Reporter Eutin
| Allgemein

Segeln ohne Sehkraft

Bilder
Für „Sehende“ kaum vorstellbar: Das Segeln ohne Augenlicht. Vergangene Woche gastierten 15 sehbehinderte, teils erblindete Jugendliche beim Plöner Schüler Ruder- und Segelverein (SRSV). Das Projekt mit dem Ziel, Grundlagen dieses Wassersports zu vermitteln, hat Tradition. Seit rund 15 Jahren besuchen die Schüler des Landesförderzentrums Sehen mit Sitz in Schleswig einmal jährlich den Plöner Verein. Foto: hfr Nentwig

Für „Sehende“ kaum vorstellbar: Das Segeln ohne Augenlicht. Vergangene Woche gastierten 15 sehbehinderte, teils erblindete Jugendliche beim Plöner Schüler Ruder- und Segelverein (SRSV). Das Projekt mit dem Ziel, Grundlagen dieses Wassersports zu vermitteln, hat Tradition. Seit rund 15 Jahren besuchen die Schüler des Landesförderzentrums Sehen mit Sitz in Schleswig einmal jährlich den Plöner Verein. Foto: hfr Nentwig

Plön (los). Für „Sehende“ kaum vorstellbar: Das Segeln ohne Augenlicht. Vergangene Woche gastierten 15 sehbehinderte, teils erblindete Jugendliche beim Plöner Schüler Ruder- und Segelverein (SRSV). Das Projekt mit dem Ziel, Grundlagen dieses Wassersports zu vermitteln, hat Tradition. Seit rund 15 Jahren besuchen die Schüler des Landesförderzentrums Sehen mit Sitz in Schleswig einmal jährlich den Plöner Verein. Dabei sitzen die Jugendlichen mit Handicap keineswegs nur als blinde Passagiere an Bord, sondern fahren als Nachwuchsskipper mit den Kuttern selbstständige Manöver und steuern die Jollen an der Pinne. Seemännische Begriffe wie Backbord und Steuerbord für links und rechts haben die Jugendlichen dank der fachmännischen Begleitung durch gleichaltrige Mitglieder des SRSV schnell „drauf“. Sie wissen, dass Leinen und Seile je nach Verwendung „Fall“, „Schot“, „Stag“ oder „Festmacher“ heißen, kennen „Duchten“ und „Fender “ (Ducht = Sitzbank, Fender = Abstandshalter). Einige der Gastschüler kennen Plön bereits. So berichtet die 20-jährige Alina aus Ahrensburg von ihrem Besuch vor fünf Jahren. „Ich hatte generell Angst vor Schiffen“, erzählt die Abiturientin. „Ich habe mich für den Kursus angemeldet, weil ich mir gesagt habe, du musst da jetzt was dagegen machen.“ Alina ist vollständig erblindet. Ihre Herausforderung: Das Segeln auf der Jolle. „Dabei musste ich auch den Oberkörper über Bord heraushalten, wenn das Boot sich schief legte“, erzählt die angehende Studentin. Ebenso habe sie sich an die Pinne gesetzt und das Boot gesteuert. Die Bewegung nach rechts oder links: Reine Empfindungssache für die sehbehinderten Schüler. Und das geht auf den wendigen Jollen besser als auf dem größeren Segelkutter, hat Alina festgestellt. Sichtlich berührt zeigt sich Tom, 16 Jahre, aus Reinfeld. „Ich finde das Konzept super gelungen“, unterstreicht er. „Ich sehe mitunter ein bisschen“, erzählt der Schüler von seinem Handicap. An der Pinne setzt er Kommandos wie „fall mal ein bisschen ab“ (die Pinne vom Wind wegdrücken) oder „luv mal auf“ (die Pinne an den Wind herandrücken) um. „Wir hatten so viel Praxis, bei der man automatisch die Theorie lernt“, freut sich Tom über das effektive Training. Selbst Böen können die Erblindeten ausgleichen. Wo das Auge nicht mehr hilft, kann der Tastsinn umso mehr leisten. So ist es der Druck auf das Ruder und die feine Wahrnehmung, wie der Bootsrumpf auf Wind und Wellen reagiert, die sie befähigen, Kurs zu halten. Die SRSV Skipper müssen für die gewünschte Richtung präzise Kommandos formulieren – die übliche Ortsmarke nützt dabei wenig. Gleichzeitig erleben sie die Faszination der Bewegung durch Wind und Wasser und die Nähe zur Natur, wenn sich das Boot rauschend auf die Seite legt und schnurgerade über den Großen Plöner See gleitet. Für die Kielerin Leonie, 14 Jahre, eine spannende Erfahrung. Sich über Bord „raushängen zu lassen“ und „mit Schmackes“ über den See zu fahren, findet sie einfach „cool“. „Beim nächsten Kursus will ich wieder dabei sein“, plant sie. Und der siebzehnjährige Lennard aus Rendsburg erzählt: „Für mich war der Fachjargon anfangs abstrakt.“ Doch was „jeder Windstoß“ mit dem Boot macht, konnte er unmittelbar erleben, zunächst auf dem Kutter, dann auf der Jolle. „Ich habe gelenkt, Segel gehisst, die Fock gedreht“, erzählt er. Und dabei langsam ein Gefühl für das Segeln entwickelt. „Es war schon aufregend, wenn das Boot in Schieflage kam.“ Lennard kann lediglich leichte schemenhafte Bewegungen, hell und dunkel erkennen. Umso wichtiger ist das Zusammenspiel im Team mit den sehenden Gastgebern vom SRSV, die alles im Blick behalten müssen. Selbstvertrauen und das automatische Trainieren lebenspraktischer Fähigkeiten sind die gewinnbringenden „Begleiterscheinungen“ dieses besonderen Kurses. Diese zu fördern und zu stärken, sind Zweck, Ziel und Hintergrund des Gemeinschaftsprojekts. Abiturient Hannes Steenkamp zeigt sich fasziniert von der neuen Aufgabe als Segelbetreuer. „Man entwickelt mehr Verständnis für seine Umgebung“, beschreibt er den geschärften Blick für alles, was für Sehende selbstverständlich scheint. Dabei geht es auch darum, die Gäste an allem teilhaben zu lassen. Etwa eine konkrete Vorstellung vom Großen Plöner See. „Ich habe deshalb eine Karte gebastelt“, erklärt er. Herausgekommen ist ein „3-D –Modell“ aus Pappe in der Form des Binnengewässers einschließlich seiner zahlreichen Inseln, von denen die Gäste einige schon im Boot umrundet haben. „Großer Plöner See“ hat der Plöner Gymnasiast in selbst recherchierter Blindenschrift auf einen Kartonstreifen gebracht.



