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Kristina Kolbe

„Nein, Schleswig-Holstein hat die Rechtschreibung nicht abgeschafft"

Der bislang geltende Fehlerquotient ist eine Zählweise, bei der das Verhältnis von geschriebenen Wörtern zu Fehlern errechnet wird. Stattdessen wird es künftig einen Analysebogen geben, durch den Schülerinnen und Schüler eine „qualitative Rückmeldung erhalten über Fehlerschwerpunkte und über die Systematik ihrer Fehler“.

Der bislang geltende Fehlerquotient ist eine Zählweise, bei der das Verhältnis von geschriebenen Wörtern zu Fehlern errechnet wird. Stattdessen wird es künftig einen Analysebogen geben, durch den Schülerinnen und Schüler eine „qualitative Rückmeldung erhalten über Fehlerschwerpunkte und über die Systematik ihrer Fehler“.

Bild: Hfr

Schleswig-Holstein. Ein für Desinformation bekannter Youtuber behauptet, in Schleswig-Holstein sei die Rechtschreibung abgeschafft worden. Das stimmt nicht. Das gemeinnützige Medienunternehmen Correktiv und der Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen (BVDA) sind der Sache auf den Grund gegangen:

Der Youtuber berichtete von einer „katastrophalen Meldung“: Das erste Bundesland schaffe jetzt offiziell die Rechtschreibung ab, behauptete er. Jedes Kind dürfe nun so schreiben, wie es will, Fehler würden nicht gezählt.

In Wahrheit ist es so: Die Rechtschreibung wurde nicht abgeschafft, sondern die Art, wie Rechtschreibfehler bewertet werden, soll geändert werden. Das Bundesland ist mit diesem Schritt laut Medienberichten nicht das erste, sondern das vorletzte in Deutschland.

All das müsste der Youtuber eigentlich wissen, denn er zeigt selbst die Artikel, in denen das steht. Etwa einen Bild-Bericht, den er im Video auszugsweise einblendet. Er zitiert daraus: „Lehrer sollen keine Fehler mehr zählen. Ist es nicht mehr so wichtig, ob unsere Kinder und Jugendlichen korrekt schreiben können?“ Was er nicht zeigt: Im nächsten Absatz des Artikels steht, dass stattdessen ein Analysebogen eingesetzt werden solle, durch den Schülerinnen und Schüler eine „qualitative Rückmeldung erhalten über Fehlerschwerpunkte und über die Systematik ihrer Fehler“. Im Anschluss wird Schleswig-Holsteins Schulministerin Karin Prien (CDU) mit folgender Aussage zitiert: „Unabhängig davon bleibt die Bewertung der Rechtschreibung und Zeichensetzung weiterhin wichtiger Bestandteil der Note.“

Der bislang geltende Fehlerquotient ist eine Zählweise, bei der das Verhältnis von geschriebenen Wörtern zu Fehlern errechnet wird. Auf Nachfrage von CORRECTIV.Faktencheck erklärt David Ermes, Sprecher im Bildungsministerium Schleswig-Holstein, Details: Diese Zählweise werde aktuell bei Deutsch-Texten in allen weiterführenden Schulen in den letzten beiden Jahren vor den Abschlussprüfungen beziehungsweise in der Sekundarstufe II angewandt. In der gymnasialen Oberstufe und bei den Abiturprüfungen würden auch Texte in anderen Fächern so bewertet.

„Kurz nach dieser katastrophalen Meldung“, sagt der Youtuber, hätten sogar noch die anderen Bundesländer nachgezogen. Er zeigt dazu die Überschrift eines Welt-Artikels vom 10. April. Nicht zu sehen ist der Absatz des Artikels, in dem steht, dass Schleswig-Holstein neben Hessen aktuell das einzige Bundesland sei, das noch einen Fehlerquotienten zur Bewertung der Rechtschreibkompetenz verwende.

Schleswig-Holstein war also laut Medienberichten nicht das erste Land, das diesen Schritt machte, sondern das vorletzte. In Sachsen etwa gab es diese Änderung laut Bild schon vor Jahren. In Brandenburg wurde der Fehlerquotient laut der Märkischen Allgemeinen schon 2012 abgeschafft. Der Hintergrund für die Änderung in Schleswig-Holstein ist laut dem dortigen Bildungsministerium eine angestrebte Vereinheitlichung der Prüfungsbedingungen. Aktuell sind die Abiturbedingungen in den Bundesländern teils noch unterschiedlich.

Der Youtuber reagierte nicht auf eine Anfrage von Correktiv.Faktencheck. (red)


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