Marco Gruemmer

Neue Erkenntnisse über das Cap-Arcona-Ehrenmal

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Grömitz. Die Erinnerungen sind auch heute noch mit Bestürzung, Wut und großer Trauer verbunden. Über 7.000 Menschen, vor allem KZ-Häftlinge und Juden, starben, als am 3. Mai 1945 britische Aufklärungsflugzeuge in der Neustädter Bucht Salven auf den Luxusdampfer „Cap Arcona“ und das Begleitschiff „Thielbek“ abfeuerten und damit das Kentern der Schiffe verursachten. Es handelt sich um ein besonders grauenvolles Kapitel der deutschen Geschichte.
 
Mindestens 98 Opfer des Untergangs der „Cap Arcona“, die im Verlauf mehrerer Monate am Grömitzer Strand angespült wurden, sind auf dem Kirchfriedhof bestattet worden. Kirchengemeinde und die Gemeinde Grömitz gehen seit jeher sehr sensibel mit dem Thema um. Das Ehrenmal wird seit Jahrzehnten von der Kommune betreut und gepflegt. Jährlich finden bei Gottesdiensten und insbesondere am Volkstrauertag sowie am 3. Mai gemeinsame Gedenken und Innehalten mit Kranzniederlegungen statt. Neue Erkenntnisse historischen Hintergrunds könnten nun allerdings zu einer gestalterischen Aufwertung oder Umgestaltung des Ehrenmals führen.
 
Den Stein des Anstoßes gab eine Dame aus Grömitz, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Sie prangert zwei Dinge an. Zum einen geht es um die fehlerhafte Inschrift der Gedenktafel. „Und das völlig zu recht“, wie Pastor Holger Lorenzen betonte. „Auf der Tafel befinden sich historische Fehler. Die müssen korrigiert werden“, erklärte auch Bürgervorsteher Heinz Bäker. Ferner stellte die Dame die Größe des Ehrenmals in Frage: Denn um mindestens 98 Menschen zu bestatten, werde eine größere Fläche benötigt, so ihre These. So entstand die Frage, wo im Umkreis des Ehrenmals eventuell weitere Bestattungen von Cap-Arcona-Opfern stattgefunden haben könnten. Womöglich sogar hinter dem Ehrenmal außerhalb der Friedhofsgrenzen? Diese Vermutung beunruhigte die Kirchengemeinde, weil hinter dem Ehrenmal im Jahr 2009 mit dem Nicolaiblick ein neues Gemeindehaus gebaut worden war. Aus diesem Grund hat sich Pastor Holger Lorenzen intensiv mit den Fragen auseinandergesetzt. Es erfolgte eine genaue Untersuchung des Geländes und Neuvermessung mittels einfacher Messmethoden. Darüber hinaus erfolgte eine akribische Suche im Kirchenarchiv und die Sichtung von Fotos und Akten. Zeitzeugen wurden befragt und der Rat des Cap-Arcona-Experten Wilhelm Lange aus Neustadt eingeholt. Insbesondere die Archivfunde führten zusammen mit den anderen Informationen zu einer neuen Vermutung über die Entstehungsgeschichte und das tatsächliche Areal, innerhalb dessen die Opfer seinerzeit bestattet wurden.
 
„Falls es hinter dem Steinwall eine Erweiterungsfläche des Ehrengrabes Richtung jetzigem Nicolaiblick gegeben hätte, wäre dies bei den Bauarbeiten ans Licht gekommen. Eine Erweiterung an dieser Stelle kann daher definitiv ausgeschlossen werden“, erklärte Pastor Holger Lorenzen. Allerdings konnte ermittelt werden, dass das Cap-Arcona-Ehrenmal beziehungsweise dessen Bestattungsfläche größer gewesen sein muss als das heutig sichtbare Areal.
 
„Es scheint plausibel, dass das heutige Cap-Arcona-Ehrenmal nicht das gesamte Grabfeld abbildet. Daher stellt sich die Frage, das Ehrenmal eventuell zu erweitern, umzugestalten oder zumindest den erweiterten Bereich in irgendeiner Form kenntlich zu machen“, so Pastor Lorenzen, der ergänzte, dass die Würde der verstorbenen Menschen in der Kirchengemeinde als oberstes Gut gelte.
 
Hier nun ist die Politik am Zug. Bürgervorsteher Heinz Bäker bestätigte, dass die Thematik bei der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstag, dem 17. Dezember einen Platz auf der Tagesordnung finden wird. (mg)


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