reporter Neustadt

Hilfsaktion der Neustädter Schulen

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Zufrieden nach getaner Arbeit entstand das Foto mit Gheorghe Dunka (Direktor Caritas Rumänien) und Mihai Grigor (Kontaktperson vor Ort) (v. lks.).

Zufrieden nach getaner Arbeit entstand das Foto mit Gheorghe Dunka (Direktor Caritas Rumänien) und Mihai Grigor (Kontaktperson vor Ort) (v. lks.).

Ein Erfahrungsbericht von Lucian Hohan aus Rumänien


Neustadt in Holstein. Neben vielen Sachspenden, insbesondere von vielen Apotheken und lokalen Arztpraxen aber auch Privatpersonen konnten insgesamt 3.500 Euro gesammelt werden, die nun an die Caritas International weitergegeben wurden, die direkt an der ukrainisch-rumänischen Grenze helfend aktiv sind. Großer Dank an alle Unterstützer der Neustädter Schulhilfsaktion. Lucian Hohan hatte direkten Kontakt zur Caritas und hat zudem eine Flüchtlingsunterbringung besucht. Nachfolgend berichtet er von seinen Erfahrungen, die auch alle Unterstützer, wie die Neustädter Schülerinnen und Schüler interessieren dürfte:
 
Am ersten Tag sind also die ersten 1.050 Kilometer gut gelaufen. Die erste - nette - Unterbrechung war, als nach 300 Kilometer durch die Bundespolizei der Wagen gewogen wurde. Die zwei Stop-and-go, die ich hatte, haben die Fahrtdauer auch etwas verlängert. Eine Kontrolle durch den ungarischen Beamten hat auch noch etwas Zeit in Anspruch genommen.
Der ECO Knopf des Autos (den ich fast die ganze Strecke an hatte) begrenzte die Höchstgeschwindigkeit auf 110 Stundenkilometer. Das hat einen Riesenunterschied gemacht: Es war besonders sparsam mit dem Spritverbrauch und dadurch relativ umweltfreundlich.
Alles in allem war ich die letzten zwei Stunden des Tages (ziemlich genau zwischen 22 und 0 Uhr, als ich endlich sofort eingeschlafen bin) ganz schön müde. Am nächsten Tag habe ich gegen 9 Uhr gefrühstückt. Danach habe ich die Verkehrslage auf der Strecke, die ich noch zu fahren hatte, überprüft und bin zwischen 10.30 und 11 Uhr los gefahren.
 
Die Strecke ging durch Budapest. Der Verkehr war in Budapest ziemlich dicht, aber Budapest ist eine wirklich tolle Stadt. Besonders beeindruckend waren die Gebäude entlang der Donau, als ich über eine riesige Brücke fuhr.
An der rumänischen Grenze war die Wartezeit ungefähr 30 Minuten, aber die Beamten haben sich nur die Papiere angeschaut, kurz das Auto, und meinten zu mir „Ah, wir sehen schon ... Sie fahren Hilfsgüter für die Ukraine. Sie können durch!“ „So soll es sein, habe ich mir nur gedacht ... Gott sei Dank“.
Die letzten 150 Kilometer bis zu der Stadt Sighetu Marmatiei (die Stadt an Grenze zur Ukraine) gab es keine Autobahn, sondern teilweise eine bergige Strecke mit schönem Schnee am Straßenrand und mit Serpentinen. Endlich am Ziel angekommen bin ich dann (auch durch die Zeitverschiebung) gegen 21 Uhr.
 
