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Pastor Stefan Kramer geht in den Ruhestand

Pastor Stefan Kramer will noch lange nicht aufs Altenteil. (Foto: KKOH/Heinen).

Pastor Stefan Kramer will noch lange nicht aufs Altenteil. (Foto: KKOH/Heinen).

Neustadt in Holstein. Pastor Stefan Kramer, der Ende Januar in den Ruhestand gegangen ist, will noch lange nicht aufs Altenteil. Der 65-jährige Theologe, der seit 2006 als Psychiatrie-Seelsorger an den Ameos-Einrichtungen in Neustadt tätig war, will zumindest gelegentlich noch aushilfsweise Gottesdienste in Ostholsteiner Kirchengemeinden feiern. Dafür war er auch in der Vergangenheit mit einem Stellenanteil zuständig, und auch diese Vertretungen hat er immer gern übernommen. Vor allem als Seelsorger war Kramer in allen Bereichen gefragt, eine Aufgabe, die für ihn immer etwas Besonderes war. „Das Entscheidende ist, dass man sich über eine lange Zeit kennenlernt und kennt.“ Mit manchen Patienten stehe er seit 17 Jahren im Kontakt. Er habe sympathische, interessante und faszinierende Persönlichkeiten kennengelernt. „Darunter sind sehr viele, sehr spezielle Menschen mit speziellen Begabungen und Denkweisen“, erläutert er. Und er ergänzt: „Ich bin vielen sehr lieben Menschen begegnet.“

 

Ob er auch mal Ängste gehabt habe, etwa beim Kontakt mit psychisch kranken Straftätern, die im Maßregelvollzug untergebracht sind? „Wenn man das hätte, dürfte man den Beruf nicht ausüben“, so Kramer. Nein, er habe „nicht im Entferntesten“ jemals Sorge um seine Sicherheit gehabt. „Für den langen Zeitraum von über 16 Jahren ist Pastor Kramer verlässlicher Ansprechpartner und Seelsorger für Menschen gewesen, die nicht im Fokus der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit stehen. Dieser Treue zu einem Dienst, der oft im Verborgenen geschieht, gebührt mein aufrichtiger Dank - verbunden mit Segenswünschen für den neuen Lebensabschnitt“, so Propst Peter Barz zum Abschied des Pastors.

 

Obwohl zwar in Oberbayern geboren, ist Stefan Kramer eigentlich ein waschechter Norddeutscher, denn die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in Hamburg und Schleswig-Holstein. In Hamburg wuchs er auf und in Großhansdorf ging er zur Schule. Weil er „die falschen Bücher gelesen“ habe, wie er ironisch anmerkt, entschied er sich schon in jungen Jahren, Pastor zu werden. „Ich hatte völlig falsche Vorstellungen von dem Beruf.“ Doch bevor er diesen Weg einschlug, absolvierte er erst einmal seinen Zivildienst bei den früheren Alsterdorfer Anstalten in Hamburg. „Es war eine prägende Zeit in meinem Leben“, resümiert er. Nach dem Studium in Tübingen, Hamburg, Marburg und Kiel machte Stefan Kramer 1987 sein erstes Staatsexamen. Es schloss sich ein Jahr Gemeindepraktikum in Rendsburg und Wien an, bevor er sein Vikariat in Gelting in Angeln absolvierte und sein zweites Staatsexamen ablegte. Nach einer Auszeit von der Kirche, in der er bei einer Versicherung in Stuttgart arbeitete, wollte er dann doch in seinen erlernten Beruf tätig sein und wurde 1992 von der damaligen Bischöfin Maria Jepsen ordiniert.

 

Nach einigen Jahren in einer Hamburger Gemeinde und in Barsbüttel, wurde er auf die ausgeschriebene Stelle im Psychiatrium, den späteren Ameos-Einrichtungen, aufmerksam. Doch erst, als die Stelle ein zweites Mal ausgeschrieben wurde, schickte er seine Bewerbung ab. Der mit ihm nicht verwandte damalige Propst Dr. Otto-Uwe Kramer holte ihn dann nach Neustadt. Besonders interessiert hat sich Pastor Kramer stets für die Geschichte des Krankenhauses, das zur Zeit der Nazis als „Landesheilanstalt“ eine unrühmliche Rolle in Sachen Euthanasie spielte. Regelmäßig lud der Seelsorger zu Vorträgen zum Thema ein und organisierte ab 2016 am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus Feierstunden an den Gedenktafeln auf dem Klinikgelände. Engagiert hat er sich auch als Vorsitzender des „Betreuungsvereins Nah Dran“ (Lensahn). Darüber hinaus ist Kramer Beauftragter für den christlich-jüdischen Dialog des Kirchenkreises. (red)


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