Weitere Nachrichten Plön/Preetz
Das neue Königspaar der Plöner Schützengilde: Christiane und Claus-Henrick Estorff.

Ein neues Königspaar für die Plöner Gilde

21.07.2018
Plön (los). Die Plöner Schützen feiern Christiane und Claus-Henrick Estorff als Königspaar in ihrem neuen Gildejahr 2018/19 und zugleich ihr letztes „Mittwochs-Königspaar“ – künftig rückt das Fest auf Beschluss der Generalversammlung der Mitglieder auf den Freitag...
Priörin Viktoria von Flemming und die Vertreter des Fördervereins Gesellschaft der Freunde des Klosters Preetz Dr. Karlheinz Heuser (rechts, 1. stellvertretender Vorsitzender) und Hans Peter Kochen (zweiter Stellvertreter) freuen sich über einen weiteren Etappensieg auf dem Weg zum Abschluss der Restauration der Bilderbibel in der Preetzer Klosterkirche.

Runderneuerung der Preetzer „Bilderbibel“ wird fortgesetzt

19.07.2018
Preetz (los). Die „Bilderbibel“ auf der Rückwand des alten Nonnengestühls in der Preetzer Klosterkirche ist ein Meisterwerk ihrer Art. Doch an dem Kunstschatz nagt der „Zahn der Zeit“. Um drohendem Verfall entgegenzuwirken, startete 2013 die Restaurierung der...
Jeden Tag ein anderes Team. Aber alle ziehen an einem Strang, wenn es darum geht, den Kunden der „Plöner Tafel“ Leckeres zu präsentieren.

„Wir suchen helfende Hände mit Hirn und Herz“

07.06.2018
Plön (kud). Ute Schumacher und Stefan Thomsen freuen sich. „Diesmal können wir sogar frische Champignons und Blumensträuße anbieten.“ Es ist Mittwoch, 10 Uhr. Um 14.30 Uhr erwarten die beiden und ihr Team viele Käufer. Und denen wollen sie die Waren so...
Landrätin Stephanie Ladwig und Kreispräsident Peter Sönnichsen ernannten in Plön den ersten ehrenamtlichen Kulturbeauftragten des Kreises Plön, Mathias Wolf (Mitte).

Kreis installiert ein „fehlendes Bindeglied“

03.06.2018
Plön (kud). Die Idee entstand bei zwei Konferenzen mit im Kreis Plön tätigen Kulturschaffenden. Sie beklagten, man kenne sich untereinander nicht, es gebe kein Netzwerk und damit kein gemeinsames Auftreten. „Diesen Argumenten konnten und wollten wir uns nicht...
Kommandant Jens Martin freut sich über eine alte Fotografie, die Paul French (rechts) als Dank für die Einladung überreicht.

Das persönliche Erleben spricht für sich

31.05.2018
Plön (kud). Janina Focke ist eine junge Frau. Sie stammt aus Rostock und beschloss nach dem Abitur, dass sie einen Beruf braucht, der sie an der See hält. Inzwischen ist sie Oberleutnant zur See und Presseoffizierin, Jetzt schaut sie berührt und still auf eine...

UNTERNEHMEN DER REGION