Anfangs wurden die Sachspenden zum Keller des von Nonnen geführten Klosters gebracht. In einem zum Kloster gehörigen Tageszentrum sind teils über 90 geflüchtete Menschen gleichzeitig aufgenommen worden. Durch die vielen Sachspenden und die hohe Zahl der geflüchteten Menschen, die selbst auch Gepäck bei sich haben, wurden die Kellerräume relativ schnell voll.
Deswegen war unser Treffpunkt die neue „Annahmestelle“: eine gut sortierte Halle für die erstmalige Lagerung der Spenden. Da warteten ein paar fleißige Helfer, unter anderem Gheorghe Dunka (Direktor Caritas Rumänien) und Mihai Grigor (direkte Kontaktperson vor Ort), die uns per E-Mail unter anderem darüber informiert hatte, welche Spenden besonders hilfreich wären.
Die Halle war wie gesagt sehr gut sortiert. Da ich bei der Einpack-Aktion in der Schule nicht dabei sein konnte, war ich nun erstaunt, wie toll tatsächlich unser Bus gepackt wurde!! Wir haben zu sechst eine gute halbe Stunde schnelle Arbeit gebraucht, um alles abzuladen und in die dazugehörige „Ecke“ einzusortieren. Am Ende hat man sich noch mal kurz unterhalten, mir wurde auch noch mal gezeigt, wo man gut und günstig tanken kann, und ich wurde bei Mihai Grigors Familie zum Essen und Übernachten eingeladen.
 
Am nächsten Tag war ich auch noch mal beim Tageszentrum des Kloster, in dem viele geflüchtete Menschen untergekommen sind. Am nächsten Tag habe ich das zum Kloster gehörige „Tageszentrum Emanuel“ besucht, wo eigentlich sofort nach Kriegsbeginn Hilfsaktionen gestartet wurden.
Das Zentrum hatte ursprünglich (vor dem Krieg - also nicht so lange her) den Zweck, Schulabbrüche von benachteiligten Kindern zu verhindern und durch unterschiedliche Nachmittagsangebote ein gutes soziales Miteinander der Kinder zu ermöglichen. Die Kinder bekamen auch ein warmes Essen, Unterstützung bei den Hausaufgaben, Chor-, Tanz- oder Theaterworkshops, Werkangebote und andere Freizeitaktivitäten. Außerdem wurde Kindern aus ärmeren Familien mit Essen oder Kleidung geholfen. Das Zentrum, das von sechs Nonnen organisiert und begleitet wird, unterstützte 65 Kinder mit den oben genannten Aktivitäten.
 
Dann brach leider der Krieg in der Ukraine aus. Eine Umstrukturierung fand statt. Die Nonnen stellten ihre Räumlichkeiten und ihr Engagement zur Unterstützung der Flüchtlinge aus der Ukraine zur Verfügung: Unterkunft, warmes Essen, Beratung ... Es ist ein Kommen und Gehen, manche Menschen haben Schwierigkeiten weiter zu kommen, andere sind nach einem sehr kurzen Aufenthalt weiter auf der Flucht. Die Zahl der geflüchteten Menschen, die sich in den Räumlichkeiten aufhalten und mit Essen, Wasser, Heizung et cetera versorgt werden müssen, schwankt zwischen etwa 60 und 90. Es sind hauptsächlich Mütter mit Kindern, ältere Menschen oder schwangere Frauen, für die die staatlich zur Verfügung gestellten Unterkünfte (zum Beispiel Zelte) einfach zu kalt sind oder für ihre besonderen Bedürfnisse schwierig oder unzureichend sind.
 
Die Nonnen werden nach Möglichkeit durch die Caritas unterstützt: So werden die Nonnen mit Essenskosten für eine Mahlzeit für die Flüchtlinge von Montag bis Freitag von der Caritas unterstützt, das warme Essen am Wochenende organisieren und finanzieren die Nonnen selbst. Sie freuen sich sehr, dass die Menschen zurzeit freiwillige Unterstützungsbereitschaft zeigen, und hoffen, dass das so bleiben wird. Trotzdem ist dies alles eine große Belastung.
Als ich fragte, ob man auch staatliche Hilfen vom rumänischen Staat bekommt, wurde mir erzählt, dass die bürokratischen Hürden so arbeitsintensiv sind, dass sich die langwierige intensive Papierarbeit, die dafür notwendig wäre, im Vergleich mit dem, was man bekommen würde, kaum lohnt.
Deswegen noch einmal von ihnen einen herzlichen Dank an alle, die vertrauensvoll und unkompliziert helfen beziehungsweise geholfen haben! Viele Grüße aus Rumänien.


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