch Kindergärten Lust, dabei zu helfen“, meint sie. Ob ihr Besuch im Bürgermeisterbüro den erhofften Effekt haben wird, bleibt abzuwarten: „Noch habe ich nichts gehört, aber es kann sehr gut sein, dass ich noch einmal nachfrage, was daraus geworden ist“, kündigt Astrid Kahl an. Die 60jährige hätte ihre Leidenschaft gern zum Beruf gemacht, aber die Eltern rieten zum Bürojob.
 
Gärtnerin ist sie trotzdem geworden. Seit mehr als 20 Jahren pflegt und hegt sie das Grün an ihrem Haus. Der stattliche Esskastanienbaum, unter dem man behaglich sitzt, ist Beweis für ihren grünen Daumen, gewachsen aus einer Marone aus dem Supermarkt. Wenn sie irgendwo eine interessante Pflanze entdeckt, kann es passieren, dass sie an der Tür klingelt und nach einem Ableger fragt. Die Samen ihrer Skabiosen-Flockenblume hat sie an der B76 gesammelt und alles, was sich selbst aussät, darf bei ihr wachsen: „Ich werfe auch keine Pflanzen weg, wenn ich zu viel habe, potte ich sie ein und stelle sie an die Straße, damit andere sie mitnehmen“, erzählt die zweifache Mutter. Wenn jeder nur eine kleine Topfpflanze aufstellen würde, wäre den Insekten schon viel geholfen, sagt sie. Noch finden Hummeln und co. bei ihr reichlich Futter und die Bienen der Nachbarschaft kennen den Weg ohnehin genau. Wenn mit dem Winter die Zeit der Ruhe kommt, fehlt Astrid Kahl etwas. Aber im Frühjahr, wenn die Winterlinge in Massen blühen, kehrt das Leben zurück: „Dann hocke ich einfach da und lausche und freue mich nach der langen stillen Zeit.“



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